Zbigniew Kolakowski erzählt von seiner Zeit als KZ-Häftling in Regensburg - Jugendliche erleben ...
Luftangriffe verschaffen Verschnaufpause

Tassilo Heimberg, geschäftsführender Vorsitzenden des Michaels-Werks (Erster von links) bedankt sich mit einer Torte der Konditorklasse bei Zbigniew Kolakowski (Zweiter von rechts). Bild: hfz
Lokales
Grafenwöhr
12.05.2015
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Unbequeme Fragen, erschütternde Antworten: Jugendliche der Berufsschule des St.-Michaels-Werks Grafenwöhr/Regensburg und deren tschechische Austauschpartner hatten die Gelegenheit, Geschichte aus erster Hand zu erleben. Bei einem Zeitzeugen-Gespräch mit dem Warschauer Zbigniew Kolakowski (90) konnten sie ihn über seine Zeit als Häftling im Konzentrationslager befragen. Zum 70. Jahrestag seiner Befreiung besuchte Zbigniew Kolakowski ein weiteres Mal Regensburg und berichtete von seinem Schicksal. Der Warschauer überlebte das KZ-Außenlager Colosseum in Regensburg. In die Fänge des NS-Regimes geriet Kolakowski 1944 während der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. In diesem Zusammenhang wurden 100 000 Polen als Zwangsarbeiter und weitere 60 000 in KZs verschleppt. Darunter war auch der damals 20-Jährige. Nach seiner Zeit in verschiedenen Durchgangslangern kam der Warschauer am 19. März 1945 ins KZ-Außenlager Colosseum.

Zwangsarbeit im KZ

Die Lebensbedingungen waren miserabel, Essen und Trinkwasser fortwährend zu wenig, Misshandlungen an der Tagesordnung: Die Nazis zwangen ihn, die Schäden von Bombenangriffen auf Gleisen und Strecken der Reichsbahn zu beseitigen. Diese Arbeit empfand der 90-Jährige als relativ privilegiert im Vergleich zu anderen Gefangenen, die nicht nur unter den extremen körperlichen Strapazen, sondern auch unter den Prügeln der SS-Mannschaften leiden mussten.

Der Warschauer erzählte von Luftangriffen der Alliierten, vor denen er sich zwar auch selbst schützen musste, andererseits verschafften sie ihm Verschnaufpausen. Auf Nachfrage von Schülern offenbarte Kolakowski, dass er große Angst um sein Leben hatte und nie wusste, ob er die deutschen Lager und ihre Schergen überleben werde. "Gott hat mir geholfen", betonte er.

Als sich das Ende des Krieges abzeichnete, wurde Kolakowski mit anderen Gefangenen zu einem mörderischen Marsch, einem sogenannten Todesmarsch, in Richtung Alpen gezwungen. Dankbar erinnert er sich an eine Bäuerin aus Berg nahe Laufen: Nachdem die SS-Mannschaft während des Marsches desertiert war, hatte sie dem völlig entkräfteten 20-Jährigen Essen und Unterkunft gegeben. Sie rettete ihm dadurch das Leben.

Am Ende des Dialogs bedankte sich Tassilo Heimberg, geschäftsführender Vorstand des Michaels-Werks, auch im Namen aller Schüler mit einer Torte der deutsch-tschechischen Konditorklasse für Kolakowskis Bereitschaft und Offenheit, über seine Erinnerungen zu sprechen.
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