US-Verteidigungsminister besucht Grafenwöhr

Die beiden Soldaten gehören zu einer Einheit der 3. US-Infanteriedivision aus Fort Stewart im US-Staat Georgia, die derzeit auf den amerikanischen Truppenübungsplätzen Grafenwöhr und Hohenfels übt. Bild: US-Armee/Specialist Brian Chaney
Politik
Grafenwöhr
23.06.2015
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Die Spannungen zwischen Russland und der Nato haben Grafenwöhr neues Leben eingehaucht. Die US-Armee stationiert zusätzliche Panzer und Fahrzeuge - und sie will Millionen investieren.

Die amerikanische Armee plant, in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) für 51 Millionen Dollar eine neue Fahrzeugwartungshalle zu bauen. Fünf Jahre nachdem der Ausbau der US-Garnison abgeschlossen worden ist, wird diese erneut erweitert. In den Hallen sollen zusätzliche Panzer und Fahrzeuge untergebracht werden. Diese sollen die Soldaten nutzen, die seit einem Jahr regelmäßig aus den USA zu Übungen nach Europa kommen.

Ein Drittel in der Region

Bislang waren in Grafenwöhr rund 30 Kampfpanzer vom Typ "Abrams" und 30 Schützenpanzer vom Typ "Bradley" eingelagert - das "European Activity Set". Diese Fahrzeuge reichen für ein Bataillon. Bis Ende dieses Jahres sollen Ausrüstung, Fahrzeuge und Panzer für eine schwere US-Brigade in Europa stationiert werden. "Mindestens ein Drittel wird in Grafenwöhr bleiben", sagte Generalleutnant Frederick "Ben" Hodges, der Oberkommandierende des US-Heeres in Europa, im Dezember zu unserer Zeitung. Die übrigen zwei Drittel wolle er in die Staaten im Baltikum, in Polen sowie in Bulgarien und Rumänien stationieren.

Die letzte Entscheidung liegt bei US-Verteidigungsminister Ashton Carter, der am Freitag zum Ende seiner Europa-Reise die Garnison und den Truppenübungsplatz Grafenwöhr besucht. Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums haben in US-Medien angekündigt, Carter werde die Entscheidung beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister am Mittwoch und Donnerstag in Brüssel bekanntgeben. Deutschland hat die Stationierung bereits begrüßt.

Angesichts der Spannungen mit Russland haben die USA ein Konzept aus dem Kalten Krieg ausgegraben. Schon damals wurden Panzer, Fahrzeuge und Ausrüstung für Reservetruppen aus den USA in Deutschland gelagert. Heute ist dies wieder so - aber die Ausrüstung reicht nur für maximal eine Brigade mit 3500 bis 5000 Soldaten. Das Material mache "es viel einfacher für Soldaten, nach Europa zu fliegen und hier zu üben", sagt Hodges. Es dient aber auch zur Abschreckung, denn die Übungen sind Teil des Nato-Plans.

Bei seinem Besuch in Grafenwöhr beobachtet Carter eine Übung der US-Armee mit Alliierten. Darunter sind US-Soldaten aus Fort Stewart im US-Staat Georgia, die für einige Monate nach Europa entsandt wurden. Es ist der erste Besuch eines US-Verteidigungsministers seit dem Kalten Krieg. Im Jahr 1984 war Caspar Weinberger, der Ressortchef des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, an der Seite von Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner und Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem Truppenübungsplatz.

Warten auf Kongress

Für die US-Investition in Grafenwöhr fehlt noch das grüne Licht des Kongresses in Washington. Dieser berät derzeit über den Verteidigungsetat. Der Bau der Fahrzeughallen ist ohnehin erst im Haushaltsjahr 2016 eingeplant, das im September beginnt.
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