Raubüberfall in Grafenwöhr
Ex-"Rio"-Wirt überfallen und misshandelt

Raubüberfall in Grafenwöhr: Die Doppelhaushälfte Am Weinbühl ist der Tatort. Bild: Herda
Vermischtes
Grafenwöhr
13.04.2016
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"Es kommt immer näher her", sagt eine Nachbarin schaudernd. Im Haus nebenan misshandelten drei Täter ein altes Paar und stahlen mehrere Tausend Euro Bargeld. "Mein Mann sagt, er mag die Zeitung schon nicht mehr aufmachen - und jetzt passiert's schon nebenan."

Was in der Nacht von Montag auf Dienstag zwischen 22.30 Uhr und kurz nach Mitternacht genau passiert ist im Haus am Weinbühl, versucht derzeit die 20-köpfige Ermittlungsgruppe "Rio" der Kripo Weiden zu klären. Der Name bezieht sich auf eine ehemalige Nachtbar, die das 89-jährige Opfer lange Zeit betrieb. Ein Hinweis auf einen Zusammenhang? "Noch ist es zu früh für Spekulationen", lehnt Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, jede Interpretation ab.

Frau kann sich befreien


Fest steht: Ein Trio drang in das Haus des Paares ein, fesselte die beiden alten Leute, verprügelte den Mann massiv - und erbeutete bei der etwa einstündigen Suche im Haus einen größeren Geldbetrag. Die nur leicht verletzte Frau habe sich unmittelbar nach dem Abzug des Trios befreien und die Polizei verständigen können.

Während die 80-jährige Lebensgefährtin mit leichten Verletzungen und einem Schock davonkam, muss der ehemalige Rio-Wirt im Krankenhaus stationär behandelt werden. "Von den Tätern liegt leider nur eine sehr vage Beschreibung vor", sagt der Pressesprecher. "Sie sind etwa 1,75 Meter groß, waren mit Sturmhauben vermummt - zwei Männer sollen Jeans, einer eine Jogginghose getragen haben."

Die zuletzt geäußerten Zweifel an der Einsatzstärke der regionalen Polizeikräfte habe in diesem Fall keine Rolle gespielt: "Noch in der Nacht übernahm die Kripo Weiden die Sachbearbeitung", schildert Brück das Vorgehen. "Ein Großaufgebot mit über 20 Streifenwagen führte verschiedene Fahndungsmaßnahmen durch." