Neujahrsempfang in Grafenwöhr
Kein neuer Stadtrat, viel Kultur

Landrat a.D. Simon Wittmann sprach beim Grafenwöhrer Neujahrsempfang.
Politik
Grafenwöhr
19.01.2016
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Bürgermeister Edgar Knobloch blickte beim Neujahrsempfang zurück, gab aber auch einen Ausblick auf das neue Jahr. Bilder: rgr (2)

Bürgermeister Edgar Knobloch gab beim Neujahrsempfang einen Rück- und Ausblick. Ein Thema beschäftigt den Rathauschef noch immer besonders.

Terror, Krieg und Hungersnöte sind die Ursachen für die riesige Flut von Asylsuchenden, die auch auf die Region zukomme. "Die gefühlte Angst ist derzeit im Vergleich zur realen Bedrohung unverhältnismäßig groß. In Grafenwöhr gibt es so gut wie keine Probleme mit den 64 Asylanten und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Grafenwöhr", berichtete Bürgermeister Edgar Knobloch.

"Die Befürchtung, dass wir unserer Kultur, unserer Religion oder Tradition beraubt werden, haben wir in Grafenwöhr so schnell nicht, weil wir seit jeher ganz anders mit diesem Thema umgehen als vergleichbare Orte", betonte er. Es gebe viele sichtbare Zeichen in Grafenwöhr, die darauf hinweisen, dass seit 70 Jahren meist mehr Amerikaner als Deutsche hier leben. "Wir haben unsere Traditionen trotzdem bewahrt, weil wir sie leben."

Allein in der Zeit über den Jahreswechsel gab es vier ausverkaufte Theateraufführungen, ein ausverkaufter "Bunter Abend" der Ministranten, ein ökumenisches Kirchenkonzert mit 64 Aktiven, ein Jugendfußballturnier mit Hundert Mannschaften und 800 Jugendlichen. Heuer gab es erstmals auch ein Neujahrsanblasen auf dem Marienplatz. Dies zeige, dass der Spielmannszug keine statische Gruppe sei. "Da bewegt sich was, die probieren aus und machen was. Nur so kann man Junge halten. Ganz großes Kompliment dafür."

Amerikanern gefällt's


Weitere Traditionen seien der Gelübdefeiertag an Sebastian, das Maibaumaufstellen, das Fischerfest mit Sautrogrennen, 20 Jahre Partnerschaft mit Grafenwörth, das Bürgerfest, der Annamarkt, die Hüttener Kirwa und das Sommerfest in Gmünd. "Vielleicht gibt's auch mal wieder die berühmten Kirwagockerl in Gößenreuth?" 2015 stand die Eröffnung der Schönbergbühne auf dem Programm, bei der Hundert Kinder und Jugendliche gesungen, getanzt und Theater gespielt haben. Auch das deutsch-amerikanische Volksfest sei zur Tradition geworden, genauso wie die "Italienische Nacht".

"Jedenfalls sind diese - unsere - Feste und Veranstaltungen das ganze Jahr über auch ein Grund, warum es den Amerikanern so gut gefällt bei uns", war sich Knobloch sicher. Es stehe fest, dass zum Bürger- und Fischerfest sowie zum Adventsmarkt mindestens 50 Prozent Amerikaner kommen, die auch gerne mitfeiern und damit die Vereine unterstützen. Dafür und auch für die gute Zusammenarbeit und Offenheit das ganze Jahr über sagte der Bürgermeister Dank - auch direkt zu General Christopher G. Cavoli. In der vergangenen Stadtratssitzung sei zum ersten Mal ein General gewesen, der offen Auskunft gab und Fragen beantwortete.

Vergangenes Jahr kam die Dorferneuerung in Gmünd mit der Einweihung der Skulptur an der Kirche, die Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses in Gmünd, die Belebung der Altstadt mit dem Wochenmarkt, die Fertigstellung des Grüngutcontainerplatzes, die Wiedereröffnung des Kultur- und Militärmuseums nach umfassenden Brandschutz- und Baumaßnahmen, die Umstellung der Beleuchtung städtischer Gebäude auf energieeffiziente LED-Technik und die aufwendige Sanierung der Schule zum Abschluss. Der Bürgermeister lobte auch die positive Entwicklung der Stadtwerke und des Gründerzentrums, deren Auslastung von 20 auf 70 Prozent stieg.

Kein Wort mehr


Im Ausblick auf das neue Jahr nannte Knobloch die Breitbandversorgung, die Instandsetzung der Adalbert-Stifter- und der Eichendorffstraße, die Sanierung der Stadthalle, die Fortsetzung der Altstadtsanierung und das Voranbringen der Interkommunalen Zusammenarbeit. Für einige der ortsansässigen Firmen gebe es heuer Jubiläen zu feiern.

Vieles kam im letzten Jahr, wie es geplant war, manches kam jedoch anders. "Ich war mir letztes Jahr sicher, dass wir im Laufe des Jahres 2015 einen neuen Stadtrat wählen. Doch diesbezüglich ist nichts passiert. Wenn nächstes Jahr um diese Zeit immer noch keine Entscheidung vom Verwaltungsgericht vorliegt, werde ich das Thema nicht mehr erwähnen", versprach der Bürgermeister, der den engagierten Gästen beim Neujahrsempfang seinen Dank aussprach.


Gegen "German Angst"Politisches Engagement seit 40 Jahren und die Tatsache, dass Edgar Knobloch einmal sein bester Mitarbeiter war, überzeugten den ehemaligen Landrat Simon Wittmann, als Gastredner beim Neujahrsempfang in Grafenwöhr aufzutreten.

Wittmann sprach über "German Angst" in komfortabler Zeit, in der sich Pessimismus ausbreitet. Die Vorkommnisse in Köln, Hamburg und Frankfurt müsse der Staat in den Griff bekommen, damit man sich frei bewegen kann. Die Flüchtlingswelle sei fast nicht mehr kontrollierbar. Dies sei nicht einfach. "Aber die Grenzen zu schließen wäre nicht mit dem Grundgesetz und der Würde der Menschen vereinbar. Trotzdem sollte eine Begrenzung gesucht werden. Es muss ein demokratischer Prozess des Werdens und der Konsensfindung sein."

Vor 30 oder 40 Jahren habe es das Problem gegeben, eine Lehrstelle zu finden. Jetzt sei quasi eine Vollbeschäftigung eingetreten mit einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent - und das im Winter. Das sei ein positives Zeichen. "Die Stimmungen dürfen uns nicht umbringen. Die Deutschen haben das höchste Ansehen und sind in der ganzen Welt gefragt. Darum gilt es nun, zu kämpfen." Wittmann erinnerte an die Grenze in Waidhaus, als das Band durchschnitten wurde. "Das war eine großartige Entwicklung ins große Europa."
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