US-Unteroffiziersakademie Grafenwöhr
Deutscher bildet US-Boys aus

Zum letzten Mal leitet Hauptfeldwebel Andreas Groß die amerikanischen Soldaten an. Sie schießen mit dem deutschen Gewehr G36. Bild: paa
Politik
Grafenwöhr
12.06.2015
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Grafenwöhr: Garnison Grafenwöhr |

Mit dem preußischen Baron Friedrich Wilhelm von Steuben will Hauptfeldwebel Andreas Groß nicht verglichen werden. Doch auch er ist ein Pionier - in der US-Armee.

In den zurückliegenden Wochen hat Hauptfeldwebel Andreas Groß in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) amerikanische Soldaten zu Unteroffizieren ausgebildet. Noch am Donnerstag, während der Abschlussfeier des sechsten Lehrgangs in diesem US-Haushaltsjahr, ist der 44-jährige Deutsche auf der Schießbahn 126 und leitet das Schießen. Der Fallschirmjäger will den Absolventen und Ausbildern die Möglichkeit geben, die Schützenschnur zu erwerben, das deutsche Schießabzeichen. Geschossen wird mit der Pistole und dem Gewehr G36 - nach den Regeln der Bundeswehr.

Groß ist der erste ausländische Soldat, der als Ausbilder an der Unteroffiziersakademie der 7. Armee des US-Heeres unterrichtet. Bis heute erinnert die Einrichtung an den preußischen Baron Friedrich Wilhelm von Steuben. Er prägte bereits im Jahr 1778 die Institution des Unteroffiziers. Doch mit dem Helden aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, dem großen General, will Groß keinesfalls verglichen werden. Er sei nur ein Hauptfeldwebel.

Start bei "Zwölfern"

Seine Karriere bei der Bundeswehr begann Groß in der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz". Allerdings nicht im Stab der "Zwölfer" in Amberg, sondern bei einem unterstellten Verband, dem Panzergrenadierbataillon 112 in Regen. Seinen Unteroffizierslehrgang absolvierte er in Weiden, als hier noch ein Teil der Unteroffiziersschule des Heeres zu Hause war.

Weitere Stationen seiner Karriere waren unter anderem das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf. Auch dort arbeitete Groß bereits mit dem Gemeinsamen Multinationalen Trainingszentrum der US-Armee in Grafenwöhr zusammen. Seit Februar ist der Hauptfeldwebel Ausbilder an der Unteroffizierschule des Heeres in Delitzsch bei Leipzig. Von dort wurde er für die Dauer dieses Lehrgangs nach Grafenwöhr entsandt. Und er würde gerne zurückkehren, am liebsten mit zwei oder drei Kameraden. "Aber das ist nicht meine Entscheidung."

Command Sergeant Major Wardell Jefferson, Kommandant der US-Unteroffiziersakademie, würde ihn gerne wieder Grafenwöhr begrüßen. Er will die angehenden US-Unteroffiziere frühzeitig mit dem Thema internationale Zusammenarbeit konfrontieren. Die Amerikaner wollen deshalb die Zusammenarbeit mit den Deutschen ausbauen. Jefferson erzählt, dass er in seinem Stab einige Unteroffiziere habe, die ausreichend Deutsch sprächen, damit er diese nach Delitzsch entsenden könne.

"Wir trainieren zusammen, wir arbeiten zusammen", sagt Groß, der unter anderem die Bundeswehr und das deutsche Unteroffizierssystem vorstellte. Er war während des Lehrgangs an der Seite von First Sergeant Eric Lowery. Der Chef der Bravo-Kompanie ist begeistert. "Es ist wichtig, dass unser Schüler lernen, wie es unsere Partner machen." Auch die Bescheidenheit von Groß hat ihn beeindruckt - dabei sei dieser ein ausgezeichneter Ausbilder. Bei einer Übung zum Umgang mit Gefangenen habe der Deutsche Fehler beobachtet und zunächst gefragt, ob er etwas sagen dürfte, erzählt Lowery. Seine Antwort: "Natürlich. Du bist Ausbilder." Groß habe die Schüler perfekt angeleitet, es richtig zu machen.

Gemeinsames Singen

Was nimmt Andreas Groß mit? Unter anderem das gemeinsame Singen der Einheiten, auch in der Ausbildung. Das hat der Deutsche als zusätzliche Motivation erlebt.
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