Grafenwöhr und die US-Präsidentenwahl
Armee ohne Wahlkämpfer

Wer wird es? In Grafenwöhr ist die Frage Hillary oder Donald Privatsache. Die US-Armee sieht es nicht gerne, wenn sich ihr Personal offen auf einen der beiden Kandidaten festlegt. Bild: dpa
Vermischtes
Grafenwöhr
04.11.2016
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Kein Kommentar: Zur Wahl ihres Präsidenten ist von den US-Bürgern rund um Grafenwöhr auf direktem Weg nichts zu erfahren. Über einen kleinen Umweg aber schon.

Nachfragen zwecklos: Zur US-Präsidentenwahl will James P. Federline nichts sagen. Höflich aber bestimmt macht der 67-Jährige klar, dass es sich für einen Angehörigen der US-Armee nicht gehört, über die Wahl zu sprechen. Weshalb das so ist, weiß Franz Zeilmann: Die Armee könne es sich nicht leisten, Präferenzen zu äußern. "Es geht um den künftigen Commander in Chief der US-Armee, den Oberbefehlshaber", erklärt der Pressesprecher der Garnison. Deshalb geht es in der US-Gemeinschaft um den Übungsplatz vor der Wahl ruhig zu. Keine Partei-Vertretungen, keine Wahlveranstaltungen, keine Werbung. Auch am Wahltag selbst sei in Grafenwöhr kein Termin geplant. "Die Leute verfolgen die Wahl vor allem privat vor dem Fernsehgerät."

Manche fahren auch in die nächsten Metropolen: Im Amerikainstitut in Nürnberg und dem Münchener Amerikahaus gibt es Wahlpartys, weiß Federline. Der Präsident des deutsch-amerikanischen Gemeinsamen Ausschusses (DAGA) bleibt zu Hause, so viel verrät der Zivilangestellte der US-Armee dann doch, und dass er seine Stimme per Briefwahl abgegeben hat. "Zu wählen betrachte ich als Pflicht." Bei der Entscheidung gehe es ihm nicht nur um politische Inhalte, sondern auch um Moral. Mehr ist nicht zu erfahren, genau wie von vielen anderen Amerikanern - zumindest am Telefon nicht.

Ein Blick in Facebook zeigt, dass Amerikaner in und um Grafenwöhr eine Meinung zu den Kandidaten haben und diese in der scheinbaren Privatheit ihres Facebook-Profils auch preisgeben. Dass die US-Armee traditionell den Republikanern zugetan ist, lässt sich daraus nicht ablesen. Alle möglichen Meinungen sind vertreten. Trump-Enthusiasten sind genauso dabei, wie derjenige, der ankündigt, seine Familie aus den USA in die Oberpfalz zu holen, sollte Trump die Wahl gewinnen.

Wahlbeteiligung bei 60 bis 70 ProzentAm 8. November wählen US-Bürger ihren 45. Präsidenten. Angehörige der US-Armee behalten ihr Wahlrecht überall, ob auf dem Stützpunkt in Grafenwöhr oder beim Einsatz in Afghanistan. US-Armee-Pressesprecher Franz Zeilmann berichtet von einer recht hohen Wahlbeteiligung bei den US-Bürgern in der Oberpfalz: 65 bis 70 Prozent. Registrieren lassen mussten sich Wähler nämlich bis 10. Oktober. Die US-Armee unterhält dafür ein Büro, das bei den Formalitäten hilft. "Über 10 000 Bürger haben die Hilfe genutzt", sagt Zeilmann. Von den rund 25 000 US-Bürgern in der Oberpfalz seien etwa 18 000 wahlberechtigt. Ihre Stimme geben sie für den Bundesstaat ab, in dem sie in der Heimat gemeldet sind. Zeit haben sie bis 8. November - wie einst bei TV-Verlosungen gilt der Poststempel. (wüw)
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