Grafenwöhr ein Kernstück

Die US-Militäreinrichtungen in Hohenfels (Kreis Neumarkt) und Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) stehen für US-General Raymond T. Odierno im Zentrum der transatlantischen Partnerschaft. Der Generalstabschef des US-Heeres besuchte zum zweiten Mal in seiner Amtszeit die Oberpfalz. Bild: paa
Politik
Grafenwöhr
05.11.2014
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Vor drei Jahren weckte die Hinwendung der USA zum pazifischen Raum Sorgen. Die Kürzung im US-Haushalt und der Abzug von Brigaden verunsicherte zusätzlich. Davon ist heute keine Rede mehr. Angesichts eines "revanchistischen Russland" ist die Oberpfalz wieder als US-Standort gefragt.

US-General Raymond T. Odierno ist zufrieden. Das, was der 38. Generalstabschef des US-Heeres bei seinem Besuch am Dienstag in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und Hohenfels (Kreis Neumarkt) gesehen hat, "entspricht genau dem, was wir uns vorgestellt haben", sagte er. Das Gemeinsame Multinationale Trainingskommando (JMTC) und das US-Gefechtsübungszentrum in Hohenfels (JMRC) sind ausgelastet wie in den Zeiten der Kriege im Irak und Afghanistan - mit multinationalen Übungen, die der Selbstvergewisserung und der Abschreckung dienen.

Vor drei Jahren sah dies noch anders aus. Trotz der schwelenden Libyen-Krise ordnete das US-Militär im Frühjahr 2011 den Abzug einer Heeresbrigade aus Deutschland an. US-Präsident Barack Obama überlies in Libyen den Europäer das Steuer, er nahm lieber auf dem Rücksitz Platz. Zum Ende desselben Jahres beanspruchte die damalige amerikanische Außenministerin Hillary Clinton eine Führungsrolle für die USA in Asien und verkündete vollmundig, das 21. Jahrhundert werde "Amerikas pazifisches Jahrhundert" sein.

Anfang des Jahres 2012 wurde dann der Abzug einer weiteren US-Heeresbrigade verkündet. Der Ersatz: Die USA wollten regelmäßig je ein Bataillon zu Übungen nach Deutschland oder Osteuropa entsenden, um so den Abzug der zwei schweren Heeresbrigaden teilweise zu kompensieren. Doch die Sorgen um eine ausreichende Auslastung des JMTC und des JMRC blieben.

Zwar bekräftigte der damalige US-Verteidigungsminister Leon E. Panetta bei der Sicherheitskonferenz in München im Februar 2012 nochmals dieses Konzept. Aber es war vor allem eine Beruhigungspille für die Osteuropäer, die sich schon damals Sorgen wegen Russland machten.

Heute kommen die zeitweilig aus den USA nach Europa verlegten Verbände, die "rotational forces" wie das US-Heer diese Truppen nennt, unter ganz anderen Vorzeichen. Zum einen ist ihre Zahl deutlich größer als ursprünglich geplant. Und sie soll noch einmal stark wachsen, verkündete General Odierno in Hohenfels. Ähnlich hatte sich wenige Stunden zuvor der Oberkommandierende der US-Streitkräfte in Europa und Nato-Oberbefehlshaber, US-General Philip Breedlove, bei einer Pressekonferenz in Washington geäußert.

Zum anderen sind die Truppen aus Übersee nicht nur in Hohenfels und Grafenwöhr, wie derzeit zur Übung "Combined Resolve III" mit ihren 4000 Soldaten aus 18 Ländern, sondern auch in den drei baltischen Staaten und Polen im Einsatz. Seit April sind dort insgesamt rund 600 US-Soldaten stationiert. Der Adressat dieser Truppenaufstockung ist klar: Wladimir Putin. Der russische Präsident hat der Nato und vor allem der transatlantischen Partnerschaft neues Leben eingehaucht.

Einzigartige Einrichtungen

General Odierno betonte: "Wir müssen Russland und anderen zeigen, dass wir zusammenstehen." Grafenwöhr und Hohenfels bezeichnete der US-Heereschef als einzigartige Einrichtungen, um mit den Partner zu üben, ein "Kernstück der Zusammenarbeit". Und General Breedlove sprach in Washington gar von einem "revanchistischen Russland". Er wies darauf hin, dass "Europa die Heimat unserer treuesten und leistungsfähigsten Verbündeten und Partner" sei. Von einem pazifischen Zeitalter ist nichts mehr zu hören, auch nicht aus der Obama-Regierung.
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