Die US-Wahl und ihre Auswirkungen auf Grafenwöhr und den Truppenübungsplatz
Mehr Verantwortung für Europa

Der Grafenwöhrer Bürgermeister Edgar Knobloch setzt auch weiterhin - nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten - auf gute Zusammenarbeit mit den Amerikaner. Bild: mor
Politik
Grafenwöhr
09.11.2016
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Donald Trump ist der neue Präsident der USA. Wir haben uns in der Region umgehört: Welche Reaktionen löst der Wahlsieg des Republikaners aus?

Grafenwöhr/Eschenbach. (esc/rca/mor) Den Wahlausgang "nicht kommentieren" will Franz Zeilmann, Pressesprecher der US-Garnison. "Das US-Militär ist neutral", sagt er. Politik werde nicht in Frage gestellt - auch nicht die - demokratische - Wahl des amerikanischen Präsidenten. Nur so viel sei zu sagen: "Der neue Präsident ist auch der oberste Befehlshaber über das Militär."

Gute Zusammenarbeit


Hat der Ausgang der US-Wahl mit einem Präsidenten Donald Trump Auswirkungen auf Grafenwöhr? Bürgermeister Edgar Knobloch, zu dessen Stadtgebiet auch die Tower-Barracks zählen, wo die meisten amerikanischen Staatsbürger in Grafenwöhr wohnen, hofft es nicht. "Europa und die Nato werden sich mehr um sich selbst kümmern und mehr Verantwortung tragen müssen", prognostiziert er aber.

"Auf Ortsebene ändert sich nichts, die jetzige Zusammenarbeit mit den Amerikanern in Grafenwöhr ist gut und gedeihlich", meint er. "Die US-Armee ist nach wie vor der größte Arbeitgeber in der Region, und dies soll auch so bleiben", wünscht sich das Grafenwöhrer Stadtoberhaupt.

Gerald Morgenstern arbeitete 21 Jahre als deutscher Soldat im Lager in Grafenwöhr. Auch er weiß: "Die Soldaten dürfen sich zu politischen Themen nicht äußern." Am Mittwoch hat er mit US-Bürgern gesprochen. "Sie haben mich gefragt: 'Lachen die Deutschen wirklich über uns wegen der beiden Kandidaten?'" Dabei seien sie etwas beschämt gewesen. Morgenstern befürchtet, dass die Wahl Trumps zum Präsidenten auch Folgen für Grafenwöhr hat: Möglicherweise setze der Republikaner mehr auf die Standorte in den USA. "Unter Hillary Clinton wäre das wahrscheinlich wie bisher weitergegangen", vermutet er.

Ingrid Lestorti ist Republikanerin und hat ihre Partei auch gewählt: beim Senat und beim Repräsentantenhaus. Beim Präsidenten hat sie sich dagegen der Stimme enthalten: "Donald Trump hat keine Erfahrung, nur einen großen Mund", sagt die in Eschenbach aufgewachsene 73-Jährige. Das Wahlergebnis war für sie deshalb ein Schock: "Ihr wäre heute morgen beinahe schlecht geworden, als sie davon erfahren hat", berichtet ihr Bruder Walther Hermann. "Sie hat es für unmöglich gehalten, dass er gewinnt."

Riss in Gesellschaft


Lestorti, die seit gut 50 Jahren in den USA - im Staat New York, an der Grenze zu Kanada - lebt, ist von einem Sieg Hillary Clintons ausgegangen: "Sie ist die Intelligentere." Aufgrund einiger Vorkommnisse und ihrer bisherigen Verhaltensweise habe die Bevölkerung aber wenig Vertrauen zu ihr.

Auch sei "die Stimmung im Land unten", und zwar bereits seit 8 bis 16 Jahren: So habe es schon seit 20 Jahren keine Lohnerhöhung mehr gegeben. Und deshalb habe die Mittelschicht Trump gewählt. Aktuell gehe "ein Riss durch die Gesellschaft", das Land sei geteilt. Und: "Die Leute mögen sich nicht, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind."

Lestorti berichtete ihrem Bruder nicht zuletzt von den Folgen des Wahlergebnisses: Helfer und Unterstützer von Hillary Clinton stünden unter Schock, die Börse sei um 800 Punkte abgestürzt. Ihr Mann, den sie kennengelernt hat, als er als US-Soldat in der Oberpfalz seine Wehrpflicht erfüllte, und der sie in die USA nachholte, stichelte im Gespräch mit seinem deutschen Schwager: "Walther, du darfst deine Uniform wieder anziehen; Europa muss sich jetzt selbst verteidigen."

HintergrundStimmen zur US-Wahl zu sammeln, gestaltete sich schwierig: Amerikanische Soldaten dürfen und wollen sich zu politischen Themen nicht äußern. Schließlich ist der neue Präsident der USA ihr neuer Chef. Ebenso halten sich manche Kommunalpolitiker mit ihrer Meinung zum Ausgang der Präsidentschaftswahlen zurück - denn auch sie müssen noch mit den Amerikanern zusammenarbeiten. (esc)
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