Abschied von Gerhard Götzl
Heute nur Lausbuben

Nach 42 Jahren in Grafenwöhr: Gerhard Götzl geht in den Ruhestand. Bild: rgr
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Grafenwöhr
22.07.2016
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Rente mit 67? Gerhard Götzl hat die Option freiwillig gewählt. Und das ist nicht das einzig ungewöhnliche Detail an der Laufbahn des Grafenwöhrer Mittelschul-Rektors. Am heutigen Freitag nimmt die Schule Abschied.

Eine ungewöhnliche Karriere neigt sich dem Ende: Die Mittelschule verabschiedet Rektor Gerhard Götzl - nach 42 Jahren an der Schule. Nur das erste Referendars-Jahr verbrachte er in Mehlmeisel. Wie viele Grafenwöhrer Schüler er unterrichtet hat? "Das weiß ich nicht. Aber es werden Tausende gewesen sein", sagt Götzl. Die Menge hängt auch mit Götzls Ausdauer zusammen, er hat seine Dienstzeit zweimal verlängert, wird im Oktober 67 Jahre. Die wenigsten Lehrer erreichen überhaupt das reguläre Ruhestandsalter von 65. "Das geht nur, weil mich meine Kollegen unterstützten." Und auch die Arbeit mit den Schülern mache bis heute Spaß.

Es ist konsequent, dass Götzl der aktuellen Schülergeneration ein Lob ausspricht. Die sei sicher nicht schlimmer als die Vorgänger. Im Gegenteil: "Gegen die Generation Ende der 1980er Jahre sind das derzeit nur Lausbuben." Auch das Verhältnis zu den Eltern habe sich nicht grundsätzlich geändert: "Es gab immer schon solche und solche."

Verändert habe sich dennoch eine Menge seit Götzl 1974 den Dienst antrat: "Es ist schneller geworden, alles hat sich beschleunigt." Dazu haben die Lehrer mehr Aufgaben zu erledigen, besonders in der Schulleitung: "Der Unterricht in der Klasse ist für mich inzwischen Erholung von den anderen Tätigkeiten." Als Einschnitt habe er den Strom an Aussiedlern nach dem Ende des Ostblocks erlebt. "Damals lebten tausende in den Unterkünften in Grafenwöhr." Ihn selbst trieb dieser Strom sogar zurück an die Uni, 1994 schloss er ein Studium im Fach Deutsch als Fremdsprache und Interkulturelle Erziehung ab. 18 Jahre war er Beratungslehrer. Als weitere wichtige Änderung erinnert er sich an die Einführung der Jugendsozialarbeit in Vollzeit an der Schule 2002. "Das hat viel zum Positiven verändert."

In den vergangenen Jahren gab es nochmals eine Änderung, die Götzl vorantrieb: die Sanierung der Schule. Um diese abzuschließen verlängerte der Rektor zweimal seine Dienstzeit. Dass die Feier zur Eröffnung mit der Verabschiedung zusammenfällt, mache ihn nicht traurig. Er werde häufiger gefragt, ob es nicht schade ist, dass er die Früchte nicht mehr selbst genießen darf. "Für mich war es wichtig, das Projekt mit den Kollegen abzuschließen. Das habe ich geschafft, darüber bin ich froh." Die Schule sei nun auf dem modernsten Stand. An die neuen Möglichkeiten müsse nun das Unterrichtskonzept angepasst werden. "Hierfür habe ich die Vorarbeit geleistet, nun sind die Nachfolger dran." Er selbst wolle dies als Zuschauer begleiten, hin und wieder in Grafenwöhr vorbeischauen, "wenn ich willkommen bin".

Dass dafür lange Gelegenheit sein wird, ist für Götzl klar. "Die Grundschule ist stark aufgestellt", die Mittelschule sei im Schulverbund Städtedreieck eingebunden, die Standorte stützen sich selbst. "Daran wird sich nichts ändern." Ändern will er selbst auch nicht allzu viel, ein ruhiges Rentnerleben ist nicht sein Ziel. "Ich möchte aktiv bleiben." Er könne sich vorstellen, die Kenntnisse aus seinem Zweitstudium weiter einzusetzen. Bedarf für das Fach Deutsch als Fremdsprache und interkulturellem Lernen gibt es sicher.

Beide Kinder Lehrer42 Jahre an einer Schule: Die wenigsten Lehrer schaffen das, was Gerhard Götzl Ende des Monats abschließt. Im Oktober feiert er seinen 67 Geburtstag. Im September 1974 trat er seinen Dienst an der Hauptschule Grafenwöhr an, 1999 wechselte er auf den Posten des Rektors. Nach der Fusion 2006 mit der Grundschule stand Götzl beiden vor.

Zuvor war der Pädagoge lange Jahre Beratungslehrer, nach seinem Zweitstudium 10 Jahre Fachberater für Deutsch als Fremdsprache und interkulturelle Erziehung. Zuständig war er für die Kreise Neustadt/WN, Tirschenreuth und Cham, unterwegs sei er aber in ganz Bayern gewesen.

Privat lebt Götzl wenige Kilometer von seiner Schule entfernt mit seiner Frau. Sohn und Tochter sind inzwischen längst erwachsen. Der Vater muss auf seine Kinder den Eindruck gemacht haben, dass sein Beruf ihn erfüllt. Beide sind heute ebenfalls im Schuldienst. (wüw)
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