Seminar der Polizei Eschenbach in Grafenwöhr zum Thema "Zivilcourage"
Attacke hilft gegen Angriff

Mit vielen praktischen Beispielen brachten die drei Polizeibeamten der Inspektion Eschenbach den Kursteilnehmern das Thema "Zivilcourage" näher.
Politik
Grafenwöhr
12.02.2015
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Auf dem Weg nach Hause ist alles friedlich, bis aus der Dunkelheit Gestalten auftauchen. Die Situation wirkt bedrohlich. Ein Seminar der Polizei Eschenbach erklärte in Grafenwöhr, was hilft.

"Zivilcourage ist Bürgerpflicht", erinnerte Werner Stopfer die Teilnehmer eines VHS-Kurses zum Thema "Zivilcourage" im Mehrgenerationenhaus. "Jeder kann, in Abhängigkeit zum Alter oder körperlichen Verfassung, einen Beitrag zur Hilfe leisten", sagte der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach. Wie man sich und andere vor Angriffen schützen kann, vermittelten Präventionsbeamter Polizeihauptmeister Martin Behrends, Dienstgruppenleiter Polizeihauptkommissar Marcus Gradl und Polizeihauptmeister Christoph Wenzl.

Grenzen beachten

"Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden", erklärte Behrends. Allerdings müsse man die Grenzen der Notwehr beachten:

Die Notwehr soll nur so lange ausgeführt werden, bis Angriff und Gefahr unterbunden sind.

Man darf nicht provozieren.

Im § 323c StgB steht, dass unterlassene Hilfeleistung bestraft werden kann. Hilfe muss den Umständen nach zumutbar sein, ohne sich in Gefahr zu bringen. Dabei dürfen keine Pflichten, wie die Aufsicht über Kinder, verletzt werden. "Grundsätzlich liegt man richtig, wenn man tut, was man auch von anderen erwartet und nicht mit Kanonen auf Spatzen schießt", fasste Gradl zusammen.

Kein Opferbild darstellen

Wichtig sei, für einen potenziellen Täter kein Opferbild darzustellen. Das gelinge über eine aufrechte Haltung, Ruhe, offenen Blick und einer lauten und deutlichen Stimme: "80 bis 90 Prozent der Täter werden eingeschüchtert, wenn ihr ausgewähltes Opfer laut ,Stop' oder ,Halt' ruft." Die Körperhaltung und den gezielten Blick spielten die Polizisten mit den Teilnehmern in einer Übung nach. Grundsätzlich gelte es, aufmerksam zu sein und sich mental auf mögliche Gefahrensituationen vorzubereiten.

Nicht provozieren

Mit einem Lehrfilm zeigten die Beamten, wie unterschiedlich Menschen in einer U-Bahn reagieren können, wenn ein weiterer Passagier bedroht wird. Diese Szene wurde ebenfalls nachgespielt. Dafür schlüpfte Gradl in die Rolle eines Betrunkenen, der eine Frau belästigte. Die übrigen Kursteilnehmer eilten zur Hilfe und holten die Frau vom Täter weg. "Wichtig ist es, weitere Passanten zur Unterstützung dazu zu holen, dann den Täter zwar anzusprechen, um ihn abzulenken, aber nicht zu provozieren und das Opfer aus der Situation zu befreien."

Man dürfe sich selbst nicht überschätzen. Betrunkene, Gruppen, Streitereien, bei denen Waffen im Spiel sind, und Ereignisse auf dunklen Landstraßen sind oft schwer einzuschätzen, aber einen Notruf bei der Polizei unter der Nummer 110 könne jeder absetzen. Infos zu weiteren Kursen zum Thema "Zivilcourage" erteilt die Polizeiinspektion Eschenbach, Telefon 09645/92040.
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