Pokémon-Invasion in Grafenwöhr
Gefährliche Taschenmonster

Das Spiel "Pokémon Go" ist momentan voll im Trend - auch in Grafenwöhr. Immer öfter bemerkt die Polizei allerdings Fußgänger oder Autofahrer, die so versunken auf ihr Handydisplay starren, dass sie im Straßenverkehr nicht mehr aufpassen. Symbolbild: dpa
Vermischtes
Grafenwöhr
11.08.2016
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Sie sind überall. Plötzlich tauchen die kleinen Monster auf dem Handydisplay auf und ziehen Pokémon-Jäger in ihren Bann - besonders in Grafenwöhr. Das Spiel bringt allerdings auch einige Gefahren für die reale Welt mit sich.

Mit gesenktem Kopf und völlig vertieft marschieren Scharen von Jugendlichen durch die Straßen von Grafenwöhr. Immer dabei: ihr Handy und oft auch noch ein Ladegerät für den Akku. Die Teenager sind auf der Jagd nach Pokémons und vergessen dabei anscheinend völlig, was in der Welt um sie herum so passiert.

Conny Öttl-Spitaler wäre beinahe schon von dem Auto eines Pokémon-Spielers zusammengefahren worden. Die 55-Jährige Grafenwöhrerin war zu Fuß in der Nähe des Stadtparks unterwegs. Dort befinden sich zwei virtuelle Poké-Stops, wo die Jugendlichen sogenannte - äußerst begehrte - Poké-Bälle und Tränke bekommen. Damit können sie die kleinen Taschenmonster entweder fangen oder wiederbeleben. "Der ist mit seinem Auto auf die andere Straßenseite rüber und steht vor meinem Knie. Da haben noch zwei Zentimeter gefehlt", erinnert sich Öttl-Spitaler. "Er hat nicht gecheckt, dass er mich beinahe umgefahren hat", sagt sie.

Grundsätzlich habe die 55-Jährige nichts gegen das Spiel, aber wenn selbst Autofahrer auf Pokémon-Jagd gehen, nervt sie das schon. "Ich bin hin- und hergerissen, ob das Spiel gut oder schlecht ist." Auch wenn "Pokémon Go" für Mitmenschen gefährlich werden könne, hat sie beobachtet, dass mehr Teenager wieder an die frische Luft gehen. "Alle Jugendlichen, die sich vor zehn Jahren verbarrikadiert haben, trifft man auf der Straße."

"Jagd" auf Pokémon-Jäger


Spitaler-Öttl ist zudem aufgefallen, dass sich "Leute zusammentun, die sich nicht mal kennen". Obwohl die Jugendlichen zwar viel auf ihr Handy glotzen, könnten so auch Freundschaften entstehen, meint sie. Sogar aus beispielsweise Kemnath, Pressath, Weiden und Tirschenreuth würden Teenager extra nach Grafenwöhr kommen, weil es dort die "besten" Pokémons gebe.

Dass die Pokémon-Spieler unaufmerksam sind, ist der Polizei schon öfter aufgefallen. "Es ist ein kleines Problem, das unter Umständen noch größer werden könnte", beschreibt Werner Stopfer von der Polizeiinspektion Eschenbach. Er und seine Kollegen sind immer öfter auf der "Jagd" nach Pokémon-Jägern. "In der Innenstadt Grafenwöhr, beim Rathaus in der Nähe, haben Kollegen einen Volvo festgestellt mit Weidener Kennzeichen, der auffallend langsam gefahren ist." Die Polizisten haben das Auto eine Weile beobachtet, schließlich mit ihrem Wagen überholt und gesehen, dass sogar der Fahrer ein Handy in der Hand hatte. Auf dem Display: "Pokémon Go". "Mit der linken Hand hat er sein Handy gehalten, mit der rechten das Lenkrad", berichtet Stopfer. Verstehen kann er das nicht. Der Fahrer musste 60 Euro zahlen und bekam einen Punkt in Flensburg. Auch einen jungen Kerl habe die Polizei schon verwarnt. Der Zehnjährige war mit seinem Fahrrad auf Monsterjagd. Er hatte am Lenkrad ein Tablet befestigt. "Sobald man mit einem Fahrrad oder Auto unterwegs ist, ist das strafbar", informiert Stopfer zum Thema "Handy am Steuer".

Aber auch Fußgänger müssen aufpassen, sobald sie Pokémons jagen. Selbst sie können strafrechtlich belangt werden. Wenn ein Fußgänger Pokémons sucht, beispielsweise beim Überqueren einer Straße nicht nach links, rechts und wieder links geschaut hat und dadurch an einem Unfall beteiligt ist, kann es sein, dass er laut Stopfer für den Schaden haften muss. "Es ist genauso seine Pflicht wie die des Autofahrers. Er muss sich vergewissern, ob ein Auto kommt", sagt der stellvertretende Dienststellenleiter. Stopfer hat zwar nichts dagegen, wenn Jugendliche Spaß an dem Spiel haben, die Umgebung sollten sie aber trotzdem im Blick haben. "Es gibt ja mittlerweile auch Aussagen von Eltern: ,Jetzt geht mein Kind endlich wieder raus'", sagt er. Wenn die Spieler allerdings nur mit dem Auto unterwegs seien, würden sie sich nicht nur strafbar machen und den Straßenverkehr behindern, sondern die Umwelt mit dem Ausstoß von Kohlenstoffdioxid belasten und die Bewegung falle auch noch weg.

Belebt Innenstadt


Dass in Grafenwöhr seit dem Start von "Pokémon Go" mehr los ist, findet Bürgermeister Edgar Knobloch gut. "Die ersten Male habe ich gestaunt, war ja gleich zu anfangs ein Hype in Grafenwöhr", meint er am Telefon und lacht. "Ganze Menschentrauben sind unterwegs - bis nachts um 3 Uhr." Wegen Ruhestörung beschwert habe sich beim Bürgermeister aber noch niemand. "Ich finde es für die Innenstadt gar nicht schlecht", sagt er. Dadurch werde der Marktplatz noch mehr belebt - eines der Ziele der Stadt Grafenwöhr.

StrafenAutofahrer, die mit dem Handy am Steuer erwischt werden, müssen mit einer Geldstrafe von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Radfahrer zahlen 25 Euro. Ihnen droht kein Punkt. Für Fußgänger, die wegen "Pokémon Go" unachtsam und deshalb an einem Unfall beteiligt sind, können je nach Fall auch mit einer Strafe rechnen. (spi)
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