Grafenwöhrer Stadtrat findet keine einvernehmliche Einigung
Pausenhof-Drama geht weiter

Die Schulbank drückten die Stadträte am Dienstag, als sie über die Neugestaltung des Pausenhofes diskutierten. Bild: spi
Vermischtes
Grafenwöhr
19.10.2016
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Dort, wo die Erstklässler zum ersten Mal Buchstaben kritzeln und mit Zahlen jonglieren, fangen die Stadträte ebenfalls wieder von vorne an. Die Diskussion über die Gestaltung des Pausenhofes der Grund- und Mittelschule ist noch lange nicht vom Tisch. Das hat sich Bürgermeister Edgar Knobloch anders vorgestellt.

Einen Beschluss gab es am Dienstagabend im Klassenzimmer von Abc-Schützen trotzdem, auch wenn es anfangs nicht danach aussah. Spiegelbild für die Uneinigkeit ist das Ergebnis des Votums: Zehn Stimmen für einen Pausenhof, der in zwei Bereiche geteilt wird, und fünf Stimmen dagegen. Bürgermeister Edgar Knobloch wunderte sich darüber. Er hatte das Thema als schon ausdiskutiert verstanden. Einige Räte allerdings nicht.

Ursprung der Debatte war Tagesordnungspunkt 2 und eine Besichtigungsfahrt nach Gunzenhausen und Dietenhofen. Eine Abordnung des Stadtrates hatte dort zwei Schulhöfe besichtigt, um sich Ideen für die Gestaltung des eigenen Areals von circa 3000 Quadratmetern zu holen. Josef Neubauer hielt die Eindrücke mit einer Kamera fest und präsentierte die Filmsequenzen dem Gremium. Ein Backofen, Absperrbänder, Wasserspiele und ein Atrium waren unter anderem zu sehen. "Bis jetzt ist der noch nicht so schön", flüsterte eine Zuhörerin, als die Absperrbänder und verwildert wirkende Beete auf dem Whiteboard des Klassenzimmers flimmern. "Oh Gott, wer schneidet das Zeug zurück", äußerte sie weiter ihre Bedenken.

Auf dem zweiten Pausenhof gab es eine Streuobstwiese und Teilgehöfte vor den Klassenzimmern, für die die Schüler jeweils zuständig sind. Dass sich die Kinder zwischen Büschen und Steinen austoben können, gefiel sowohl Gremium als auch dem Grafenwöhrer Schulleiter Thomas Schmidt. Doch die Einigkeit währte nicht lange, als es darum ging, wo der Pausenhof naturnah gestaltet werden und was aus dem Park- und Verkehrsübungsplatz werden soll. Klaus Schmitsdorf hatte die Idee, die Schüler Vorschläge machen zu lassen. Helmuth Wächter verwies darauf, dass es schon einmal ein Konzept von Schülern gegeben habe und dieses herangezogen werden könnte.

Parkplatz soll bleiben


Wächter stellte außerdem zur Debatte, ob der Parkplatz auf dem Schulhof bleiben sollte, aufgrund der schwierigen Parksituation vor der Schule zu Stoßzeiten (siehe Kasten). Schmitsdorf sprang auf den Zug auf und stellte gleich noch den Verkehrsübungsplatz zur Debatte. Und auch Udo Greim hackte in dieselbe Kerbe: "Meine Frau ist eine brave Kirchgängerin, und ich habe sie beauftragt, zu schauen, wo mehr Autos stehen" - am Pausenhof oder an den umliegenden Straßen. "Und es war immer so, dass man alle Autos auf dem Hof auf die anderen Straßen verteilen könnte." Sein Fazit: Der Parkplatz wird nicht gebraucht.

Das sah Bürgermeister Edgar Knobloch anders: Der asphaltierte Innenhof der Schule werde für größere Veranstaltungen am Wochenende in der Stadthalle benötigt. Außerdem war dem Stadtoberhaupt ein Dorn im Auge, den Verkehrsübungsplatz aufzugeben. "Dann müssen wir unsere Kinder immer nach Eschenbach oder Pressath fahren", betonte er. "Ich hätte das Packerl, das wir geschnürt haben, nicht mehr aufgemacht." Dass der Verkehrsübungsplatz sehr wohl gebraucht werde, versuchte Schulleiter Thomas Schmidt den Stadträten klarzumachen - allerdings anders gestaltet. Ihm wäre als Vater nicht wohl dabei gewesen, seine Kinder auf so einen tristen Pausenhof - Asphalt umrahmt von Häusern - zu stecken. Das rund 1700 Quadratmeter große Areal oberhalb der Böschung sei außerdem kein realer Übungsplatz für die kleinen Radfahrer, die dort für den "Fahrradführerschein" trainieren: Es gebe keine Ecken, Bäume, Kurven. Man könne fiktive Autos aus 50 Meter Entfernung sehen.

