Agnes Wawro macht Schein zur Tauchlehrerin
Zu Besuch bei Nemo

Blaues Wasser, bunte Fische und Korallen: Um diesen Arbeitsplatz beneiden Agnes Wawro sicher viele. Bilder: hfz (2)
Vermischtes
Grafenwöhr
12.08.2016
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"Nur an den vielen Blubberbläschen hat man erkannt, wie aufgeregt ich war." Zitat: Taucherin Agnes Wawro

Bald heißt es für Agnes Wawro: Auf Wiedersehen Deutschland, hallo Porto Colom. Dort sind ihre Kollegen, ihre Wohnung, ihr Leben - eine Tauchbasis wird ihr neues Zuhause.

Die 34-Jährige erfüllt sich ihren Traum, als Tauchlehrerin im Urlaubsparadies Mallorca zu arbeiten. Der Startschuss fällt am 20. August. Bevor sie aber Touristen mit auf Tauchgänge nehmen darf, muss die Grafenwöhrerin zuerst ihren Lehrerschein machen.

Im September stehen dazu in Palma de Mallorca zwei Wochen Ausbildung in Tauchphysik, Unterwasserübungen oder Notfallmanagement an. "Dann kommen theoretische und praktische Prüfungen." Danach heißt es, Erfahrungen im "Porto Colom Diving Club" zu sammeln.

Noch nicht einmal angekommen, weiß die Grafenwöhrerin schon jetzt, dass es sie in Mallorca nicht hält. "Es gibt so viele Orte, die ich schön finde und wo ich tauchen möchte." Sie will sich noch nicht festlegen, wo sie wie lange bleibt. Sie weiß aber sicher, dass sie irgendwann einmal Tauchstunden in Tunesien geben will. Dass das nicht einfach wird, ist der gebürtigen Polin klar. "Tunesische Tauchbasen stellen hauptsächlich Einheimische ein." Ihre Chancen schätzt sie trotzdem gut ein, immerhin spricht sie Deutsch und Polnisch.

Falsche Vorstellung


Was in den nächsten Monaten auf sie zukommt, kann sich die junge Frau ungefähr vorstellen: "Ich war schon in der Dominikanischen Republik und habe dort meinen Divemaster gemacht. Das war eine ziemlich harte Zeit." Allerdings waren es eher die Lebensverhältnisse, die ihr zusetzten. Viele sehen den Inselstaat als Urlaubsparadies. Wie es hinter der Fassade aussieht, wissen die wenigsten. Taranteln, Termiten oder Kakerlaken - Wawro hatte dort viele ungebetene Gäste in ihrer Küche. "Ich habe oft geweint und mich gefragt, warum ich das gemacht habe", gibt sie zu. Warum sie nicht den nächsten Flieger zurück nach Deutschland genommen hat? "Weil Tauchen einfach meine große Leidenschaft ist."

Entfacht haben diese Leidenschaft ihre Eltern, als sie ihr zum 30. Geburtstag eine Ägypten-Reise schenkten. "Da hat mich mein Papa mit auf einen Tauchgang genommen, er ist selbst Taucher." Sie hatte sich sofort in die Unterwasserwelt verliebt. Der Grund: Ein acht Meter langer Walhai, der ihr entgegengeschwommen kam.

"Zuerst war ich ziemlich geschockt und wusste nicht, was ich tun sollte", erinnert sich Wawro. Intuitiv verhielt sie sich aber richtig und blieb ruhig. So ruhig, dass sie sogar den damaligen Tauchbegleiter beeindruckte. "Nur an den vielen Blubberbläschen hat man erkannt, wie aufgeregt ich war."

Seitdem hat sie das Meer nicht mehr losgelassen. "Ich hatte ständig das Tauchen im Kopf." Die ehemalige Mitarbeiterin des Kinderhauses Kirchenthumbach war rastlos und unzufrieden. Schließlich bat sie ihre Chefin, sie für ein Jahr freizustellen, damit sie den Tauchschein machen konnte. "Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich bin meiner Chefin dankbar, das sie mich gehen ließ."

Vom Fernweh gepackt


Auch Wawros Eltern ließen sie schweren Herzens ziehen. Die Pläne ihrer Tochter machten ihnen Sorgen: "Ich bin naiv und leichtgläubig, das wissen meine Eltern. Und sie hatten Angst, dass es mir nicht gut geht." Doch ihre Tochter blühte auf, und die elterlichen Sorgen erstickten im Keim. "Sie merkten, wie gut mir das Tauchen tat."

Eineinhalb Jahre war sie weg. Genügend Zeit, um zu erkennen, dass sie ihr Herz an die Unterwasserwelt verloren hat. Sich Zuhause vom Alltag wieder einholen zu lassen, kam für Wawro nicht in Frage. Im Dezember 2015 kündigte sie deshalb im Kinderhaus Kirchenthumbach. "Auch wenn ich die Kleinen und meine Kollegen wahnsinnig vermissen werde."

Vorerst ist es ein Abschied auf Zeit. Im Oktober kommt die Auswanderin noch einmal von Mallorca zurück. "Hoffentlich mit dem Tauchlehrer-schein in der Tasche", lacht sie. Dann heißt es, Tauchbasen suchen und Bewerbungen schreiben. Wohin sie der Weg letztendlich führt, weiß sie noch nicht. Hauptsache, sie landet irgendwann in Tunesien.

AusbildungTauchlehrer ist ein verantwortungsvoller Beruf. Wer anderen diesen Sport beibringen will, muss selbst zuerst einen Divemaster (deutsch: Tauchmeister) machen. Er erlaubt, andere ausgebildete Taucher im offenen Wasser führen.

Organisationen wie Idea, Naui oder Padi bilden zum Divemaster aus. "Das ist sozusagen die Assistenz eines Tauchlehrers", erklärt Agnes Wawro. Um schließlich den Kurs zum Tauchlehrer oder dem sogenannten "Instructor" machen zu dürfen, sollte man mindestens 100 Tauchgänge hinter sich haben.

"Auch psychisch und physisch muss man sich für diesen Beruf eignen", betont Wawro. Alle zwei Jahre ist deshalb eine ärztliche Untersuchung notwendig. (esm)


Nur an den vielen Blubberbläschen hat man erkannt, wie aufgeregt ich war.Taucherin Agnes Wawro
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