Folgen von Trumps Wahl für die US-Armee
Ungewissheit um Grafenwöhr

Ab Januar soll wieder ein Panzerbataillon aus den USA auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr üben, so wie im Sommer. Bild: paa
Politik
Grafenwöhr
09.11.2016
3155
4

In diesen Tagen liefern die US-Streitkräfte so viel Munition nach Europa wie seit 20 Jahren nicht mehr. Diese dient für Übungen - auch in Grafenwöhr - und zur Verteidigung Europas. Doch nach Trumps Wahlsieg wird diese möglicherweise nicht mehr gebraucht.

Grafenwöhr/Vilseck. Während seines Wahlkampfes hatte Donald Trump keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Nato ablehnt. Mehrfach machte der 70 Jahre alte Milliardär deutlich, dass die Europäer gefälligst selbst für ihre Verteidigung sorgen sollten. Nun wird der Republikaner der neue "Commander in Chief", der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Sollte er als 45. Präsident der Vereinigten Staaten das wahr machen wollen, was er angekündigt hat, könnte die Zahl der US-Soldaten in der Oberpfalz drastisch sinken, falls sie nicht sogar abgezogen werden.

Noch leben mehr als 30 000 US-Bürger in der Oberpfalz, darunter gut 10 000 Soldaten. Sie gehören zu den Standorten Hohenfels (Kreis Neumarkt), sowie Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) und Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN). Zudem sind rund 3000 deutsche Arbeitnehmer bei der US-Armee und deren Einrichtungen in der Oberpfalz beschäftigt. Ein großer Wirtschaftsfaktor. Im vergangenen US-Haushaltsjahr, das am 30. September endete, wurde von der US-Garnison Bavaria, zu der Grafenwöhr, Vilseck, Hohenfels gehören, rund 665 Millionen Euro in der Region ausgegeben, darunter 327 Millionen Euro für Baumaßnahmen, teilte ein Sprecher der Garnison auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Zudem gaben US-Bürger im zurückliegenden US-Haushaltsjahr privat mehr als 54 Millionen Euro aus. Diese Summe tauschten die Amerikaner bei Banken in der Garnison in Euro. Der Großteil dieser Ausgaben dürfte in die Region geflossen sein. Dazu kommen Käufe über Kreditkarten, die nicht erfasst werden.

Obamas Programm läuft


Derzeit läuft das vom scheidenden Präsidenten Barack Obama angestoßene Programm zur Unterstützung der europäischen Verbündeten (European Reassurance Initiative) und zur Abschreckung Russlands an. Dafür hatten führende US-Generäle, wie etwa der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Philip M. Breedlove, intensiv geworben. Nicht nur der Luftwaffengeneral warnte angesichts der Ukraine-Krise vor einem "revanchistischen Russland". Obama trug dieser Einschätzung Rechnung. Der Demokrat wollte den Etat für Übungen von US-Truppen in Europa ab dem Haushaltsjahr 2017, das am 1. Oktober begann, auf 3,4 Milliarden US-Dollar vervierfachen. Offen ist, ob der künftig mehrheitlich republikanische Kongress dem Vorschlag folgen wird. Schon in den zurückliegenden Jahren versuchten die Abgeordneten, allen voran die Republikaner, zweckgebundene Gelder in den allgemeinen Verteidigungshaushalt umzuleiten. Da dieser wegen der von Demokraten und Republikanern beschlossenen Kürzungen seit langem sinkt.

Seit Ende Oktober bringen die US-Streitkräfte Munition für Übungen aber auch für den Ernstfall nach Deutschland - insgesamt mehr als 600 Schiffscontainer. Diese wird unter anderem im US-Armeelager Miesau in Rheinland-Pfalz eingelagert. Zudem transportieren die USA für den Notfall die Ausrüstung für vier Heeresbrigaden nach Europa. Die Panzer und Fahrzeuge kommen in Depots in Belgien, in den Niederlanden und in Norddeutschland.

Bataillon übt in Region


Im Januar wird die 3. Brigade der 4. US-Infanteriedivision aus Fort Carson im US-Bundesstaat Colorado über Bremerhaven nach Osteuropa gebracht. Die erste aus den USA, die statt bisher vier bis sechs Monate nun neun Monate in Europa bleibt. Deren Bataillone sollen in Polen, im Baltikum, in Rumänien und in Bulgarien mit Verbündeten üben. Eine Ergänzung zum 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck und der in Grafenwöhr und in Vicenza (Italien) stationierten 173. US-Luftlandebrigade.

Ein Panzerbataillon aus Fort Carson wird für neun Monate in Grafenwöhr stationiert. Bislang finanziert das US-Heer dies aus dem laufenden Etat. Ohne entsprechende Mittel dürfte das von Obama gestartete Programm schnell enden. Die Entscheidung darüber hat Trump.
3 Kommentare
6
Katharina Schultes aus Neustadt am Kulm | 10.11.2016 | 09:24  
Alexander Pausch aus Weiden in der Oberpfalz | 10.11.2016 | 10:39  
56
Ali Zant aus Weiden in der Oberpfalz | 17.11.2016 | 11:38  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.