Das US-Heer gibt den Takt vor

Der Vorsitzende der Nato-Heeres-Rüstungsgruppe, Brigadegeneral Odd-Harald Hagen (links) ist zufrieden. Neben ihm, US-Brigadegeneral Christopher G. Cavoli, Kommandeur des Gemeinsamen Multinationale Trainingskommandos. Bild: paa
Politik
Grafenwöhr
23.05.2015
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Mit rund 4700 Soldaten läuft die zweite Großübung des US-Heeres in der Oberpfalz in diesem Jahr. Diesmal mit einer Brigade aus den USA. Ein Stichwort lautet Verbesserung der Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Dabei ist das US-Heer der Taktgeber.

Bis zum nächsten Jahr, bis sich die Staats- und Regierungschefs der 28 Nato-Mitglieder in Warschau treffen - in der Stadt, in der 1955 der Warschauer Pakt gegründet worden war -, soll das Militär der transatlantischen Allianz wieder besser auf die Bündnisverteidigung ausgerichtet sein. Ein Ziel, auf das sich die Nato lange vor dem Ausbruch der Ukraine-Krise verständigt hatte. Ein Mittel dazu sind Übungen unter dem Schirm der Nato, oder aber unter der Führung des US-Heeres - so wie in diesen Wochen auf den Truppenübungsplätzen Hohenfels (Kreis Neumarkt) und Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN). Rund 4700 Soldaten aus 13 Ländern nehmen an der Übung "Combined Resolve IV" (Gemeinsame Entschlossenheit) teil. Sie begann am 1. Mai und endet am 26. Juni - mit einen Gefechtsschießen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Daran beteiligen sich neben den US-Truppen auch Briten und Rumänen. Die Mehrheit der Teilnehmer bei "Combined Resolve IV", der zweiten Großübung in diesem Jahr in der Oberpfalz nach "Saber Junction 2015" im April, stellt die 1. Panzerbrigade der 3. US-Infanteriedivision aus Fort Stewart im US-Staat Georgia. Weitere Soldaten wurden von den Nato-Mitgliedern Albanien, Bulgarien, Dänemark, Kroation, Tschechien, Lettland, Rumänien, Slowenien, Italien, sowie wie den Nato-Partnerländern Moldawien, Montenegro und Serbien entsandt.

Übung auch in Georgien

Die Soldaten der 1. US-Panzerbrigade üben nicht nur in der Oberpfalz, sondern auch im Baltikum und in Georgien. Der Verband ist dieses und nächstes Jahr dem Oberkommando des US-Heeres in Europa unterstellt, um die Lücken zu füllen, die durch den Abzug zweier US-Brigaden im Jahr 2013 entstanden sind.

Die zeitweise Verlegung nach Europa habe einen Vorteil, macht Brigadegeneral Christopher G. Cavoli, Kommandeur des Gemeinsamen Multinationale Trainingskommandos in Grafenwöhr deutlich: Dies eröffne mehr US-Soldaten die Möglichkeit, Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit anderen Nationen zu sammeln.

Diese Zusammenarbeit klappt noch nicht immer reibungslos, obwohl die Nato seit mehr als einem Jahrzehnt in Afghanistan und noch länger auf dem Balkan im Einsatz ist. Dies hat technische Gründe. Es fehlen Schnittstellen und die nationalen Kommunikationsnetze sind nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. Es sei ein Konflikt zwischen dem Teilen und dem Schützen, sagt der Oberkommandierende des US-Heeres in Europa, Generalleutnant Frederick "Ben" Hodges. Als Lösung auf der technischen Seite plane und entwickle die Nato Standards für den Datenaustausch und ein eigenes Einsatz-Kommunikationsnetz.

Eine zweite Säule zur Verbesserung sieht Hodges in der Ausbildung der Soldaten und in Übungen. "Combined Resolve" sagt Cavoli, ziele darauf ab, die Zusammenarbeit zu schulen. Der norwegische Vorsitzende der Nato-Heeres-Rüstungsgruppe, Brigadegeneral Odd-Harald Hagen, sagt bei seinem Besuch in Hohenfels, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit habe sich wesentlich verbessert. Und Generalmajor David Cullen, stellvertretender Stabschef der britischen Armee, lobt, "es ist so wichtig, dass die US-Armee dies vorantreibt".

Botschaft an Putin

Vor zwei Wochen schrieb Hodges an seine Truppen: "Die 30 000 Soldaten des US-Heeres Europa müssten heute einen strategische Wirkung erzielen wie vor Jahrzehnten 300 000." Dazu dienen aus US-Sicht Übungen wie "Combined Resolve IV". Der Empfänger dieser Abschreckungsbotschaft ist offensichtlich: der russische Präsident Wladimir Putin.
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