Deutscher General als US-Stabschef
Mit dem Schwert der Freiheit

Auf dem rechten Oberarm, unter der deutschen Flagge, trägt Brigadegeneral Markus Laubenthal das Abzeichen des Oberkommandos des US-Heeres in Europa: ein flammendes Schwert. Bild: US-Armee
Politik
Grafenwöhr
04.03.2015
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Brigadegeneral Markus Laubenthal ist ein Vorreiter. Als erster deutscher Offizier ist der ehemalige Amberger Brigadekommandeur Chef des Stabes beim Oberkommando des US-Heeres in Europa.

Beim US-Heer in Europa herrscht seit Monaten Hochbetrieb. Amerikanische Verbände und Einheiten üben seit April 2014 nahezu ohne Unterbrechung in Osteuropa. Geplant und gesteuert werden diese Einsätze im europäischen Hauptquartier des amerikanischen Heeres in der Lucius-D.-Clay-Kaserne in Wiesbaden. Mittendrin sitzt ein deutscher Brigadegeneral als Chef des Stabes.

"Ich habe mich gut eingelebt", sagt Brigadegeneral Markus Laubenthal im Telefongespräch mit unserer Zeitung und fügt mit Blick auf die ersten Monate hinzu. "Aber es war ein Start von null auf einhundert." Seit August ist der ehemalige Kommandeur der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg Chef des Stabes in Wiesbaden. Früh morgens um 7 Uhr sitze er als Erster im Büro, um bei einer Tasse Kaffee den Tag vorzubereiten, erzählt Laubenthal. "Ich habe das schon in Amberg gemacht."

Nun trägt er wie alle anderen Mitglieder des Stabes das amerikanische Verbandsabzeichen mit dem flammenden Schwert der Freiheit auf dem blauen Normannen-Schild auf dem rechten Oberarm seiner Uniform - und darüber die deutsche Flagge, nicht die amerikanische.

Mehr Besprechungen

Dennoch ist er vollständig in die Abläufe des Stabes integriert: "Ich sehe alles, was ich für meine Arbeit brauche", sagt Laubenthal. Allerdings ist diese "etwas anders als in Nato-Stäben oder deutschen Stäben". Die Verfahren seien gleich, aber das Haushaltsrecht sei anders. Es gebe auch deutlich mehr Besprechungen und weniger Papiervorlagen - und wenn, dann eher Powerpoint-Vorlagen. Auch das Aufgabengebiet sei größer als in einem Bundeswehr-Stab: Unter anderem trage das Kommando in Wiesbaden die Verantwortung für die amerikanischen Kasernen in Europa, die Familien und den Schutz der Soldaten, ihrer Angehörigen und der Zivilangestellten.

Einsätze in Osteuropa

Für das Oberkommando der US-Streitkräfte in Stuttgart (EUCOM) leitet Wiesbaden die Heereseinsätze für die Mission "Atlantic Resolve" ("atlantische Entschlossenheit") in Polen und in den baltischen Staaten. Dazu werden, wie derzeit, etwa Teile des 2. US-Kavallerieregiments aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) abgeordnet oder auch Teile der 173. Luftlandebrigade aus Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und dem italienischen Vicenza. Zudem kommen seit einem Jahr US-Verbände für einige Monate nach Europa, um mit US-Alliierten oder Nato-Staaten zu üben.

Vergangene Woche besuchte Laubenthal deswegen zum ersten Mal in seiner Rolle als Chef des Stabes Grafenwöhr. Er beriet mit Brigade- general Randy George von der 4. US-Infanteriedivision aus Fort Carson im US-Bundesstaat Colorado, wie der Stab in Wiesbaden die Division weiter unterstützen kann. Der amerikanische Offizier kommandiert das "Mission Command Element", das als Interimskommando künftig unter anderem die Mission "Atlantic Resolve" leiten soll.

Viel Gelegenheit, aus dem Büro zu kommen, habe er aber nicht, erzählt Laubenthal, obwohl ihn sein Boss, Generalleutnant Ben Hodges, häufig mitnehmen wolle. Er sei allerdings dabei, wenn es um Kontakte zu deutschen Stellen gehe. "Ich bin das Einfallstor", sagt der Brigadegeneral. Sowohl deutsche als auch amerikanische Stellen würden sich an ihn wenden, wenn sie den Kontakt zum jeweiligen Partner suchen.

Laubenthal ist überzeugt, dass die Berufung eines Deutschen auf den Posten des Generalstabschefs mehr ist als ein Symbol. "Beide Seiten meinen das sehr ernst." Er verweist auf die hoch angesiedelten Vereinbarungen, um einen deutschen Offizier in diese Funktion zu bringen. Das sei die "Fortsetzung einer bewährten Zusammenarbeit vom Balkan bis nach Afghanistan".
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