Zu früh gefreut

Billiger Diesel in Grafenwöhr für 99 Cent je Liter meldeten am Donnerstag Bayerisches Fernsehen und Antenne Bayern - der günstige Sprit in ganz Deutschland. Eine Falschmeldung, wie sich für die erstaunten Autofahrer rasch herausstellte. Bilder: do (2)
Lokales
Grafenwöhr
19.01.2015
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Die Ein-Euro-Marke für den Liter Diesel ist nicht geknackt. Eine entsprechende Meldung in den Medien stellte sich als falsch heraus. Allerdings sollten Diesel-Fahrer die Hoffnung nicht aufgeben.

Nix wie hin, dachte sich am Donnerstagabend manch Grafenwöhrer und zahlreiche Kraftfahrer nahmen sich vor, am Freitagfrüh Deutschlands preisgünstigste Tankstelle anzufahren. Das Bayerische Fernsehen und Antenne Bayern bezogen sich auf Internet-Suchportale und verkündeten aus der Soldatenstadt 99,9 Cent für den Liter Dieselkraftstoff. Eine Falschmeldung, wie sich jedoch herausstellte.

Die preisgünstigste Tankstelle Bergler verkaufte den Diesel am Donnerstagnachmittag für 107 Cent, für den Liter Super waren 121 Cent zu bezahlen - "Auch noch preisgünstig", wie der diensthabende Bergler-Mitarbeiter an der Kasse befand. Am Samstagvormittag standen schon wieder 112 Cent für den Diesel und 126 Cent für das Superbenzin auf der elektronischen Preistafel.

Erklärungsversuche für die Meldungen über den vermeintlich billigsten Sprit in der Republik ausgerechnet in einem Kraftstoff-Hochpreis-Gebiet wie die nördliche Oberpfalz führten zur Tankstelleneröffnung des regional tätigen Energie- und Mineralöl-Händlers Bergler.

Seit Donnerstagnachmittag wird die bisherige Esso-Tankstelle in Grafenwöhr von der Firma Bergler geführt. In der Umbauphase leuchtete den Kraftfahrern auf der Preistafel eine Zahlenkolonne mit lauter Neunern entgegen, wusste ein aufmerksamer Autofahrer. Möglicherweise seien durch einen Übertragungsfehler die Neuner in die Suchportale gelangt, mutmaßte der Tankwart. Eine Stellungnahme der Bergler-Geschäftsführung war am Wochenende nicht zu bekommen.

Preise im Sinkflug

In Sicht ist beim Diesel die 1-Euro-Marke trotzdem. Ebenfalls am Donnerstag, 15. Januar, kratzte der Dieselpreis in Rheinland-Pfalz den 1-Euro-Literpreis und auch in Schleswig-Holstein sank mit 99 Cent je Liter der Dieselkraftstoff wieder auf eine Marke, die er zuletzt im März 2009 unterboten hatte. Grund für die Talfahrt ist der anhaltende Verfall der Ölpreise. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent im Durchschnitt des vergangenen Jahres 73,79 Euro und damit real weniger als 1981 mit umgerechnet 79,60 Euro. Zum Jahresende 2014 sei der Preis auf 49 Euro gefallen.

Im bundesweiten Durchschnitt ist der Preis des Selbstzünder-Kraftstoffes mit 1,11 Euro aber noch ein ganzes Stück weit von der 1-Euro-Marke entfernt. An der Raiffeisen-Tankstelle in Grafenwöhr mussten die Autofahrer am Samstag 1,12 Euro und an der Freien Tankstelle in Eschenbach 1,13 Euro bezahlen. Das Super-Benzin kostete 1,26 bzw. 1,29 Euro je Liter.

Seit Herbst 2013 können die Autofahrer die aktuellen Preise im Internet oder via Smartphone-App vergleichen. Grundlage für die Angebote sind die Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamtes, an die die Anbieter jede Preisanpassung melden müssen. Teuer oder nicht, den Spritpreis diktieren die Konzerne, murren die Tankstellen-Betreiber. "Es bleibt uns nicht viel übrig", klagen die Besitzer hinter vorgehaltener Hand. "Meist sind es nur zwei Cent je Liter." Wer sind dann die Vermarktungsgewinner des Schwarzen Goldes? Für die Mineralölwirtschaft ist es der Staat. Nach Angaben des Branchenverbandes MWV beträgt der Steueranteil durch Energie-, Öko- und Mehrwertsteuer je Liter Benzin zirka 57 Prozent.

Schub für Konjunktur

Staatskasse und Steuerzahler können sich trotzdem gemeinsam freuen. Billiges Öl hilft der Wirtschaft und den Verbrauchern. Die Folge ist ein Konjunkturschub, der aus Expertensicht deutlich ausfallen wird. Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, rechnet mit einem Wachstum von 0,4 Prozentpunkten durch billiges Öl. Ähnlich optimistisch äußerte sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann: "Uns wird ein Konjunkturprogramm geschenkt!"

Auch beim Heizöl spart der Verbraucher. Erstmals seit fünf Jahren rutschte der Preis für 100 Liter wieder deutlich unter die Marke von 60 Euro. Im Bundesdurchschnitt lagen die Heizölpreise am Wochenende bei 55 Euro einschließlich Mehrwertsteuer bei Abnahme von 3000 Litern.
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