Anonyme Bestattungen geplant
Preiswert und pietätlos?

Verbunden mit der Diskussion vor Ort über eine anonyme Urnenbestattung im großen Stil im städtischen Friedhof in Hütten war die Debatte über mögliche Standorte des Gemeinschaftsgrabes. Dazu gab es Überlegungen für eine kleine Fläche zwischen dem Gräberfeld gegenüber dem Leichenhaus, neben den Wasserspendern und vor dem lebenden Zaun in Richtung der Pfarrkirche St. Josef. Bild: do
Politik
Grafenwöhr
07.09.2016
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Die Meldung ist gewöhnungsbedürftig. Im städtischen Friedhof in Hütten sind bis zu 1000 anonyme Urnenbestattungen geplant. Die Idee stammt vom Bestattungsunternehmen Schmitz. Gut für Hütten? Gut für Grafenwöhr? Und warum ausgerechnet in der kleinen Ortschaft Hütten?

Hütten/Grafenwöhr. Recht wohl fühlten sich die Bauausschussmitglieder des Stadtrates nicht so recht bei dem Gedanken, im Friedhof in Hütten einen "Urnen-Tourismus", wie es Stadtrat Josef Neubauer (CSU) formulierte, zu genehmigen. Bei einem Ortstermin diskutierte das Gremium mit dem Antragsteller über die Möglichkeiten dieses voluminösen Vorhabens. Hintergrund der Schmitz'schen Vorschläge ist die Eröffnung eines der modernsten Krematorien Europas in Hemau. Für den Betreiber des Krematoriums möchte das Bestattungsinstitut mit Firmensitzen in Weiden und Grafenwöhr nach der Kremierung die Asche der Verstorbenen übernehmen und einer stillen und anonymen Beisetzung zuführen.

Biologische Urnen


Das Bestattungsunternehmen schlägt eine Beisetzung mit rein biologischen Urnen auf einem noch auszuweisenden Urnenfeld im Friedhof Hütten vor. Platz gibt es hier genug, findet Alfred Schmitz. Und überhaupt: Eine Urnenwiese in den Ausmaßen von vier mal fünf Metern genüge, erklärte Schmitz vor Ort den staunenden Ratsmitgliedern. Der Bestatter versicherte: "Nach der anonymen Beisetzung wird die Stelle sofort wieder begrünt." Auch Beisetzungen in mehreren Schichten übereinander schließt Alfred Schmitz nicht aus. Dann erreiche die Bestattungskapazität auf circa 20 Quadratmetern circa 1000 Urnen, rechnete er dem Gremium vor. Die Anonymität garantiert der Unternehmer.

Eine Kennzeichnung auf dem Gemeinschaftsgrab werde es nicht geben. Nur die Rathausverwaltung bekomme Informationen über die Grablege und die üblichen Sterbedaten, betonte Schmitz. Auch die pünktliche Überweisung der Grabgebühren für die 15-jährige Ruhezeit werde vom Unternehmen organisiert. Der finanzielle Aspekt war für den Hüttener Stadtrat Gerhard Mark (CSU) noch kein Grund zum Jubeln. "Nicht das Geld darf im Mittelpunkt stehen, sondern die Pietät", bemerkte Mark. Grundsätzliche Bedenken äußerte zweite Bürgermeisterin Anita Stauber. Als amtierende Rathauschefin mahnte sie zur Vorsicht: "Hütten hat keinen städtischen Charakter. Solche Dimensionen passen eher in eine große Stadt."

Eine offizielle Urnenanlage schloss sie für den Friedhof in Hütten aus. "Urnenbestattungen finden meist in bereits vorhandenen Grabstätten statt." Zu den Bedenken von Bauausschussmitglied Josef Neubauer "das riecht nach Bestattungs-Tourismus" empfahl der Firmenchef eine realitätsnähere Betrachtung des Bestattungswesens. "Eine heile Welt gibt es im Bestattungswesen schon lange nicht mehr - es muss billig sein." Während sich Klaus Schmitsdorf (Die Linke) mit einer Billiglösung anfreunden konnte - "wir müssen an die Minderbemittelten in unserer Gesellschaft denken" - konnte sich Gerald Morgenstern (CSU) allenfalls eine Bestattungsregelung für Einheimische vorstellen.

Ortsversammlung


Zu einer Entscheidung kam es nicht. Der beschließende Ausschuss stimmte dem Vorschlag von Bürgermeisterin Anita Stauber zu, erst einmal die Bürger von Hütten zu befragen. Dazu versprach sie eine zeitnahe Ortsversammlung.
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