Ärger über Kollegen


Thomas Schopf stimmte dem Schulleiter zu und betonte, dass für ihn nicht infrage komme, den Platz herzugeben. Um die Diskussion zu beenden, schlug Gerald Morgenstern vor, einen Teil fürs Parken zu lassen, den Rest (1300 Quadratmeter) natürlich zu gestalten, den Architekten einen Entwurf anfertigen zu lassen und dann wieder zu beraten.

Die Lösung war Klaus Schmitsdorf allerdings zu einfach: "Ich habe da ein echtes Problem, eine Fläche von 1300 Quadratmeter als ausreichend zu sehen, find' ich unmöglich", schleuderte er seinen Kollegen entgegen. Bürgermeister Edgar Knobloch konnte das genervte Grinsen nur schwer unterdrücken: "Ich kann mich nur wiederholen, 3000 Quadratmeter stehen den Kindern zur Verfügung." Josef Neubauer konnte sich nicht länger zurückhalten. "Entweder hört oder sieht der nicht", machte er seinem Ärger Luft. Weil die Diskussion auch nach dem Beschluss nicht abklingen wollte, musste Knobloch mit "Jetzt ist es beschlossen. Ruhe!" ein Machtwort sprechen, um weitermachen zu können.

Sanierung der Grund- und MittelschuleDer Unterricht in der sanierten Grund- und Mittelschule musste sich erst einspielen. Einen Monat nach Ende der Sommerferien konnte Schulleiter Thomas Schmidt den Stadträten aber schon einiges aus dem Schulalltag berichten.

Die drehbaren Tische mit Rollen an den Beinen hätten sich im Unterricht bewährt. Bei der Anzahl der Pulte sei bereits nachjustiert worden, eine weitere Lieferung sollte bald eintreffen. Die Garderoben sind noch nicht montiert, aber schon im Haus gelagert. Eine Herausforderung für die Lehrer sei der Umgang mit den Whiteboards. "Meine Generation hat mit dem Overheadprojektor gearbeitet. Es braucht Zeit, um das Whiteboard in Fleisch und Blut übergehen zu lassen", erklärte Schmidt. In mehreren EDV-Schulungen lernen die Lehrer deshalb den Umgang mit der neuen Technik. "Aufpassen, dass die Kinder nicht mehr wissen als die Lehrer", scherzte dazu Bürgermeister Edgar Knobloch. Schmidt berichtete von dem Plan, am Ausgang zum Sportplatz bei der Feuertreppe ein Vordach anbringen zu lassen. Ein starker Regenschauer in diesem Jahr habe dort einen kleinen Schaden, laut Schmidt "nichts Großartiges", verursacht. Das Vordach soll verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.

Als unschön und chaotisch bezeichnete der Rektor die Parksituation zu Stoßzeiten an der Schule. Teilweise werde schon in dritter Reihe geparkt, nur um den Sprössling am besten direkt ins Klassenzimmer zu bugsieren. Auch das wolle Schmidt im Blick auf die jüngsten Amok-Drohungen an deutschen Schulen unterbinden. "Wir wollen Fremde aus der Schule halten", betonte er. Deshalb wolle er auch die noch so widerspenstigsten Eltern dazu bringen, die Kinder allein ins Klassenzimmer gehen zu lassen. Thomas Mayer forderte erneut, den Bereich vor der Schule nur für Busse zu öffnen. Thomas Schopf gab zu bedenken, dass sich der Verkehr dann woanders staue.

Ob alle Kinder zum Unterricht Hausschuhe anziehen, wollte Gerald Morgenstern wissen. Schmidt erklärte, dass keine Pflicht bestehe, "weil die Schuhe versteckt, oder ins Klo geschmissen werden". Kinder könnten aber selbst entscheiden, ob sie "Dappen" tragen wollen. (spi)


Ich habe da ein echtes Problem, eine Fläche von 1300 Quadratmeter als ausreichend zu sehen, find' ich unmöglich.Klaus Schmitsdorf
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