Zurück zu den Wurzeln

Lokales
Grafenwöhr
26.09.2015
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Pfarrer Hans Bayer ist wieder da. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht. Am 1. September zog der ehemalige Stadtpfarrer im Ortsteil Gößenreuth in eine Wohnung im Haus von Landwirt Michael Müller.

24 Jahre, 1981 bis 2005, leitete der beliebte Priester die große Pfarrei. Nach genau zehn Jahren kehrte er aus der 650-Seelengemeinde Heinrichskirchen zurück. Inzwischen ist er etlichen ihm vertrauten Menschen wiederbegegnet, hat schon einige Messen gehalten.

Beim Besuch mit Stadtpfarrer Bernhard Müller in seinem neuen Domizil entschuldigt er sich fast für die herumstehenden Umzugskartons. Die ihn ein Leben lang begleitende Christusikone oder die überdimensionale Zimmerpflanze haben bereits ihren festen Platz. In der Regel gehe man nicht dorthin, wo man als Priester schon gewirkt habe. Den Umständen entsprechend sei dies aber die beste Lösung gewesen, sagt Bayer lächelnd. Mit "den Umständen" erklärt er sein Alter von 82 Jahren, und die Nähe zu "seiner Familie", sprich Schwester Lydia, Schwager Karl, Nichte Monika in Grafenwöhr und den Bruder in Mantel. Zurück zu den Wurzeln also? "Das kann man so sagen." Zudem habe ihm ein chirurgischer Eingriff am Kopf die Entscheidung förmlich aufgezwungen. In Heinrichskirchen sei ihm "vieles einfach zu viel geworden".

Er wählte Heinrichskirchen im Bayerischen Wald für seinen Ruhestand. Doch als er sich einer Menge Aufbauarbeit gegenübersah, konnte er nicht anders. So hieß es wieder zupacken: Gottesdienste, Landjugend, Ministranten, Senioren, Vereine und noch mehr, dazu reichlich Büroarbeiten. Seine Bilanz: "Ich war mehr als ausgelastet." Also der sprichwörtliche Unruhestand? "So war es!" Doch er habe Glück gehabt mit seinen Mitarbeitern: "Vom Kirchenpfleger bis zum Pfarrgemeinderat, es war eine tolle Zusammenarbeit." Dementsprechend schwer sei auch der Abschied von dort gewesen.

In Grafenwöhr will er nun wirklich den Ruhestand leben. Was letztlich aber nicht bedeute, nichts mehr zu tun. Bayer hat klare Vorstellungen: Den Stadtpfarrer mit Gottesdiensten unterstützen, wenn er gebraucht werde. Extra Wünsche aus der Pfarrei erfüllen wie Messen, Jubiläen, Vorträge und dergleichen nicht. Ihm liege sehr viel an seiner harmonischen Beziehung zu Müller. Er sei der Stadtpfarrer und Ansprechpartner. Er selbst wolle sich zurücknehmen und "sehr dezent" wirken, was auch voll im Sinne seiner Ärzte sei, betont Bayer. Dem kann Müller zustimmen und wünscht "gute Zusammenarbeit".

Die jährlichen Osternachtfeiern mit den anschließenden Begegnungen auf dem Kirchplatz und die Diakon- und Priesterweihen von Jürgen Hohn und Reinhard Pappenberger nennt Bayer als Höhepunkte. Der großartige Ostergarten und die einzigartige Bibelausstellung fallen ihm zudem ein. In diesem Zusammenhang lobt er die "hervorragende Zusammenarbeit mit Gemeindereferentin Roswitha Heining", all die guten Impulse der Praktikanten und überhaupt das rege und wunderbare Miteinander von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung.

Frühstück und Mittagessen nimmt er bei Schwester Lydia (85) und Schwager Karl (97) ein. Bei passendem Wetter schwingt er sich dazu aufs Rad. "Von Gößenreuth nach Grafenwöhr runter läuft's wie g'schmiert, aber halt wieder zurück, da heißt es ganz schön strampeln." Stadtpfarrer Müller scherzt: "Jedenfalls die Gößenreuther freuen sich, dass sie jetzt einen eigenen Pfarrer haben. Das war noch nie der Fall." Wurde in der St. Michaelskapelle bisher einmal im Monat Gottesdienst gehalten, so kommen die Leute hier künftig einmal wöchentlich den Genuss - dank Hans Bayer.

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Am Sonntag feiern die Gößenreuther traditionsgemäß ihre Michaelskirchweih. Der Festgottesdienst um 9.30 Uhr wird in doppelter Besetzung gehalten.
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