Hu Weihua Rubner stammt aus Shanghai
Warmherzig und ländlich

Hu Weihua Rubner fühlt sich wohl in Grafenwöhr. Wenn es ihr möglich ist, besucht sie ihre Mama in China jedes Jahr. Von ihr stammt auch das Glückssymbol. Bild: rgr
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Grafenwöhr
17.09.2016
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Keine Eltern, keine Freunde und nicht der deutschen Sprache mächtig: Mit diesen Gegebenheiten musste Hu Weihua Rubner erst einmal fertig werden. Vor elf Jahren verließ sie der Liebe wegen ihre Geburtsstadt Shanghai und kam nach Grafenwöhr.

(rgr) Es war eine gewaltige Umstellung. Von einer 17-Millionen-Metropole in ein beschauliches Städtchen mit seinen knapp 7000 Einwohnern zu wechseln, war alles andere als leicht. 2003 hatte die damals 29-jährige Chinesin Werner Rubner kennengelernt.

"Wir haben uns das erste Mal auf einer Messe gesehen, da ich dort als Einkäuferin gearbeitet habe. Werner hat ein Siemens-Projekt vorgestellt", erzählt Hu Weihua, die von ihren Freunden, die sie in Grafenwöhr gefunden hat, nur "Helen" genannt wird. Bekommen hat sie diesen englischen Namen jedoch von Freunden aus China.

Sprachbegabt und äußerst lernfähig zeigte sich die junge Frau. Sie habe die deutsche Sprache durch einen Kurs bei der Volkshochschule gelernt. Es war ein Muss für sie, denn sie wollte hier schließlich arbeiten. Und mit der Arbeit hat es bei der BHS Corrugated in Weiherhammer dann auch geklappt. Hier habe sie unter anderen festgestellt, dass die Technik in Deutschland besser entwickelt ist, als in China.

Mehr Kinder


Dafür ist für die Deutschen keine "Siesta" am Nachmittag drin, die sie von ihrer Heimat her kennt. Anders geworden sei die Familienplanung in China. "Während früher die Ein-Kind-Regelung eingehalten werden musste, dürfen seit letztem Jahr die Landsleute nun zwei oder unter bestimmten Bedingungen sogar drei Kinder haben", weiß Helen.

Doch dies bedeutete auch ein hohes Maß an Ausgaben für die Krankenversicherung. Zur Zeit gebe es sehr viele alte Leute in China. "Für die neue Generation wird die ganze Lebenssituation sicherlich besser", mutmaßt Hu Weihua. Doch wie sieht ihre Situation in Grafenwöhr aus? "Ich bin froh, nicht mehr in einer Riesenstadt zu wohnen, sondern eher ländlich." Hier sind die Menschen warmherziger als in ihrer Heimat. In China wird sehr viel gearbeitet. Dies bedeutet Stress. Außerdem will keiner den anderen bei seiner Arbeit stören. Auch für die Kinder bedeutet das Leben in China Stress, denn sie müssen oft bis 22 oder 23 Uhr lernen.

Familienbesuche


Da haben es ihre Kinder besser. Sophie (10) und Laura (6) sind hier genauso integriert wie sie selbst; wenn man das überhaupt so ausdrücken darf. Sie ist hier heimisch geworden. Die Kinder gehen in die Ballettschule, in die Musikschule VierStädtedreieck und Sophie gefällt es auch bei den Grafenwöhrer Ministranten sehr gut.

Aber Helen vergisst auch ihre 72-jährige Mama und ihren Bruder in China nicht. Mindestens einmal pro Jahr versucht sie, die Koffer zu packen, um sie zu besuchen. Auch Gegenbesuche von Helens Mama gab es schon. "Neben dem Wiedersehen freut sich meine Mama, wenn sie "Tai Chi" in frischer Luft im Grafenwöhrer Stadtpark machen kann."

Vergleiche zwischen Deutschland und China:Urlaub und Bezahlung: In Deutschland ist der Urlaubsanspruch besser als in China. "Geändert hat sich die Zahl der Urlaubstage zwar schon. Aber die Chinesen haben, außer den nationalen Feiertagen, trotzdem nur zwei bis drei Wochen pro Jahr Zeit, um sich zu erholen." Auch die Bezahlung ist in China durchaus niedriger als in Deutschland; und das, obwohl man für die medizinische Versorgung zehnmal so viel hinlegen muss als hier.

Essen: In China gibt es in den großen Städten viel Fastfood, aber wenig Sporttreibende. Deshalb gibt es auch immer mehr dicke Menschen. Aber es gibt auch sehr viel Gemüse und nicht so viel Fleisch wie in Deutschland. Es wird kaum kalt gegessen, sondern fast immer warm. Das chinesische Lieblingsessen von Hu Weihua besteht aus "Seafood" (Fische und Muscheln) und frisch gekochtem Gemüse.

Pünktlichkeit: In China ist man etwas lockerer und nimmt es mit der Pünktlichkeit nicht so genau.

Kultur: Es gibt da und dort kulturelle Ereignisse - in jedem der beiden Länder ist es etwas anders. (rgr)
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