Stadtratssitzung Grafenwöhr
Umgehung umgangen

Viele Gemeinden ersticken im Straßenverkehr und kämpfen um Ortsumgehungen. Nicht so in Grafenwöhr. Erneut lehnte der Stadtrat die vom Staatlichen Bauamt geplante Umgehungsstraße der B 299 östlich der Stadt ab. "Die falsche Entscheidung", sagen die staatlichen Straßenplaner und verweisen auf das hohe Verkehrsaufkommen der B 299, das die Wohnqualität der Anlieger, zum Beispiel in der Neuen Amberger Straße (unser Bild), beeinträchtigt und den Durchgangsverkehr behindert. Bild: do
Politik
Grafenwöhr
27.04.2016
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Viele Städte und Gemeinden wollen rein, nur Grafenwöhr will raus. Gemeint ist der Verkehrswegeplan des Bundes. Noch ist im Fortschreibungsentwurf eine ortsnahe Ostumgehung Grafenwöhrs enthalten. Die soll nun gestrichen werden, beschloss der Stadtrat auf Antrag der CSU-Fraktion. Gleichzeitig wünscht sich das Gremium eine Ersatzvariante.

Modernisieren, vernetzen, beschleunigen möchte der neue Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030. Für die kommenden 10 bis 15 Jahre soll er die verkehrspolitischen Weichen unter anderem für die Bundesstraßen stellen. Auch in Grafenwöhr. Für die Planer ist die Ortsumgehung der Bundesstraße 299 östlich der Soldatenstadt weiter ein Thema. Einst war das Projekt als vordringlich eingestuft. Im Entwurf der Fortschreibung des BVWP ist die 4,1 Kilometer lange und auf 13,1 Millionen Euro Baukosten geschätzte Umgehung der Stadt nun als "weiterer Bedarf" enthalten.

Überholte Schätzungen


Ein Unding, sagte Gerald Morgenstern. Der CSU-Fraktionssprecher im Stadtrat beantragte deshalb in der jüngsten Sitzung das Aus der Umgehungsplanung. Morgenstern zweifelte an der Aktualität zehn Jahre alter Verkehrsprognosen mit täglich 21 000 Verkehrsbewegungen. "Diese Schätzungen, die in Zusammenhang mit der neuen Stadt auf dem Netzaberg entstanden, sind längst überholt." Notwendig sei eine neue Verkehrszählung und damit verbunden eine Hochrechnung bis zum Jahr 2030. Für seine Fraktion favorisierte der CSU-Mann eine differenzierte Trassenprüfung.

Der CSU-Sprecher forderte eine Versatzlösung für den Lkw-Verkehr zwischen der Bundesstraße 470, der B 299 und dem Tor Sechs der Lagereinfahrt. Sie könnte dann auch Hauptzufahrt für den Truppenübungsplatz werden. Ferner liebäugelt Morgenstern mit einem Kreisverkehr in der Pressather Straße im Einmündungsbereich der Staatsstraße in die B 299. Zusätzlich forderte er im Namen seiner Fraktion einen Kreisverkehr an der Zufahrt zur Wache 6 in Höhe des Gründerzentrums.

Ganz anderer Meinung sind die Straßenplaner. Sie bezweifeln auch in der Fortschreibung des Verkehrswegeplanes den Nutzen dieses für das Staatliche Bauamt nicht neuen Vorschlags. Die B 299-Ortsdurchfahrt sei mit seinen zahlreich einmündenden Ortsstraßen, Zufahrten und Parkbuchten dem hohen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen, heißt es in der Begründung zum neuen Verkehrswegeplan. Zudem sei der Knotenpunkt der B 299/St 2168 aus Eschenbach kommend regelmäßig überlastet, urteilen die Verkehrsexperten des Bundes.

Eine geringere verkehrliche Wirksamkeit berechneten die Planer für den Versatzvorschlag zwischen der B 470 und der B 299. Hingewiesen wird in der Begründung zur Notwendigkeit einer Umgehung Grafenwöhr auf die Vereinheitlichung der Streckencharakteristik mit Blick auf die geplanten Ortsumgehungen in Seugast, Großschönbrunn und Tanzfleck. Bei Berücksichtigung dieser Argumente sei einer ortsnahen Umgehung im Osten von Grafenwöhr der Vorzug zu geben, heißt es im Planungsentwurf, der den Stadtrat wenig beeindruckte.

Zwei Gegenstimmen


Das Gremium schloss sich dem CSU-Antrag an, eine weitere Planung der Ostumgehung auf der vom Bund vorgeschlagenen Trasse abzulehnen. Dagegen stimmten Klaus Schmitsdorf und Hannes Färber.
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