Forstdirektor Moritz Neumann stellt Gutachten vor
Mehr Laub für den Wald

Im neuen Forstbetriebsgutachten wird der längerfristige Umbau des Grafenwöhrer Stadtwaldes empfohlen. Weg von der Monostruktur der Nadelwälder und hin zum Mischwald, hieß die Empfehlung von Forstdirektor Moritz Neumann bei der Vorstellung der Planungsziele. Bild: do
Politik
Grafenwöhr
10.04.2016
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Für die Stadt Grafenwöhr ist ihr Wald ein wichtiges Kapital. Doch die Erträge beschränken sich nicht nur auf den Holzvorrat. Genauso bedeutend ist der Wert der städtischen Wälder als Lebensraum für Mensch und Tier. Die neue Forstbetriebsplanung für Grafenwöhr nimmt sich dem an.

Die Natur Natur sein lassen. Diese Forderung wird heute vielfach als die beste Art der Waldbehandlung angesehen. Doch die Kunst des Waldbaues entsteht nur in ständiger intensiver Pflege durch Waldbesitzer und Forstleute. Diese "Kunst" beherrschen die Experten der bayerischen Forstverwaltung.

Seit vielen Jahren bedient sich die Stadt Grafenwöhr des fachlichen Rates der staatlichen Förster. Daraus entstand eine vertrauensvolle Kooperation zwischen Kommune und Forstamt. Eine Bewirtschaftungsvereinbarung mit der bayerischen Forstverwaltung stellt die Zusammenarbeit auf eine rechtliche Grundlage. Zur Waldbetreuung gehören unter anderem fundierte und auf Langfristigkeit ausgelegte Wirtschaftspläne. Das neueste Gutachten mit einer Laufzeit von 20 Jahren stellte dem Stadtrat Forstdirektor Moritz Neumann nach einem Ortstermin im Stadtwald im Sitzungssaal des Rathauses vor.

Kiefern zu dominant


Die neuen Leitlinien für den 169 Hektar großen Stadtwald mit einer Holzbodenfläche von gut 140 Hektar überraschen nicht. Im Gutachten, erstellt von einem externen Sachverständigen, wird zunächst die aktuelle Baumartenverteilung analysiert. So stellten die Forstleute im Stadtwald einen Nadelholzanteil von 75 Prozent fest. Besonders die Kiefer dominiert auf dem überwiegend sandigen Waldboden. "Viel zu einseitig", urteilte Forstdirektor Moritz Neumann. Daraus folgernd kam der Vertreter der Forstbehörde zu neuen Zielvorgaben nach den Kriterien eines standortgerechten, gesunden und verjüngungsfähigen Waldes.

Als Bestockungsziel setzte sich der Forstmann einen Kiefernwaldbestand von 55 Prozent und einen Fichtenanteil von fünf Prozent. Leidenschaftlich plädierte Neumann für eine langfristige "Aufrüstung" des Laubholzanteiles auf 40 Prozent. Die Favoriten sind für den Förster Eiche (20 Prozent), Buche (10 Prozent) und sonstige Laubgehölze (ebenfalls 10 Prozent).

Neumann argumentierte: "Ein höherer Laubbaumbestand birgt weniger Waldbrandgefahr, hat ein geringeres Sturmwurfrisiko und mindert den Borkenkäferbefall." Gleichzeitig erinnerte er in einer Zeit des Klimawandels an weitere Schutzfunktionen des Waldes und sprach von der Notwendigkeit einer natürlichen Verjüngung des Bestandes. In diesem Zusammenhang sah er auch die Pflicht zur vernünftigen Bejagung.

Aus den Daten des Gutachtens erstellte der Forstmann ein auf Grafenwöhrer Verhältnisse zugeschnittenes Bewirtschaftungskonzept bis 2033. Für den Grafenwöhrer Stadtwald kam er auf der Basis eines Holzvorrates von circa 26 000 Festmetern auf eine künftige nachhaltige jährlich einschlagbare Holzmenge von 510 Festmeter, aufgeteilt in 36 Prozent Vornutzung und 64 Prozent in der Endnutzung. "Das ist ein gesundes Portfolio für die Nachhaltigkeit des Grafenwöhrer Kommunalwaldes", urteilte Neumann. Mit Blick auf die Bodenverhältnisse verwies er auf eine durchschnittliche "Umtriebszeit", dem Alter des Baumbestandes, von 130 Jahren.

Die Gutachterkosten belaufen sich auf 5400 Euro. Als besonderes Schmankerl gewähre der Freistaat einen Zuschuss von 50 Prozent. Unter Hinweis auf die mustergültige Betreuung des Grafenwöhrer Stadtwaldes durch "Kommunalförster" Martin Gottsche versprach der Forstdirektor: "Wir von der staatlichen Forstverwaltung tun unser Bestes."
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