Keine Uniform außerhalb des Lagers
Kleiderordnung schmeckt Wirten nicht

In der Neuen Amberger Straße in Grafenwöhr, unmittelbar in der Nähe des Lagers, sind die beiden Gasthäuser „Zum Stich’n“ und „Hotel Restaurant Böhm“. (Foto: mor)
Vermischtes
Grafenwöhr
27.04.2016
2942
0
 
Edgar Knobloch möchte sich weiter für die Grafenwöhrer Wirte einsetzen.

Die amerikanischen Soldaten in Grafenwöhr müssen sich umziehen, wenn sie das Lager verlassen. In Uniform dürfen sie nicht mehr raus. Das merken vor allem die Wirte der Garnisonsstadt.

Seit November 2014 dürfen US-Soldaten zu ihrem eigenen Schutz nur noch in Zivil aus dem Lager, außer wenn sie mit dem Auto oder den Lager-Bussen zur Arbeit pendeln, berichtet Pressesprecher Lieutenant Colonel Brian Carlin. Das stinkt den Grafenwöhrer Wirten, denen die Gäste fehlen.

"Zum Stich'n"-Wirt Andreas Hößl verköstigt zwar noch Soldaten - aber meistens nur am Wochenende und abends, wenn ganze Gruppen zum Essen kommen. "Der Mittagstisch lässt zu wünschen übrig", beschwert er sich. Das Gasthaus ist nur 800 Meter von Tor drei entfernt, in unmittelbarer Nähe zum Lager. Seit die Soldaten zivil unterwegs sein müssen, kommen sie nicht mehr zum Mittagessen. "In dieser einen Stunde erst umziehen und dann rausfahren zum Essen, das geht nicht", weiß Hößl. Er hat trotzdem mittags geöffnet, will seine Öffnungszeiten auch nicht ändern. Er setzt auf andere Gäste.

"Wir wünschen uns, dass irgendwann der Urzustand wieder hergestellt wird." Hößl appelliert an Bürgermeister Edgar Knobloch und die Stadt, bei der Lagerführung offiziell "anzuklopfen". Er selbst komme schwer an Führungspersonen heran, werde aber bei Gelegenheit versuchen, ein Vorgespräch zu führen. Hauptsächlich sieht der Wirt aber die Stadt im Zugzwang. "Wir sind seit 40 Jahren mit den Amerikanern verbunden. Die deutsch-amerikanische Freundschaft kann man aber nur pflegen, wenn man miteinander spricht." Die Grafenwöhrer Gastronomen wünschen sich, dass durch eine politische Entscheidung von oben eine Lösung gefunden wird, betont er. "Die Amerikaner sind bei uns immer herzlich willkommen."

Probleme nachvollziehbar


Bürgermeister Edgar Knobloch hat bereits Gespräche mit dem JMTC-Kommandeur, Brigadegeneral Christopher G. Cavoli, geführt. Der kann dagegen allerdings nichts machen. Der Befehl kommt von EUCOM, dem Europäischen Kommando der Vereinigten Staaten. "Cavoli hat mir gesagt, dass die US-Armee die Sicherheitslage immer wieder überprüft und dann die Sicherheitsstandards festlegt." Der General kenne die Situation. "Er kann die Probleme nachvollziehen, aber er kann es nicht ändern."

Ein kleiner Trost für Bürgermeister Knobloch ist die Tatsache, dass die Vorschriften in Deutschland noch relativ mild sind. Knobloch bleibt aber trotzdem dran, verspricht er. "Ich werde bei den regelmäßigen Treffen mit der Lagerführung den Sachverhalt immer wieder anbringen." Knobloch betont die enge Freundschaft mit den Amerikanern. "Schade, dass sie nicht mehr in Uniform raus dürfen. Hoffentlich ändert sich das bald wieder." Auch Heinrich Böhm, Chef vom Hotel Restaurant Böhm, hofft das. Sein Lokal ist nur 500 Meter von der Lagerwache entfernt, sein Mittagstisch war immer gut besucht. Jetzt ist die Situation kritisch. "Ich habe mittags noch geöffnet. Noch. Ich lasse alles auf mich zukommen, aber langsam wird es eng." Die Kosten laufen aus dem Ruder, berichtet er.

Das Problem liege aber nicht nur im Uniform-Verbot. Auch zivile deutsche Mitarbeiter fehlen dem Wirt. Sie bleiben sowohl an den deutschen als auch an den amerikanischen Feiertagen daheim. Um trotzdem auf ihre Stunden zu kommen, arbeiten sie täglich 15 Minuten länger, weiß Böhm. Diese Zeit geht von der Mittagspause weg. "In einer halben Stunde herhetzen und essen, das rentiert sich nicht", erklärt er. Spezielle Mittagstisch-Angebote würden daran auch nichts ändern. "Es hat sich viel zum Negativen gewandelt."

Es geht um die Sicherheit


Lieutenant Colonel Brian Carlin, Chief of Public Affairs in Grafenwöhr, erklärt die Problematik: Das europäische US-Kommando muss die Sicherheit des Personals in Europa gewährleisten. JMTC-Kommandeur in Grafenwöhr Brigadegeneral Cavoli ist als Bevollmächtigter für den Truppenschutz in Bayern sehr um die Sicherheit der Mitarbeiter bemüht. Aber: "Die Anordnung ist nicht die Antwort auf eine konkrete Bedrohung, es geht um die Sicherheit der Mitarbeiter", berichtet LTC Carlin. Vielleicht erfüllt sich die Hoffnung der Wirte, und die Situation ändert sich wieder.

Ich werde bei den regelmäßigen Treffen mit der Lagerführung den Sachverhalt immer wieder anbringen.Edgar Knobloch möchte sich weiter für seine Wirte einsetzen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.