Rugby in Gmünd
Titan werden leicht gemacht

Und wieder harter Körperkontakt
Sport
Grafenwöhr
05.10.2016
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Ein neuer Sport für die nördliche Oberpfalz. Erstmals trug am Wochenende ein Rugby-Team ein Regionalliga-Spiel am Gmünder Sportplatz aus. Diesmal bestanden die Rose Tower Titans fast nur aus US-Soldaten. Das soll sich ändern.

Ging es schief, weil der Chef fehlte? Joseph L. Duran war beruflich gefordert, so blieb dem Trainer die misslungene Premiere seiner Rose Tower Titans erspart. Erstmals trat der Grafenwöhr Rugby Club an der neuen Heimstätte in Gmünd an - und blieb gegen den TSV 1846 Nürnberg chancenlos. Als es 15 Minuten vor Ende 0:15 stand, und sich das Spiel in eine Rauferei verwandelte, brach der Schiedsrichter das erste Rugbyspiel auf dem TSV-Gelände ab.

Suche nach Heimat


Aufhalten lassen werden sich die Titans davon nicht. Das Team ist gefestigt, existiert seit 12 Jahren, berichtet Duran. Fast genauso lange sucht er nach einer Heimat außerhalb des Übungsplatzes für seine Truppe aus US-Soldaten. Die Anlage in Gmünd nennt er "einen Glücksfall". Im Vorjahr gelang der Aufstieg in die Regionalliga, nun wollen die Titans in Gmünd etwas aufbauen. "Wir haben endlich Platz und Clubhaus außerhalb des Stützpunkts, danach haben wir zehn Jahre gesucht."



2014 siedelte die Mannschaft von den Vilsecker Rose- zu den Grafenwöhrer Towerbracks über. Immer war sie aber an den Übungsplatz gebunden und damit etwas abgeschnitten. Dabei waren die Titans immer um Anschluss bemüht, spielten im deutschen Ligensystem. "Wir sind stolz, Freundschaften mit vielen deutschen Rugby-Teams zu pflegen." Zu Heimspielen mussten die Gäste aber immer durch die Kontrollen vor dem Lager, das macht die Pflege der Freundschaften nicht einfacher.

Vor allem möchte Duran die Titans nun in der Region besser verwurzeln. Das Team ist nicht rein amerikanisch gedacht. US-Soldaten bleiben nur zwei bis drei Jahre, das macht das Einspielen schwer. Deutsche Spieler könnten mehr Kontinuität bringen. "Viele unserer Jungs interessieren sich für die deutsche Kultur. Das Team könnte beitragen, Deutsche und Amerikaner zu verbinden."

Dienstgrad spielt keine Rolle


Michael Utecht ist schon integriert. Derzeit ist er der einzige deutsche Titan. "Die Stimmung ist hervorragend." Nicht nur die Nationalität sei zweitrangig, auch der Rang spielt auf dem Feld keine Rolle. "Vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Offizier, auf dem Platz sind alle gleich", sagt Utecht. Er arbeitet am Übungsplatz, dort lernte er Joseph Duran kennen, und wechselte bald vom American Football zu Rugby. "Es gibt nicht so viele Unterbrechungen wie im Football." Außerdem ist der Aufwand gering - ein Paar Fußballschuhe reichen. Beim Football gehen leicht 500 Euro drauf.

Und auch Utecht schwärmt von der Rugby-Gemeinschaft. "In Bayern gibt es nicht viele Mannschaften, man kennt sich, der Zusammenhalt ist groß." Utecht macht allen Mut, die sich für den Einstieg interessieren - auch wenn man älter als 20 ist. "Man sollte sportlich sein, sich ins Team integrieren wollen und man darf keine Angst vor Körperkontakt haben." Die Sprache oder Verletzungen sieht Utecht nicht als Problem. "Statistiken zeigen, dass es beim Fußball mehr Verletzungen gibt."

Beim Rugby gehe es nicht darum, den Gegner möglichst hart zu treffen, es gebe Regeln und die richtige Abwehrtechnik werde trainiert, erklärt Coach Duran. Auch deshalb begeistern sich immer mehr Frauen. Gegen Nürnberg stand mit Ashley Mohr eine in der Titans-Startaufstellung. In den USA war sie zuletzt als Kapitän des Frauen-Teams der Militär-Elite-Schule Westpoint aktiv. Wenn es nach Duran geht, sollen auch die Titans ein Frauenteam erhalten, dazu ein zweites Männerteam, das Anfängern Erfahrungen bietet.

Duran würde sich freuen, wenn viele Deutsche als Spieler, Zuschauer oder Sponsoren beitragen würden. Es lohne sich, auch wegen der "tollen Kameradschaft der Bayerischen Rugby-Gemeinschaft". Dass es die gibt, ließ sich dann auch am Samstag noch erkennen: Minuten nach dem Abbruch standen die Teams beieinander so als hätte es nie eine Rauferei gegeben.

Wir haben endlich Platz und Clubhaus außerhalb des Stützpunkts, danach haben wir zehn Jahre gesucht.Joseph L. Duran


Rugby: Es kommt auf den Versuch anDen ovalen Ball im Malfeld des Gegner ablegen, und den Raum hinter der eigenen Torlinie verteidigen, darum geht es im Rugby. Der Ball darf nach vorne nur getragen oder geschossen werden, ein Pass per Hand ist nur rückwärts erlaubt. Im offenen Spiel darf nur der Spieler mit dem Ball angegriffen werden, durch schieben und umreißen unterhalb der Schulterhöhe. Wer den Ball ins gegnerische Malfeld trägt hat einen "Versuch" erzielt und bekommt 5 Punkte. Dazu bringen Treffer über die Querlatte des H-förmigen Tores je nach Spielsituation Punkte.


Rugby und die US-ArmeeDas britische Rugby unter Football begeisterten Amerikanern? Das ist nicht so ungewöhnlich wie es sich zunächst anhört. Die Begeisterung in den USA für den Sport wächst, erklärt Titans-Trainer Joseph Duran. Rugby sei das am stärksten wachsende Spiel, seit einem Jahr gibt es in den USA sogar eine Profiliga. Auf diese blickt auch Ulrich Oberndorfer etwas neidisch. "Wenn die Amerikaner etwas machen, machen sie es richtig", sagt der Funktionär der Bayerischen Rugby-Verbands Der Sport in den USA sei wesentlich weiter als in Deutschland.

Aber gerade bei der US-Armee spielt Rugby in Deutschland schon immer eine große Rolle, die Amerikaner haben einen großen Beitrag geleistet, den Sport in Bayern populärer zu machen. "Die meisten Rugby-Hochburgen in Bayern befinden sich nicht umsonst in der nähe von Stützpunkten der US-Armee", sagt Oberndorfer. Auch Army-Teams in deutschen Ligen seien nichts ungewöhnliches, früher war dies aber problematisch. "Wenn während der Saison irgendwo auf der Welt eine Krise ausbrach, musste plötzlich die ganze Mannschaft in den Einsatz und die Liga hatte ein Problem", sagt Oberndorfer. Gerade die Titans aus Grafenwöhr haben nun seit längerer Zeit Kontinuität bewiesen und den Aufstieg verdient.

Nächstes Heimspiel Anfang NovemberDie Titans treten nun zweimal auswärts an, das nächste Heimspiel ist am Samstag, 5. November, um 14.30 Uhr. Dann gastiert RFC Stusta München in Gmünd. Wer Interesse am Training hat kann sich über rosetowerrugby@gmail.com melden.

Mehr Infos auf Facebook: www.facebook.com/rosetowerrugby/
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