Weiterer Stellenabbau bei US-Streitkräften in Europa
Verdi fordert von US-Armee Personalkonzept

Bundestagsbgeordneter Uli Grötsch (von links) ließ sich von Verdi-Geschäftsführer Alexander Gröbner, Vertrauensmann Robert Braun, Verdi-Sekretärin Kathrin Birner und Fachgruppen-Vorsitzenden Wolfgang Dagner die drängendsten Probleme bei den US-Streitkräften erklären. (Foto: Brütting)
Politik
Grafenwöhr
06.03.2016
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Mit ihrem Arbeitgeber, den US-Streitkräften, sind die Verdi-Leute zufrieden. Ärger bereitet ihnen das Bundesfinanzministerium. Aus Sicht der Gewerkschaft erkennt es Verträge nicht an, die es mit verhandelt hat.

Weiden/Grafenwöhr. Angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der Nato ist der Personalabbau bei den US-Streitkräften in Europa verschoben, aber nicht abgesagt. Erst vor wenigen Wochen teilte das Hauptquartier des US-Heeres in Europa mit, dass auch im laufenden und im nächsten Haushaltsjahr weiter Stellen gestrichen werden sollen. Betroffen sind Arbeitsplätze für amerikanische und deutsche Zivilangestellte: Bis September sollen europaweit 142 Stellen für Amerikaner und 78 für Europäer abgebaut werden, davon in Deutschland 134 für Amerikaner und 71 für Deutsche.

Im ab September beginnenden US-Haushaltsjahr 2017 sind europaweit noch einmal 223 Stellen für US-Bürger und 138 für Europäer zur Streichung vorgesehen. In Deutschland sind es 207 für Amerikaner und 124 für Deutsche. Dennoch reagieren Gewerkschaftsvertreter gelassen. Sie kennen einerseits die Sparvorgaben aus Washington. Andererseits setzen sie wie die US-Armee darauf, dass der Stellenabbau durch die natürliche Fluktuation gelingt. Sie warnen aber auch, dass durch den Stellenabbau die Arbeitsbelastung steigt und sorgen sich um die Folgen für die Gesundheit der Arbeitnehmer.

Hohes Durchschnittsalter


Sorgen bereitet Verdi die Altersstruktur der Beschäftigten bei den US-Streitkräften, die bei durchschnittlich 56,5 Jahren liegt. Wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, so die Warnung der Gewerkschafter, würden immer mehr Arbeitsplätze für Deutsche bei der US-Armee verschwinden. Deren Zahl sei in Grafenwöhr und Hohenfels bereits auf unter 3000 gefallen. "Wenn wir schon die Lasten haben, wollen wir auch durch Arbeitsplätze profitieren", sagt Alexander Gröbner, stellvertretender Verdi-Bezirksgeschäftsführer in der Oberpfalz.

Gröbner und die Kollegen vom Verdi-Fachbereich Stationierungsstreitkräfte fordern von den US-Streitkräften ein Personalkonzept. Und sie hoffen auf ein Ausbildungsprogramm bei der US-Armee, so wie vor 15 Jahren. Die Kosten für die Ausbildung teilten sich damals die US-Streitkräfte und der Freistaat Bayern im Verhältnis 55 zu 45.

Zudem dringt Verdi darauf, dass Personalräte bei den Stationierungsstreitkräften das volle Mitbestimmungsrecht erhalten. Bisher steht dem eine Protokollnotiz im Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut entgegen. Erste Gespräche wurden dazu bereits mit der amerikanischen Seite geführt, unter anderem vermittelt durch den Weidener SPD-Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch.

Tarifvertrag ausgehebelt


Verärgert sind die Gewerkschafter über das Bundesfinanzministerium. Die dem Ministerium unterstellten Aufsichts- und Dienstleistungsdirektionen würden ehemaligen deutschen Mitarbeitern der US-Armee, die aus militärischen Gründen ihren Arbeitsplatz verloren haben, die Zahlung von Überbrückungsbeihilfen nach dem "Tarifvertrag Soziale Sicherung" verweigern. Davon betroffen seien rund drei Dutzend ehemalige Beschäftigte aus den einstiegen US-Standorten Schweinfurt und Bamberg. Bisher hätten Verdi-Mitglieder, die geklagt hätten, vor Gericht gewonnen. Was Verdi besonders ärgert: Der Tarifvertrag sei vom Ministerium mit ausgehandelt worden.
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