Berta Kraus ist gestorben
"Z'frien mou ma sa"

Schöne Erinnerung. Nach dem Festgottesdienst beim Annafest 2015 auf dem Annaberg schloss Weihbischof Reinhard Pappenberger Berta Kraus ganz fest in die Arme. Bild: az
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Grafenwöhr
30.06.2016
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Eine schlichte Frau mit großer Persönlichkeit. Berta Kraus verstarb mit 92 Jahren. Unter großer Anteilnahme wurde sie am Montag beigesetzt

"Z'frien mou ma sa", mit diesem Leitspruch fuhr Berta Kraus ihr Leben lang gut. Mit dieser Mutmacher-Botschaft regte die sehr kommunikationsfreudige Frau viele Mitbürger zum Nachdenken an, das Wesentliche in den Mittelpunkt zu stellen.

Schalkhafter Humor, gepaart mit Schlagfertigkeit, gehörten zu ihren "Markenzeichen". Sie besaß gleichzeitig die Gabe geduldig zuzuhören, wohltuend Trost zu spenden und ein tiefes Einfühlungsvermögens. Jeder kannte und mochte Berta Kraus.

Diese schlichte Frau aus dem Volk von so viel menschlicher Größe, verstarb am vergangenen Donnerstag, nur zwei Wochen nach ihrem 92. Geburtstag. Ohne eine vorangegangene Krankheit schlief sie friedlich ein. Einen solchen "Gnadentod" hat sie sich stets gewünscht. Der Herrgott war ihr gnädig.

Mit Gehstock, in den letzten Jahren mit dem Rollator unterwegs, gehörte Berta Kraus zum "festen Stadtbild". Der erste Gang führte die Frühaufsteherin tagtäglich zum Friedhof - Ehemann Simon "besuchen", wie sie sagte. "D' Leit sogn, Berta, du wirst hundert Joua. Dann soch ich draaf: Ja, ja, wenn i unterwegs douhie niat stirb!". So war sie.

Am Montagnachmittag wurde "das Original von Grafenwöhr" unter überaus großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Im vorangegangenen Trauergottesdienst zeichnete Stadtpfarrer Bernhard Müller Stationen aus ihrem Leben nach. Geboren im Sudetenland als Berta Bog, wuchs sie mit fünf Geschwistern auf. Am 17. Dezember 1945 musste die Familie, nur knapp dem Tod durch Erschießen entronnen, aussiedeln, und fand in Grafenwöhr ihre zweite Heimat. Aus der Ehe mit Simon Kraus gingen drei Kinder hervor. Vier Enkel und ein Urenkel waren der ganze Stolz. Überhaupt habe die Familie stets im Mittelpunkt gestanden. Die große Marienverehrerin "lebte aus einem tiefen Glauben zu ihrem Herrgott".

Der Pfarrer würdigte ihre großen, ehrenamtlichen Verdienste um Pflege und Schmuck von Gruft und Heiligem Grab auf dem Annaberg, das ganze Jahr und jeweils zum Annafest im Besonderen. 57 Jahre habe sie dies vollbracht. Selbst wollte Berta Kraus nie in der Öffentlichkeit stehen. "Der Herrgott möge ihr alles Gute vergelten. Berta Kraus wird uns fehlen. Sie aber darf jetzt bei Gott sein. Er hat sie heimgeholt und in die Schar der Seligen aufgenommen." Dass alle aus dem Glauben Mut und Hoffnung schöpfen, so wie Berta Kraus es vorgelebt habe, wünschte Müller der Trauergemeinde.

Lieder, geboten vom "Beerdigungschor" der Pfarrei, mit Solopartien von Anita Stauber, wie "Näher mein Gott zu dir", "Ave Maria", "Von guten Mächten wunderbar geborgen", bewegten. Und beim Sehnsuchtslied "Es war im Böhmerwald, wo meine Wiege stand" für die leidenschaftliche Egerländerin Berta Kraus flossen Tränen. Die Trompetensoli "Näher mein Gott zu dir" und "S'is Feieroumd", gespielt vom Leiter der Stadtkapelle, Hans Rettinger, taten ein Übriges.
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