Familie von Grafenstein
Reise in die Vergangenheit

Die mächtige Gutsanlage Hammergänlas mit Schloß, Brauerei, Wirtshaus, Kegelbahn, Forsthaus, Felsenkellern und diversen Wirtschafts- und Nebengebäuden lag 1,5 Kilometer westlich von Haag an der alten Reichsstraße 85. Der letzte Besitzer, Dr. Adolf von Grafenstein wurde bei der Erweiterung des Übungsplatzes durch die Reichsumsiedlungsgesellschaft von seinem Gut abgelöst. Bilder: mor (2)
Vermischtes
Grafenwöhr
22.06.2016
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An dieser Stelle am Haager Friedhof stand die Gruft der Familie von Grafenstein. Christoph und sein Sohn Johannes von Grafenstein (Zweiter und Dritter von links) hatten für die Nachkommen die Fahrt in die alte Heimat organisiert. Die Gruft-Kapelle steht heute auf dem Gut Obersteinbach bei Neustadt an der Aisch.

Auf die Spuren ihrer Vorfahren begab sich die Familie von Grafenstein. Die Nachkommen der ehemaligen Besitzer der Löwenbrauerei waren im Militärmuseum und im Übungsplatz unterwegs.

Ab 1936 wurde Familie von Grafenstein von ihrem Gut, der Schlossbrauerei Hammergänlas, abgesiedelt, nun wohnt sie in Obersteinbach bei Neustadt an der Aisch. Johann Georg von Grafenstein, der Stammvater des Geschlechts war um 1757 Landrichter in Parkstein. Der Familie gehörten mehrere Güter im jetzigen Bereich des Truppenübungsplatzes, ein Familienzweig besaß die Ortschaft Röthenbach bei Weiherhammer.

Besuch im Militärmuseum


Johannes von Grafenstein und sein Vater Christoph, geboren 1951 und Sohn des letzten Brauereibesitzers Hans Jörg von Grafenstein, stellten den Kontakt her. Die Verwandtschaft war nach Grafenwöhr aufgebrochen, um das Terrain ihrer Vorfahren kennenzulernen. Sachkundige Unterweisung gab es von Willi Keck und Willi Gottschalk im Kultur- und Militärmuseum. Die Museumsleute zeigten alte Fotos und Unterlagen der Brauerei, die Dr. Adolf von Grafenstein mit einem Teil der Ablöse von Hammergänlas kaufte. Die Löwenbrauerei wurde 1976 an die Reichelbräu Kulmbach verkauft, die Grafensteins zogen in das ebenfalls 1936 erworbene Gut Obersteinbach.

Hans Heindl, ehemaliger Mitarbeiter in der Löwenbrauerei, war beim Mittagessen ein gefragter Gesprächspartner. Mit Gerald Morgenstern startete die Familie die Exkursion in den Truppenübungsplatz. Die Erweiterungen im Hauptlager, Feldlager, Schießbahnen, die Wolfschützenkapelle und der Bleidornturm auf dem Schwarzenberg gehörten zu den Stationen. Ein Halt wurde am Altenweiher Ursprung eingelegt.

An der Wüstung Haag besuchte die Familie den hergerichteten Friedhof. Dort ist der untere Teil des Familiengrabes noch erhalten, die Gruft-Kapelle mit den Särgen wurde 1938 nach Obersteinbach gebracht. Spannend war die Erkundung der Wüstung Hammergänlas. Die mächtige Gutsanlage mit Schloss, Brauerei, Wirtshaus, Kegelbahn, Forsthaus, Felsenkellern und Wirtschafts- und Nebengebäuden lag 1,5 Kilometer westlich von Haag an der alten Reichsstraße 85. Zum Gut gehörten auch der Obere und Untere Hammer, die Frankenohe wurde in verschiedenen Weihern angestaut und lieferte das Wasser für Mühle und Sägewerk. Heute ist das Areal an der Zufahrt zur jetzigen Schießbahn 201 mit Bäumen und Büschen verwachsen.

Nach 1945 wurden die alten Dörfer und Anwesen des Übungsplatzes zur Gewinnung von Baumaterial freigegeben und zum Teil geschliffen. Flurkarten und Luftbilder halfen den Nachkommen der ehemaligen Besitzer bei der Orientierung. Neben den Grundmauern und Steinresten von Schloss und Brauerei stieß Johannes von Grafenstein auf einen alten Kanal, der die Frankenohe zum Teil unter der Brauerei durchleitete.

Sehnsucht nach Heimat


Steine, Scherben und Eichenkeimlinge wurden von den Kindern und Erwachsenen zur Erinnerung mitgenommen. Auf einer Dankeskarte würdigte Christoph von Grafenstein den Besuch im Museum und in der alten Heimat: "Für die Abkömmlinge meines Großvaters Dr. Adolf von Grafenstein bleibt die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat, die wir nach Jahrzehnten der Veränderung noch spüren durften."
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