Vierter Verhandlungstag im Berufsverfahren des Grafenwöhrer Wahlbetrugs
"Ich wollte nicht"

Die beiden Angeklagten (links und rechts) im Wahlbetrugsprozess mit ihren Verteidigern Anna Busl und Kay Estel. Bild: Götz
Politik
Grafenwöhr
08.01.2016
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Tag vier im Berufungsprozess des Wahlbetrugs: Im Gegensatz zum ersten Verhandlungstag Anfang Dezember (wir berichteten) war bis Freitagmittag alles erledigt.

Ein Zeuge war zur Verhandlung erschienen, die anderen Geladenen waren entweder nicht erreichbar oder konnten aus finanziellen Gründen die Reise von Rumänien in die Oberpfalz nicht antreten.

Dolmetscherin Gilda Winter aus Nürnberg hatte seit vergangenen Dezember vergeblich versucht, zu einer Zeugin, die mittlerweile in Spanien lebt, Kontakt aufzunehmen. Immer sei nur die Mailbox zu erreichen gewesen, eine Rückmeldung sei nicht erfolgt. Das Ehepaar, das nach Rumänien zurückgekehrt ist, habe auf die Einladung nicht reagiert, informierte Richter Georg Grüner.

Dass die älteren Herrschaften kein Geld hätten, die Reise anzutreten, sagte der 40-jährige anwesende Zeuge. Der war zwar selbst von der Wahlbeeinträchtigung der zwei "Die Linke"-Stadträte nicht betroffen, wusste aber von seinem Bruder und einem Bekannten, was vorgefallen war. Demnach hätten die beiden Angeklagten den Rumänen gezeigt, wo sie auf ihren Briefwahlunterlagen ihre Kreuzchen zu machen hätten.

Auch zu ihm sei einer der Angeklagten gekommen, um ihn in den Monaten vor der Wahl zum Beitritt in die Partei "Die Linke" zu überreden. "Ich wollte aber nicht", sagte der Maler. Seitdem habe sich das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden verändert. Ein Hausverbot für den Rumänen war die Folge.

Auf Nachfrage von Staatsanwalt Oliver Schmidt besorgte der Zeuge die Telefonnummer des in Rumänien lebenden Ehepaars. Dolmetscherin Winter wird versuchen, die Eheleute zu erreichen und sie von einer Anreise zu überzeugen. Nächster Verhandlungstag ist Freitag, 29. Januar, um 9 Uhr.
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