Haushalt Stadtrat Grafenwöhr
Gleich zwei Hiobsbotschaften

Politik
Grafenwöhr
22.03.2016
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Der Haushalt einer Gemeinde gleicht einer Entwässerungsanlage. Je mehr Wasser sie gibt, desto besser. Jedes Rathaus braucht sprudelnde Geldquellen. Trocknen sie aus, dürstet die Stadt. Ein Blick in den Stadthaushalt 2016 zeigt: Verdursten brauchen Grafenwöhrs Einwohner nicht.

Trotzdem verbreiteten sich im Rathaus der Soldatenstadt Sorgenfalten. Ein gut aufgestellter Haushaltsentwurf musste korrigiert werden. Bürgermeister Edgar Knobloch bekam schlechte Nachrichten von der Steuerfront. Ein Gewerbesteuer-Messbescheid mit Kürzungen von einer Million Euro wirbelte die Haushaltsplanung durcheinander. Fällig ist die Rückzahlung sofort, dazu kommen Zinszahlungen von 300 000 Euro.

Knobloch kampfbereit


Aus war es mit dem grundsoliden Haushaltswerk, das Kämmerin Ursula Grouls den Ratsdamen- und Herren am Donnerstagabend vorlegte. Schon seit Monaten ist eine weitere Hiobsbotschaft bekannt, mit der die Kämmerei allerdings wegen der komplizierten Steuerarithmetik rechnen konnte. Die Kreisumlage der Stadt an den Landkreis steigt um eine satte Million Euro. Die gestiegene Steuerkraft der Stadt beeinflusst die Umlagegrundlagen für 2016 mit negativer Auswirkung auf die Gesamteinnahmen.

"Da müssen wir durch", zeigte sich Bürgermeister Edgar Knobloch kampfbereit. Die Leistungen an die Bürger werde dieses vorübergehende Phänomen unterschiedlich hoher Mittelzuweisungen nicht beeinträchtigen. Doch ganz ohne Schlussfolgerung können Mindereinnahmen von 2,3 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr nicht bleiben. Schließlich bedürfen Investitionen der Finanzierung. Ohne Kreditaufnahme kann das Rathaus die gesteckten Investitionsziele nicht erreichen. Die Kämmerin der Stadt errechnete einen Kreditbedarf von knapp 1,4 Millionen Euro, der sich jedoch durch ordentliche Tilgungen wieder auf circa 850 000 Euro reduziert.

Eine vorausschauende Rücklagenbildung im Zusammenhang mit dem voraussichtlich positiven Rechnungsergebnis im Jahr 2015 macht es möglich, 550 000 Euro dem Vermögenshaushalt zur Verfügung zu stellen. Edgar Knobloch und Ursula Grouls sahen bei der Zuführung zum Vermögenshaushalt Land in Sicht. "Mit einem Übertrag von 984.000 Euro an den Vermögenshaushalt lässt sich gut und sparsam wirtschaften."

Zahlreich sind die Investitionen, die sich das Gremium im Haushalt 2016 leistet. Den größten Batzen verschlingen die Ansätze für den Hoch- und Tiefbau. Augenfällig ist ein Anteil von 1,5 Millionen Euro für die Generalsanierung der Grund- und Mittelschule. Beachtlich sind auch die Finanzierungsschritte zur Modernisierung stadteigener Gebäude in der Altstadt (500 000 Euro), Tiefbaumaßnahmen für Gemeindestraßen (268 000 Euro), die Neugestaltung der Eichendorff- und Adalbert-Stifter-Straße (130 000 Euro), die Dorfsanierung Hütten (125 000 Euro) oder der Brandschutz (160 000 Euro). Für den Vermögenserwerb sind fast 1,2 Millionen Euro veranschlagt, für den Erwerb von Grundstücken 211 000 Euro.

Viele Investitionen


Ein Blick in das Haushaltswerk führt auch zu Großinvestitionen in das bewegliche Anlagevermögen. Geplant ist unter anderem die Beschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeuges (250 000 Euro), die Möblierung der neuen Schule (300 000 Euro), ein neues Fahrzeug für die Stadtgärtnerei (92 000 Euro), der Kauf eines Kleinlasters mit Kran für den Bauhof (122 000 Euro), ein Sicherheitskonzept für die Schule (50 000 Euro) und EDV-Ausstattungen.

Die Zahlen des Stadthaushaltes 2016Volumen des Gesamthaushaltes 17 351 976 Euro (2015: 18,8 Millionen Euro)

Verwaltungshaushalt in Einnahmen und Ausgaben 11 784 067 Euro (12 594 000 Euro)

Der Vermögenshaushalt umfasst ein Volumen von 5 567 900 Euro (6 266 200 Euro im Vorjahr). Die Investitionen betragen 5 039 000 Euro

Die Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt in den Vermögenshaushalt beträgt 984 000 Euro, die Nettoneuverschuldung 850 000 Euro. Eine Rücklagenentnahme ist in Höhe von 550 000 Euro geplant

Schuldenstand zum 31. Dezember 2015: 6 071 666 Euro. Pro-Kopf-Verschuldung: 941 Euro. Ende 2016 wird ein Schuldenstand von 6,93 Millionen Euro erwartet.
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