Würdevolles Altern

Lokales
Grafenwöhr
23.09.2015
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Selbstbestimmung bis ins hohe Alter hat sich die Seniorengemeinschaft westlicher Landkreis Neustadt/WN zum Ziel gesetzt. Am 30. September wird die Organisation als gemeinnütziger Verein gegründet. Im Grafenwöhrer Stadtrat gab es Informationen aus erster Hand.

Elisabeth Gottsche, Quartiermanagerin der Sozialen Stadt, erläuterte das Konzept im Namen der Seniorenbeauftragten des Vierstädtedreiecks. Bürger mit gleichen Interessen schließen sich zusammen, um Probleme zu lösen, die sie alle betreffen.

In einer Selbsthilfe-Gemeinschaft sorgen sie füreinander mit Arbeiten, die sie selbst verrichten können, und erhalten im Gegenzug entsprechende Hilfe anderer Mitgliedern der Gemeinschaft. An einer solchen bürgerschaftlichen Selbsthilfeeinrichtung bastelt die Quartiermanagerin der Sozialen Stadt und mit ihr die Seniorenbeauftragten. Genutzt werden soll das Potenzial älterer Menschen, betonte Gottsche.

Hilfe zur Selbsthilfe

Eine urchristliche Einstellung, die vervollständigt wird durch das Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiter. Sie stehen als sogenannte Leistungserbringer den älteren Menschen mit alltäglichen Hilfen zur Verfügung. Gottsche beschrieb den Alltag vieler Senioren: "Was für die Jüngeren selbstverständlich ist, wird für ältere Menschen zur unüberwindbaren Hürde."

In diesen Situationen greift die Hilfe zur Selbsthilfe. Gemeinsam Hand in Hand nennt der künftige Verein sein Konzept. Immer wieder betonte Gottsche: "Es ist wichtig, das Älterwerden im gewohnten Umfeld zu erleben und zu gestalten."

Die Selbsthilfeeinrichtung verspricht wirkungsvolle und kostengünstige Hilfe. "Selbstorganisiertes, kooperatives Handeln ist ein wesentlicher Erfahrungsbereich, um vor Lethargie, Vereinsamung und Ausgrenzung zu schützen", erklärte sie. Die Seniorengemeinschaft sei die ideale Form für kreativ und gemeinschaftsbezogen denkende und orientierte Menschen und "das Miteinander erzeugt zugleich wirtschaftliche und soziale Vorteile".

Dennoch sind zusätzliche Hilfestellungen immer wieder vorgezeichnet. Dann greifen die Einsätze der Mitglieder der Seniorengemeinschaft zu günstigen Konditionen, so dass herkömmliche Hilfsmaßnahmen, die oft mit der Heimunterbringung enden, vermieden werden können. Als typisches Leistungsbild nannte die Referentin Besorgungen im Alltag, Begleitung bei Einkäufen, Fahrdienste, Haus- und Gartenarbeit, Winterdienste, Grabpflege, Versorgung von Haustieren oder Schriftwechsel für das tägliche Leben.

Als wichtigen Grundgedanken für die Einsätze innerhalb der Gemeinschaft nannte Gottsche die Möglichkeit, sich in rüstigen Zeiten als Leistungsgeber einzubringen und diese Zeit für den eigenen Notfall als Empfänger anzusparen. Diese "Zeit-Rente" werde weder von einem Währungsverfall noch von einem Preisverfall bedroht. Gewährleistet sei für die Arbeitseinsätze ein umfassender Versicherungsschutz, betonte sie.

Die Referentin informierte über die Bereitschaft der zehn Gemeinden, der künftigen Selbsthilfeorganisation beizutreten. Als Starthilfe erwartet Gottsche vom Bund für die ersten drei Aufbau-Jahre einen Zuschuss von 30 000 Euro. Auch auf die finanzielle Unterstützung der Kommunen baut die Managerin. Denkbar ist für sie eine Förderung von 50 Cent je Einwohner. Gottsche fasste optimistisch zusammen: "Durch die neue Einrichtung kann es gelingen, der älteren Generation auch in Zukunft in Abstimmung mit anderen sozialen Diensten und lokalen Dienstleistungsbetrieben menschenwürdige Lebensverhältnisse zu sichern."

Wie bei Bürgerladen

Unterschiedliche Bewertungen fand der Vortrag im Gremium. Eine große Mehrheit der Räte würdigte die ehrenamtliche Ausrichtung. Erwartet wird ein positiver Effekt auf die Lebensqualität durch das hohe Maß eines selbstbestimmten Lebens. Dagegen kritisierte Klaus Schmitsdorf die Einrichtung als Reparaturbetrieb für eine verfehlte Sozialpolitik. "Da stecken eineinhalb Jahre durchdachte Planung drin. Lassen Sie einfach den Projektvorschlag auf sich wirken", reagierte die Referentin.

Dieser Meinung waren auch Josef Neubauer (CSU) und Thomas Schopf (FWG): "Geben wir dem Verein eine Chance, dann liegt es an den künftigen Mitgliedern, ob die Seniorengemeinschaft zur Erfolgsgeschichte wird." Bedenken musste Gottsche bei Gerhard Mark (CSU) ausräumen. "Beschädigt wird der bestens funktionierende und kostenlose ,kleine Dienst' der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden", befürchtete der Stadtrat. Gottsche verwies auf die Zustimmung der Ortspfarrer.

Positiv sieht der Gründung Helmuth Wächter (SPD) entgegen. "Die Seniorengemeinschaft wird sich bewähren", erklärte er. Thomas Weiß erinnerte an die Bedenken bei der Gründung des Bürgerladens. "Heute ist er nicht mehr wegzudenken."
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