Prügelei vor Grafenwöhrer Jugendheim endet in Polizeieinsatz
Schlag ins Gesicht

Die Blutlache ist auch zwei Wochen nach der Schlägerei vor dem Grafenwöhrer Jugendheim noch zu sehen. Bild: spi
Vermischtes
Grafenwöhr
20.10.2016
3198
0

Die getrocknete Blutlache auf den Pflastersteinen zwischen Jugendheim und katholischer Kirche ist stummer Zeuge einer Schlägerei. Deutsche Jugendliche und unbegleitete minderjährige Ausländer hatten sich am 7. Oktober (wir berichteten) dort in die Haare bekommen. Ein Grafenwöhrer, der sich als Opfer fühlt, spricht nun von massiven Drohungen von seiten der Asylbewerber. Ein Schlag auf die Nase des 16-Jährigen endet blutig. Die Polizei ermittelt. So harmlos wie der Fall vor 14 Tagen noch schien, ist er jedoch nicht.

Zwei Wochen nach der Schlägerei meldet sich der deutsche Jugendliche zu Wort, der lieber anonym bleiben will. Er erhebt schwere Anschuldigungen gegen die Asylbewerber, die im Grafenwöhrer St.-Michaels-Werk untergebracht sind. Von Morddrohungen, Diebstahl und Schlägen ist die Rede. Der 16-Jährige erzählt, ein Kumpel sei am Jugendheim in Grafenwöhr vorbeigefahren, um nach seiner Clique Ausschau zu halten, die sich dort oft trifft. Stark angetrunkene Asylbewerber hätten den jungen Mann dort angepöbelt. Weil seine Freunde zu der Zeit im Grafenwöhrer McDonalds sitzen, fährt er zu ihnen, erzählt die Geschichte.

Schlag auf die Nase


Die Gruppe macht sich laut dem 16-Jährigen circa eine Stunde nach dem Vorfall auf zum Jugendheim. "Wir chillen dort immer", begründet er die Entscheidung. Die betrunkenen Flüchtlinge sind immer noch dort. Einer wollte einen Kumpel des Grafenwöhrers aus seinem Auto ziehen, erinnert sich der 16-Jährige. Da sei er eingeschritten, habe den Flüchtling weggeschubst und sich von diesem dafür einen Schlag auf die Nase eingefangen. "Ich hatte sofort Nasenbluten", erzählt der Grafenwöhrer. Als er blutete, kniete er sich hin. Der Asylbewerber habe sich auf den 16-Jährigen setzen und auf ihn einschlagen wollen, behauptet er. "Die anderen haben ihn dann weggezogen."

Am nächsten Tag im Krankenhaus habe sich herausgestellt, dass er ein geprelltes Nasenbein hat. Die blauen Flecken seien noch immer zu sehen. "Die Asylbewerber haben uns zusammengeschlagen", schiebt der 16-Jährige die Schuld auf die vier Ausländer. Er und seine vier Freunde hätten die anderen nur weggeschubst, um zu schlichten. Geschlagen hätten sie niemanden. Die Schürfwunden am Arm eines jungen Ausländers erklärt er so: "Ein größerer Asylbewerber ist auf einen Kumpel losgegangen. Er wollte den Ausländer weg schubsen." Der Flüchtling sei dabei hingefallen und habe sich am Arm verletzt.

Die Asylbewerber haben uns zusammengeschlagen.Das sagt der 16-Jährige aus Grafenwöhr, der sich als Opfer einer Schlägerei sieht.

Auch hätte es eine Morddrohung von seiten der Asylbewerber gegeben. "Ich schlitze dir die Kehle auf, ich bring' dich morgen um", diese Sätze sollen gefallen sein. Und der Grafenwöhrer bezichtigt die Gruppe aus dem St-Michaels-Werk auch des Diebstahls: Geld aus dem Geldbeutel eines Kumpels soll geklaut worden sein. Der Schlägerei setzte die Polizei, die eine Freundin des deutschen Jugendlichen gerufen hatte, ein Ende, bevor sie weiter eskalieren konnte. Mit der Polizei habe die Gruppe Deutscher auch schon öfter zu tun gehabt, erzählt der Grafenwöhrer auf Nachfrage. Allerdings immer nur als Zeugen, meint er. Werner Stopfer von der Polizeiinspektion Eschenbach will diese Aussage weder bestätigen noch dementieren.

In dem Fall vom 7. Oktober ermitteln die Beamten wegen vorsätzlicher Körperverletzung, informiert Stopfer - gegen welche Beteiligten, ist noch nicht klar. Er schildert den Fall wegen noch laufender Ermittlungen unter Vorbehalt so: "Eine vierköpfige Gruppe war beim Jugendheim gesessen, dann sind Grafenwöhrer mit dem Auto vorgefahren, und ob das so war mit den Beleidigungen wie dem Stinkefinger müssen wir noch überprüfen. Es muss zum Streitgespräch gekommen sein." Der Grafenwöhrer habe sich das nicht gefallen lassen wollen und sei mit Verstärkung zum Jugendheim zurückgekehrt. "Wer angefangen hat, und was der Grund war, muss laut Stopfer noch ermittelt werden. Fakt sei, dass drei der vier Asylbewerber "erheblich alkoholisiert" waren, einer nur leicht. Bei den Deutschen sei kein Alkohol festgestellt worden.

Vorstand schweigt


Von einer Morddrohung - wie behauptet - wisse Stopfer derzeit nichts, es seien aber noch nicht alle der elf Beteiligten befragt worden. Problem bei dem Fall sei nach Einschätzung des Polizisten auch, dass die mutmaßlichen Opfer nicht mehr sagen könnten, von wem genau sie geschlagen wurden. Klar ist nur, dass ein 16-jähriger Syrer die Gemüter beruhigen wollte, er hatte nichts mit den Handgreiflichkeiten zu tun. Und während die einen reden, schweigt einer beharrlich. Tassilo Heimberg, geschäftsführender Vorstand der Berufsschule St-Michaels-Werk in Grafenwöhr, will sich auch auf mehrfache Nachfrage nicht äußern.

Er wisse nur aus unserer Zeitung von dem Fall, eine offizielle Stelle habe sich noch nicht bei ihm gemeldet, behauptet Heimberg. Einen Jugendlichen, der Schürfwunden am Arm hat, gebe es laut dem Vorstand in seiner Einrichtung nicht. Dass bereits Mitteilungen mit Terminen zur Anhörung bei der Polizei auch an die Asylbewerber verschickt worden sind, bestätigt allerdings Polizeisprecher Stopfer.

Selbst Schuld
Angemerkt von Anne Spitaler

Der Alltag eines Journalisten ist manchmal nicht einfach. Ist man einer Geschichte wie der Schlägerei in Grafenwöhr auf der Spur, fallen die Informationen nicht vom Himmel. Manchmal verlaufen Nachfragen im Sand, weil sich die Beteiligten beim Interview querstellen. Dabei sind sie ein wichtiges Puzzleteil – gerade bei einem so heiklen Thema. Schließlich soll der Artikel informieren, nichts vertuschen, aber auch nicht hetzen. Schwierig ist es dann, wenn wie in dem Fall vom 7. Oktober nur eine Seite gesprächsfreudig ist, die Konsequenzen sind klar: Die andere Seite braucht sich nicht beschweren, wenn sie schlecht dasteht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.