US-Panzer kehren nach Europa zurück

Zwei amerikanischen Kampfpanzer vom Typ "Abrams" M1A2 warten, bis sie auf die Schießbahn auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) rollen können. Sie sind Teil des "European Activity Set", das heißt Teil der Panzer und Fahrzeuge, die das US-Heer in Grafenwöhr für US-Truppen aus Übersee bereit hält. Bild: paa
Politik
Grafenwöhr
02.01.2015
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Ruhiger wird es auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr nicht werden. Das zu versprechen, wäre unredlich, sagt Generalleutnant Ben Hodges. Schließlich ist der Platz Teil der Gemeinschaft der Nato-Übungseinrichtungen.

In diesem Jahr wird die US-Armee rund 150 Panzer nach Europa zurückbringen, nachdem sie die letzten vor zwei Jahren abgezogen hatte. Bis Ende des Jahres 2015 soll es wieder Ausrüstung und Fahrzeuge für eine komplette schwere Panzerbrigade geben. Die Ausrüstung dient Soldaten, die aus Fort Hood in Texas (wie im vergangenen Jahr) oder aus Fort Stewart in Georgia (wie in diesem Jahr) zu Übungen nach Europa kommen.

Ein Drittel in Grafenwöhr

"Mindestens ein Drittel wird in Grafenwöhr bleiben", sagt Generalleutnant Frederick "Ben" Hodges, Oberkommandierender des US-Heeres in Europa, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Ausrüstung solle den Soldaten aus Übersee die Möglichkeit geben, auf den "großartigen Schießbahnen" in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) und im Manövergebiet auf den Truppenübungsplatz Hohenfels (Kreis Neumarkt) zu üben. Die übrigen zwei Drittel der Ausrüstung könnten in den drei baltischen Staaten, in Polen oder auch in Bulgarien und in Rumänien gelagert werden. Das ist die Präferenz des Generalleutnants. Er muss dem Nato-Oberkommandierenden General Phillip M. Breedlove einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Hodges will seine Empfehlung davon abhängig machen, ob ein Land das Material überhaupt will. Zudem soll die Stationierung mit dem US-Außenministerium abgestimmt werden und die Nato-Pläne unterstützen.

Bislang sind rund 30 Kampfpanzer vom Typ "Abrams" und 30 Schützenpanzer vom Typ "Bradley" in Grafenwöhr eingelagert - das "European Activity Set". Diese Fahrzeuge reichen für ein Bataillon. Zur Ausrüstung einer Panzerbrigade zählen insgesamt 60 Kampfpanzer sowie 60 Schützenpanzer, gut zwei Dutzend Haubitzen sowie Dutzende weitere Fahrzeuge. Diese hier gelagerte Ausrüstung mache es "viel einfacher für Soldaten, nach Europa zu fliegen und hier zu üben", sagt Generalleutnant Hodges. Damit setzen die US-Streitkräfte eine mehr als zwei Jahre alte Zusage der US-Regierung um. Sie hatte versprochen, künftig würden Einheiten aus den USA nach Europa gebracht, um hier zu üben und die Lücken zu füllen, die der Abzug von zwei schweren Heeresbrigaden hinterlassen hat. Bislang kamen die Soldaten nur in Bataillonstärke, künftig kommen sie in Brigadestärke.

Unterstützung im Baltikum

Obwohl die Entscheidung, das Material nach Europa zu bringen, schon vor den jüngsten Spannungen wegen der Ukraine-Krise gefallen war, dient es jetzt auch zur Unterstützung der Stationierung von US-Soldaten im Baltikum und in Polen im Zuge der Operation "Atlantic Resolve" (Atlantische Entschlossenheit). Diese wird 2015 fortgesetzt und möglicherweise auch 2016, sagt der US-Offizier.

"Das JMTC ist integraler Teil des Trainings der Allianz", sagt Hodges mit Blick auf das Gemeinsame Multinationale Trainingskommando (JMTC) in Grafenwöhr. Es gehöre zur Trainingsgemeinschaft der Nato, mit den Übungseinrichtungen der Bundeswehr in Wildflecken und dem Gefechtsübungszentrum nördlich von Magdeburg sowie dem britischen Zentrum in Warmister, dem türkischen in Istanbul und den Nato-Einrichtungen im norwegischen Stavanger und im polnischen Bydgoszcz.

Deshalb sei der Besuch des Kommandeurs des Kommandos zur Transformation der Nato, der französische General Jean-Paul Paloméros, bei der computergestützten Kommandopostenübung "Trident Lance 14" Anfang Dezember so wichtig gewesen. Hier habe sich das Potenzial solcher Übungen und von Grafenwöhr gezeigt. "Nun sagt jeder: Wir können das jederzeit machen."

Ruhiger wird es trotz der Simulationsübungen in Grafenwöhr nicht. Aber Hodges macht deutlich, dass die US-Armee sich genau an die deutschen Vorgaben halte. Und: Auch rund um die großen Garnisonen in den USA gebe es Diskussionen über Hubschrauberflüge und den Schießlärm. "Wir sehen es nicht als selbstverständlich an, dass wir tun können, was immer wir wollen."

Hodges will die enge Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und US-Armee aus den 1980er Jahre wiederbeleben. Dazu soll es mehr und größere Übungen beider Heere geben. Und er wünscht sich eine größere Führungsrolle der Bundeswehr innerhalb der Nato, ähnlich derer die Kanzlerin Angela Merkel im Konflikt zwischen der EU und Russland zeigt.

Künftig auch Brite im Stab

Die Berufung eines Deutschen als Stabschef in Wiesbaden nennt Hodges ein großartiges Signal von beiden Seiten. Inzwischen sei Brigadegeneral Markus Laubenthal, der ehemalige Kommandeur der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" in Amberg, nicht nur eine ausgezeichneter Mitarbeiter, sondern auch ein Freund. "Er stellt sicher, dass wir international denken und nicht auf einer amerikanischen Insel leben." Auch der Adjutant von Hodges ist Bundeswehroffizier. "Ich habe ihn aus Izmir mitgebracht", sagt der Generalleutnant, der dort das Nato-Landkommando führte, ehe er nach Wiesbaden kam.

Und der Stab soll noch internationaler werden. In den nächsten drei Monaten werden die Briten einen Offizier nach Wiesbaden entsenden. Zudem hat Hodges Italien, Dänemark, Spanien und Polen gefragt, ob sie Personal entsenden wollen.
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