Bauausschuss Grafenwöhr
Widerstand zwecklos

Politik
Grafenwöhr
09.09.2016
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Die Kieswerke Richard Suttner aus Pressath kommen der Ausbeutung der Quarzsand-Vorkommen nahe Grub und Hütten ein Stück näher. In der jüngsten Bauausschusssitzung des Grafenwöhrer Stadtrates gab das Gremium seine bisherigen Bedenken gegen weitere Kies- und Sandabbaugebiete auf.

Zwei Absagen


Hintergrund der Entscheidung ist die Aussichtslosigkeit des Widerstandes. Der geplante Sandabbau in den Gemarkungen Hütten und Steinfels scheint auch ohne Zustimmung der Stadt Grafenwöhr möglich. Zu dieser Erkenntnis gelangt die Rathausverwaltung nach Auswertung der Stellungnahmen der Regierung, des Landratsamtes und der Fachbehörden.

Auch im weiteren Verfahrensverlauf scheint die Kommune schlechte Karten zu haben. Jedenfalls haben Regierung und Landratsamt die Argumente der Stadt bei der Entscheidungsfindung nicht berücksichtigt. Nach zweimaliger Ablehnung wollte sich der Bauausschuss ein drittes Mal diese Schlappe nicht antun.

Den Verfahrensstand zum beantragten Nassabbau von Quarzsanden entlang des Haidenaab-Flutkanales bei Grub durch die Firma Richard Suttner aus Pressath erläuterte Kathrin Regler. Geplant ist in einem bisher forstwirtschaftlich genutzten Gebiet von 35 Hektar eine Abbaufläche von 24 Hektar. Ein Drittel des Areals ist Stadtgebiet. Die Firma Suttner rechnet mit einer Mächtigkeit der Lagerstätte von bis zu 2,70 Meter, heißt es in den Verfahrensunterlagen. Daraus errechnet sich eine Abbaukapazität von circa 721 000 Kubikmetern Quarzsand.

Mit Blick auf die Rechtslage urteilte Kathrin Regler: "Das Gebiet ist im Regionalplan Oberpfalz Nord als Vorranggebiet für Bodenschätze ausgewiesen." Deshalb sei es für die Stadt sehr schwierig, gegen das Projekt anzugehen. Auch die begleitenden Untersuchungen in Form der Umweltverträglichkeitsprüfung und der hydrogeologischen Bewertungen hätten keine "dramatischen" Bedenken ergeben. Die Fachkraft der städtischen Bauverwaltung sah deshalb für die Stadt keine großen Chancen, das Projekt zu kippen.

Warum auch, fragte sich Bauausschussmitglied Gerald Morgenstern (CSU). "Es geht um unsere Rohstoffe, wir haben ja sonst keine." Diese auszubeuten, sei wirtschaftlich vertretbar. Zudem verspreche eine Nachnutzung einen Gewinn für Erholungssuchende. Morgenstern signalisierte deshalb im Namen der CSU-Fraktion Zustimmung.

Ähnlich argumentierte FW-Sprecher Thomas Schopf. "Das Gebiet ist im Regionalplan schon fest als Vorranggebiet für Kies- und Sandabbau verankert. Da gibt es keine Chance, uns zu wehren." Ganz anders bewertete die Entwicklung Thomas Weiß: Der SPD-Sprecher befürchtet bei einem weiteren intensiven Kiesabbau eine allmähliche Absenkung des Grundwasserspiegels. "Beim Freizeitsee Dießfurt ist er bereits festzustellen." Weiß urteilte: "Wir haben schon genügend Abbauflächen."

Pro und Contra


Klaus Schmitsdorf zweifelte am Wahrheitsgehalt von Bewertungen der Fachbehörden. "Ich traue den Oberpfälzer Behörden nicht unbedingt über den Weg", bemerkte der Stadtrat der Linken. Deshalb sei er, so Schmitsdorf, generell dagegen, heimische Rohstoffe zu verschwenden. Im Gegensatz dazu sah Timo Schön mit Blick auf die Entwicklung an den umliegenden Freizeitseen Positives.

Das Pro und Contra spiegelte sich in der folgenden Abstimmung wider. Mit dem Stimmenverhältnis von 7:4 erteilte der Bauausschuss des Stadtrates für den von der Firma Suttner beantragten Quarzsand-Abbau das gemeindliche Einvernehmen.

LED-LeuchtenEinmal vor Ort besichtigte der Bauausschuss den Radweg entlang der B 299 von Hütten, Hauptstraße in Richtung Steinfelser Straße. Die Errichtung von LED-Leuchten entlang des Radweges ist beschlossene Sache. Stadtbaumeister Hans Rettinger bezifferte beim Ortstermin die Gesamtkosten der elf Straßenlampen einschließlich Erdarbeiten und Kabelverlegung auf 21 500 Euro. (do)


Das Gebiet ist im Regionalplan Oberpfalz Nord als Vorranggebiet für Bodenschätze ausgewiesen.Kathrin Regler, Stadtbauamt Grafenwöhr
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