Raubüberfall in Grafenwöhr
Altes Paar verprügelt, Bargeld erbeutet

Eine Zeugin zeigt die Stelle, wo ein Mann seine Kippen entsorgt haben soll. Die Nachbarin hatte zweimal ein unbekanntes Fahrzeug in der Nähe des Hauses Am Weinbühl in Grafenwöhr beobachtet. Bilder: Herda (2)
Vermischtes
Grafenwöhr
12.04.2016
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Pressesprecher Albert Brück informiert am Tatort zum Raubüberfall in Grafenwöhr.

"Schauen's an", zeigt die Nachbarin die Hände, "ich zittere". Der brutale Raubüberfall im Nebenhaus verstört die 67-Jährige und ihren Mann (71) zutiefst. Das 89-jährige Opfer liegt im Krankenhaus, seine 80-jährige Lebensgefährtin steht unter Schock. "Wir machen wieder alles dicht", sagt die ehemalige Drogistin.

Was sich in der Nacht von Montag auf Dienstag zwischen 23.30 Uhr und kurz nach Mitternacht im Haus am Weinbühl abspielte, kann die Polizei bislang nur aus den bruchstückhaften Zeugenaussagen der Opfer und den Spuren vor Ort rekonstruieren. Die Nachbarn bekamen von dem Überfall eines gewalttätigen Trios nichts mit. Der ehemalige Wirt der Rio-Bar, eines früher berüchtigten Nachtlokals, und seine 80-jährige Lebensgefährtin wurden geschlagen und gefesselt. Die Frau erlitt leichtere, der 89-Jährige schwere Verletzungen. Er wird im Krankenhaus stationär behandelt.

"Wir sind wie jede Nacht um 22.30 Uhr ins Bett", sagt die Nachbarin. "Ich schlafe wie eine Tote", ergänzt sie, "ich wache nicht einmal auf, wenn ein Gewitter ist." Ihr Mann sei zwar um halb drei Uhr aufgestanden und habe bemerkt, dass da Polizei vorm Haus steht. "Aber sonst haben wir nichts gehört." Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, fasst die bisherigen Erkenntnisse am Tatort zusammen: "Nach der vagen Beschreibung der geschädigten Frau drangen drei etwa 1,75 Meter große Männer ins Wohnhaus ein, übten massive Gewalt auf den 89-Jährigen aus, durchsuchten es und verließen es vermutlich mit mehreren Tausend Euro Bargeld kurz nach Mitternacht."

Der Beschreibung zufolge hatten die Täter ihre Gesichter mit Sturmhauben verhüllt. Die übrige Kleidung hat keine großen Alleinstellungsmerkmale: Zwei sollen eine Jeans, einer eine Jogginghose getragen haben. "Wir gehen davon aus, dass die massive Gewalt vor allem die Funktion hatte, die Situation für die Täter beherrschbar zu machen", umschreibt Brück das robuste Vorgehen. Dagegen gibt es bisher keine Erkenntnisse, dass man dem alten Herrn mit Gewalt weitere Verstecke von Wertgegenständen entlocken wollte.

Nach etwa einer Stunde verließen die Täter das Haus. Die 80-Jährige konnte sich kurz darauf befreien und die Polizei verständigen. "Die sofort eingeleitete Fahndung mit einem Großaufgebot der Polizei verlief negativ", sagt Brück.

Keine reiche Fassade


Die fleckige, graubraune Fassade der Doppelhaushälfte Am Weinbühl macht nicht den Eindruck großen Reichtums. Würden hier fremde Ganoven auf gut Glück einbrechen? Sicher kein Zufall ist der Name der 20-köpfigen Ermittlungsgruppe: "Rio". Insider können sich einen Zusammenhang mit der früheren Tätigkeit des Gastwirts und Zigarettenautomatenbestückers vorstellen. Stammen die Täter aus dem Milieu des Nachtclubs? Wussten sie, dass der alte Mann größere Mengen Bargeld zu Hause aufbewahrt?

Die beiden Nachbarpaare kennen sich seit über 40 Jahren - wenn auch nicht besonders gut, wie die gelernte Drogistin einräumt. Immerhin erinnert sie sich an ein dramatisches Ereignis: "Bei denen hat mal der Blitz in den Dachstuhl eingeschlagen, die Tochter der Frau, die im ersten Stock gelesen hatte, hatte gar nichts mitbekommen." Ihr Mann habe damals geholfen, schwelende Zigarettenpackungen zu entsorgen. Und auch an die bewegte Zeit der Kneipenstadt Grafenwöhr hat sie einschlägige Erinnerungen: "Vor der Rio-Bar stand schon ab und an ein Polizei-Auto."

In einer Chronik der Stadt ist das Lokal, damals noch an einem anderen Ort, als "berüchtigt" beschrieben - so berüchtigt, dass die Kommunalpolitiker die Ansiedlung einer Polizeiinspektion forderten. "60 Prozent der Delikte ereigneten sich im Landkreis hier in Grafenwöhr" und hätten zu tun "mit Dirnenunwesen, Kuppelei, Spionage und Überfällen". Rund 30 Gastwirtschaften und sieben Nachtlokale mit einer Tanzgenehmigung bis 3 Uhr früh gelte es zu überwachen: Dies "kann nur von einer ortsansässigen Polizei ausgeführt werden".

Kippe am Straßenrand


Eher beiläufig fällt der Nachbarin auf Nachfrage dann noch eine interessante Beobachtung ein: "Ich habe zweimal einen schwarzen Kleinwagen an der Straße gesehen." Normalerweise wüssten die Anwohner, wer hier zu Besuch sei und das Haus hinter den beiden Opfern stünde leer. "Zwei Männer waren im Wagen, einer stieg aus, rauchte eine Zigarette, warf sie auf die Straße, und dann fuhren sie wieder." Ein Aspekt, der die Polizei so stark interessierte, dass die Spurensicherung gleich zusammen mit der Frau nach den Kippen fahndete.

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Im Zusammenhang mit dem brutalen Überfall bittet die Kripo Weiden dringend um Hinweise aus der Bevölkerung. Wem sind im Umfeld des Tatortes in der Nacht von Montag auf Dienstag Personen aufgefallen? Wer kann sonstige sachdienliche Hinweise geben? Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0961/401-291 bei der Kripo Weiden zu melden.

Überfall im Weidener HammerwegDer Fall erinnert von der Vorgehensweise an den Raubüberfall im September 2015 im Weidener Wohngebiet Hammerweg. Damals hatten drei Männer ein Ehepaar (68 und 71) und die 89-jährige Oma überfallen. Die Bewohner waren über mehrere Stunden gequält worden. Die drei tschechischen Tatverdächtigen (33, 39 und 43) konnten im November bzw. im Januar in ihrem Heimatland festgenommen werden. Die Weidener Staatsanwaltschaft beantragte die Überstellung, die dieser Tage erfolgt: Zwei sind schon nach Bayern ausgeliefert worden, der Dritte folgt am Mittwoch, 13. April. Trotz der Parallelen gibt es auch Unterschiede: So könnte im aktuellen Fall Insiderwissen eine Rolle gespielt haben - möglicherweise wussten die Täter, dass das Opfer zu Hause Bargeld aufbewahrt. (ca)
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