Mehrfamilienwohnhaus mit neun Wohneinheiten geplant
Wertverlust durch Klotz?

Mit ihrer Anwesenheit zeigten viele Anlieger der Max-Reger-Straße "Flagge". Sie befürchten, dass aus einer ruhigen Wohngegend ein hotelähnliches Kommen und Gehen entsteht. Bild: do
Politik
Grafenwöhr
03.03.2016
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"Herr Bürgermeister, wir wollen diesen Klotz nicht." Energisch widersprach Stadtrat Josef Neubauer dem Antrag zum Neubau eines Mehrfamilien-Wohnhauses mit neun Wohneinheiten in der Max-Reger-Straße.

Als Bauherr firmiert eine GmbH mit der Bezeichnung Cozy Corners East Etzenricht. Indirekt ist die Bauvoranfrage des Unternehmers mit dem vom Bauausschuss im vorhergehenden Tagesordnungspunkt gefassten Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes zu sehen. Die Beratung verfolgte eine starke Anliegergruppe aus dem Gebiet der Max-Reger-Straße.

Zur Voranfrage des Bauherrn verwies Bürgermeister Edgar Knobloch auf eine Vorbesprechung im Rathaus und sah einen erheblichen Änderungsbedarf der Planung. Unter anderem beanstandete der Rathauschef zu geringe Abstandsflächen und kritisierte den mit Erdgeschoss und zwei Vollgeschossen geplanten voluminösen Bauumfang. Ein solches Projekt mit einer Höhe von 14,33 Meter passe nicht in die jetzige Bebauung, argumentierte der Bürgermeister.

Als Kompromissmöglichkeit nannte Knobloch unter anderem "eine Nummer kleiner". Darunter verstand der Rathauschef eine Bebauung mit Erdgeschoss und einem Obergeschoss mit maximal sieben Appartements.

Auch diese Alternative hielten einige Räte für unakzeptabel. Klaus Schmitsdorf befürchtete einen raschen Mieterwechsel "das wird wieder ein Hotelbetrieb". Die Stadt solle deshalb bis zur Rechtskraft des Bebauungsplanes eine Veränderungssperre aussprechen. Gerhard Mark hegte Zweifel an der Größenordnung des Projekts in einem allgemeinen Wohngebiet.

Aus Sicht der Anwohner urteilte Thomas Schopf: "Das ist des Guten zu viel." In einem ruhigen Wohngebiet entstehe ein Kommen und Gehen. Thomas Weiß empfahl, im Rahmen der Bauleitplanung das Grundstück mit zwei Wohnbauparzellen zu überplanen. Timo Schön vermutete ein gewerbliches Interesse, das in diesem Wohngebiet nichts verloren habe.

Das Trommelfeuer gegen das Projekt ging weiter. Klaus Schmitsdorf spekulierte: "Der Bauherr kennt viele Maschen, der sich nicht das erste Mal um Bauvorschriften pfeift." Josef Neubauer befürchtete: "Mit dem Klotz verlieren die Nachbargrundstücke an Wert." Man solle deshalb die Voranfrage negativ verbescheiden. Einig war sich das Gremium, die Rechtskraft des Bebauungsplanes abzuwarten, um danach die Bauabsichten der Firma Cozy Corners East neu zu bewerten. Einstimmig war der Beschluss, zunächst das gemeindliche Einvernehmen zu versagen und die Bauvoranfrage wegen des beginnenden Bauleitplanverfahrens für das betroffene Areal für ein Jahr zurückzustellen.
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