Organversagen durch Doping
Tod eines Bodybuilders

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Grafenwöhr
10.03.2016
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Die Rechtsmedizin stellte anabole Substanzen im Körper fest.

Vergangenen Juni lag ein junger Grafenwöhrer tot in seinem Bett. Die toxikologische Untersuchung legt nahe, dass Doping sein Herz geschädigt hat. Für die Justiz ist der Fall abgeschlossen, nicht aber für den Betreiber des Fitnessstudios in Grafenwöhr.

Direkt nach der traurigen Nachricht machten Gerüchte die Runde. Nun bestätigt sie die Weidener Kriminalpolizei: Beim Tod eines jungen Bodybuilders waren wohl Dopingmittel im Spiel. "Die Rechtsmedizin stellte anabole Substanzen im Körper fest", sagt Albert Brück, Sprecher des Regensburger Polizeipräsidiums. Es liege der Verdacht nahe, dass diese für das Organversagen verantwortlich waren. Ende Juni war der 28-Jährige tot im Bett gefunden worden. Der Mann war sportlich, ein begeisterter Fußballer. In den Jahren vor seinem Tod hat er verstärkt Bodybuilding betrieben.

Trainiert hat er dabei unter anderem im Grafenwöhrer Studio "Get Fit". Dessen Betreiber Manuel Bauer ist noch immer bestürzt über den Tod des Sportlers, aber auch über die schlechte PR für seinen Sport. Bauer war selbst lange erfolgreicher Bodybuilder, hängt an dem Kraftsport und ist beunruhigt über eine Entwicklung, die er seit einiger Zeit beobachtet. Doping habe im Bodybuilding immer eine Rolle gespielt, gibt Bauer zu. "Früher war das aber nur im Hochleistungsbereich der Fall." Heute gebe es immer mehr junge Männer, denen die Geduld fehlt. "Die Leute sehen nur das Ergebnis. Dass in einem wirklich austrainierten Körper 20 Jahre Arbeit und Disziplin stecken, sehen sie nicht."

Hauptsache schnell


Als er mit dem Sport begann, habe er gelernt, auf seinen Körper zu achten, sich mit gesunder Ernährung beschäftigt, er habe nie getrunken oder geraucht. "Heute kommen Leute, die halbherzig trainieren, am Wochenende saufen und trotzdem nach einem halben Jahr Erfolg sehen wollen", sagt Bauer. Er versuche, mit seinen Kunden zu sprechen, sie vor Fehlern zu warnen. Auch das 28-jährige Todesopfer habe er auf die Problematik angesprochen. "Aber überwachen oder zu ihrem Glück zwingen kann ich die Leute nicht." Dass das Internet den Zugang zu den Mitteln erleichtert, verschärfe das Problem. Was in Deutschland verboten ist, lasse sich anderswo einfach bestellen. Wenigstens in seinem Studio möchte Bauer Missbrauch oder gar Handel unterbinden. "Das steht bei mir auch in der Hausordnung." Sollte er Kunden erwischen oder auch nur der Verdacht aufkommen, würde er die Leute rauswerfen, versichert er: "Es geht ja auch um meine Existenz."

Im einstelligen Bereich


Angesichts Bauers Beobachtungen hat die Polizei relativ selten mit der Dopingproblematik zu tun. Im vergangenen Jahr lag die Fallzahl bei der Weidener Kriminalpolizei im einstelligen Bereich, sagt Albert Brück. Rechtlich geht es dabei um Medikamentenmissbrauch. "Das sind Mittel, die den Muskel wachsen lassen sollen." Die Erfahrung zeige, dass Kraftsportler außerdem Mittel nehmen, die Schmerzen und Anstrengung unterdrücken. So wollen sie härter trainieren. Dabei handelt es sich meist um Amphetamine. "Hier sind wir beim Drogenmissbrauch", erklärt Brück. Damit habe die Polizei häufiger zu tun, weil nicht nur Sportler Speed und Co. missbrauchen.

Medikamentenmissbrauch sei oft schwer nachzuweisen, da es sich bei den Leistungssteigerern meist um verschreibungspflichtige Medikamente handelt. Wenn der Doper einen Arzt findet, der die Mittel auf Rezept verschreibt, könne die Polizei nur schwer vorgehen. Weidens leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer ergänzt, dass der Konsum in der Regel nicht strafbar ist, der Handel aber wohl. Zuständig sei hierfür aber die Münchener Justiz, dort sei die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Dopingvergehen angesiedelt.
Die Rechtsmedizin stellte anabole Substanzen im Körper fest.Polizeisprecher Albert Brück
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