Künftiger Nato-Oberbefehlshaber dringt auf dauerhafte Stationierung in Europa
US-General fordert Panzerbrigade

Ein amerikanischer Kampfpanzer vom Typ "Abrams" fährt auf die Schießbahn auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Die Panzer stehen dort bereit, damit Truppen, die für einige Monate aus den USA nach Europa kommen, üben können. Bild: paa
Politik DE/WELT
Grafenwöhr
24.04.2016
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US-General Curtis M. Scaparrotti. (Foto: US-Armee)
Grafenwöhr: Garnison Grafenwöhr |

Washington/Grafenwöhr. Der designierte Nato-Oberbefehlshaber, US-General Curtis M. Scaparrotti, hat bei einer Anhörung vor dem Senat in Washington die dauerhafte Stationierung einer dritten US-Kampfbrigade in Europa gefordert. Bislang hat das US-Heer zwei leichte Kampfbrigaden diesseits des Atlantiks: das 2. US-Kavallerieregiment in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) mit Radpanzern vom Typ "Stryker" und die 173. US-Luftlandebrigade in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und Vicenza (Italien). Letzterer Verband schloss am Wochenende seine vierwöchige Übung "Saber Junction" in Hohenfels (Kreis Neumarkt) ab.

Scaparrotti sagte am Donnerstag dem Verteidigungsausschuss, eine dauerhaft in Europa stationierte Panzerbrigade wäre das Beste. Im Pentagon wird seit Monaten diskutiert, ob es der Abschreckung dienen würde, weitere Heeresverbände zu stationieren. Eine Kommission zur Zukunft des US-Heeres unter der Leitung des ehemaligen Oberkommandierenden des US-Heeres in Europa, dem pensionierten US-General Carter Ham, forderte schon vor einem Jahr, eine US-Panzerbrigade in Europa zu stationieren. Begründet wurde dies mit der veränderten Sicherheitslage in Europa. Der scheidende Nato-Oberkommandierende, US-Luftwaffengeneral Philip M. Breedlove warnt vor einem "revanchistischen Russland".

Dem Wunsch des Militärs entspricht die Regierung von US-Präsident Barack Obama bislang nicht. Es wäre in einem Wahljahr auch kaum zu erklären, dass in Europa neue Kasernen für US-Truppen aufgebaut werden, die von Standorten in den USA abgezogen werden müssten. Zumal die vor Jahren von Demokraten und Republikanern beschlossenen Kürzungen im US-Verteidigungshaushalt weiterlaufen. Vor diesem Hintergrund kann es nicht überraschen, dass Obama in Hannover von den Europäern fordert, ihre Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, so wie dies von der Nato vor langem beschlossen wurde. Deutschland liegt bei 1,1 Prozent, die USA bei 3,5 Prozent. Trotz Erhöhung der Verteidigungsausgaben erreicht Deutschland dieses Ziel auch künftig nicht.

Allerdings will Obama die Mittel für Übungen in Europa ab dem im September beginnenden Haushaltsjahr 2017 vervierfachen, auf 3,4 Milliarden US-Dollar. Doch noch ist der Etat vom Kongress nicht beschlossen worden. Mit dem Geld soll zwar keine zusätzliche Panzerbrigade nach Europa verlegt werden, aber der Zeitraum, für den ein Verband aus den USA in Europa übt, verlängert sich von bisher vier bis sechs Monaten auf dann neun Monate. Das entspricht dem üblichen Einsatz-Rhythmus im Heer. Die Brigade soll jeweils in Osteuropa üben, und so das 2. US-Kavallerieregiment und die 173. US-Luftlandebrigade entlasten.

Zudem wollen die US-Streitkräfte für den Notfall die Ausrüstung für vier weitere Heeresbrigaden in Europa lagern. Im Gespräch sind wegen der Nähe zu den Häfen Standorte in Belgien, den Niederlanden und Deutschland - hier möglicherweise Baumholder (Rheinland-Pfalz). Derzeit holen in Grafenwöhr, aber auch in den osteuropäischen Nato-Staaten, US-Soldaten die bereits hier gelagerten Panzer und Fahrzeuge aus dem Depots. Sie bereiten sich auf die Übung "Anakonada" mit mehr als 25 000 Teilnehmern aus 21 Ländern im Sommer in Polen vor.
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