Hannes Färber kritisiert Gedenkfeier zum Jahrestag des Kriegsendes in Grafenwöhr
Kritik macht "fuchsteufelswild"

Politik
Grafenwöhr
18.04.2015
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Die Reaktion kam prompt: Per Leserbrief im "Neuen Tag" hatte Hannes Färber die Grafenwöhrer Gedenkfeier zum Jahrtag des Kriegsendes kritisiert - und musste dafür nun im Stadtrat in Deckung gehen.

"Das Erinnern ist geprägt vom Vergessen", behauptete Stadtrat Hannes Färber in einem Leserbrief in unserer Zeitung. Der Vorwurf des Vertreters der Linkspartei zur Gedenkfeier der Grafenwöhrer anlässlich der Luftangriffe auf die Soldatenstadt im April 1945 und das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren löste in der Sitzung des Stadtrates am Donnerstagabend zum Teil heftige Erwiderungen aus. Während Bürgermeister Edgar Knobloch noch zurückhaltend von unverständlichen Argumenten sprach, attestierten einige Ratsmitglieder dem Inhalt des Leserbriefes "viel Blödsinn" und "Geschichtsverfälschung".

Bürgermeister Edgar Knobloch kritisierte die Auslassungen als ungerecht und unangebracht. Färber habe sich weder am Gedenktag beteiligt noch an der Gestaltung Interesse gezeigt. Rahmen und Inhalt der würdigen Veranstaltung nun in Frage zu stellen, sei bedauerlich und nicht nachvollziehbar. Der Bürgermeister stellte klar, dass die Trauerfeier nicht nur an die Opfer der Bombenangriffe erinnert habe. "Alle Opfer der Kriege waren eingeschlossen." Zudem sei auf den glücklichen Umstand einer nunmehr 70-jährigen Phase des Friedens hingewiesen worden. Für die ganze Welt zu sprechen, stehe der Stadt nicht zu. Knobloch empfahl dem Leserbrief-Schreiber, sich die bewegenden Worte des Predigers und Zeitzeugen Monsignore Karl Wohlgut zu Herzen zu nehmen statt über Gott und die Welt zu nörgeln.

Hannes Färber verteidigte seine Bewertung mit der Feststellung: "Als Grafenwöhrer bin ich der Meinung, dass manches ausgeblendet wurde." Es fehle das Schuldbekenntnis einiger Vorfahren, befand der Stadtrat der Linken. Als Beispiele nannte Färber die angebliche Nazi-Vergangenheit einiger Nachkriegs-Bürgermeister. Des Weiteren mache ihn traurig, so Färber, dass die Amerikaner auf dem Truppenübungsplatz Angriffskriege vorbereitet hätten. "Fuchsteufelswild" reagierte daraufhin der Senior des Rates. Färber sei nur aufs Stänkern aus, rief Josef Neubauer in den Sitzungssaal und empfahl einem "Geschichtsfälscher" mit einem "Pfui Teufel", sich doch des Themas der Okkupation der Krim und der Ukraine anzunehmen.

Dritter Bürgermeister Udo Greim stellte sich mit dem Vorschlag, beschlussmäßig die würdige Form der Gedenkfeier festzuhalten, hinter Bürgermeister Edgar Knobloch. Gerald Morgenstern entdeckte in den "Ausrastern" Färbers viel Blödsinn, der der SED-Ideologie der Linkspartei geschuldet sei. Gerhard Mark bescheinigte Hannes Färber Niveaulosigkeit, begrüßte die Form des Gedenkens und forderte den Linken auf, sich zu entschuldigen. Dazu sollte es nicht kommen. Ausgerechnet Klaus Schmitsdorf als weiterer Vertreter der Linkspartei im Stadtrat stellte Antrag auf Schluss der Debatte, dem Rechnung getragen wurde.
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