Nach der Wolfsichtung
"Freuen und ein Foto machen"

Martin Gottsche.
Vermischtes
Grafenwöhr
26.09.2016
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Nach der Wolf-Sichtung am Truppenübungsplatz fallen die Reaktionen überwiegend freudig aus. Auch die Vertreter von eher kritischen Gruppen geben sich vorerst gelassen.

Dass ein Wolf über den Truppenübungsplatz streift (wir berichteten), hat Martin Gottsche nicht überrascht. Schon im Jahr 2012 hat der Forstmann im "Neuen Tag" erklärt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Wolf in die nördliche Oberpfalz zurückkehrt. Unter Forstleuten habe sich die Neuigkeit vom Wolf am Übungsplatz schon länger herumgesprochen, berichtet der Experte vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Überraschend sei eher, dass das Landesamt für Umwelt die Sichtung publik gemacht hat. Sorgen macht sich Gottsche nämlich nicht um Jogger oder Schwammerlsucher, sondern um den Wolf. "Viele freuen sich über die Rückkehr, aber es gibt auch Leute, die das anders sehen."

Traditionell gehören Jäger zu letzterer Gruppe. Für sie könnte der Wolf Konkurrenz ums Wild bedeuten. Darüber macht sich Heinrich Schultes aber keine Gedanken solange es sich um ein einzelnes Tier handelt, berichtet der Jagdpächter des Grafenwöhrer Reviers. Für ihn stellen die Straßen die Hauptkonkurrenz dar. Wegen des starken Verkehrs rund um Grafenwöhr glaubt Schultes nicht, dass der Wolf sein Revier heimsucht, zumal er am Übungsplatz beinahe "im Paradies" lebt. Allerdings könnte sich die Lage ändern, wenn es nicht mehr um ein Tier, sondern um ein Rudel geht.

Wie die Jäger zählen die Landwirte nicht zu den Wolf-Fans. Doch auch Josef Fütterer möchte keinen Alarm schlagen - vorerst. "Uns fehlen die Erfahrungen", sagt der Obmann des Bauernverbands im Landkreis Neustadt. Bei den meisten Bauern leben die Tiere in Ställen, er hoffe deshalb, dass es keine Probleme gibt. Vielleicht könnten die Landwirte sogar vom Wolf profitieren: "Wenn er hilft, die Wildschweinpopulation und da die Schäden klein zu halten", sagt Fütterer. Wenn aber Haustiere dem Wolf zum Opfer fallen oder sich Landwirte bei er Waldarbeit Sorgen machen müssen, "dann haben wir natürlich ein Problem".

Vor allem beim letzten Punkt gibt Förster Gottsche Entwarnung: "Solange ein Wolf die Möglichkeit hat, zieht er sich zurück und meidet den Menschen." Und was soll man tun, wenn man doch einen Wolf sieht? "Sich freuen und möglichst ein Foto machen", rät Martin Gottsche. Denn man kann sicher sein, dass man großes Glück hat und einen Anblick genießen darf, um den einen viele Naturfreunde beneiden.

Wolf-TippsWölfe in freier Natur sind kein Anlass zur Beunruhigung, sagt das Landesamt für Umwelt: Der Wolf sei von Natur aus vorsichtig und weiche dem Menschen aus. Seit 1996 leben wieder wilde Wölfe in Deutschland, es gab bisher keinen Angriff auf Menschen. Ferner heißt es auf der LfU-Homepage: "In den letzten 50 Jahren sind in Europa neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland starben 2007 bis 2009 durch Insektenstiche 45 Menschen, seit 1989 gab es 40 Todesfälle durch Hunde." Das LfU gibt einige Tipps, wie man sich verhalten sollte, falls man unvermutet doch einmal einem Wolf gegenübersteht:

"Der Wolf reagiert auf Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, sind folgende Regeln zu beachten:
  • Haben Sie Respekt vor dem Tier.
  • Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.
  • Falls Sie bei der Begegnung selbst einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.
  • Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.
  • Füttern Sie niemals Wölfe - die Tiere lernen sonst schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen.
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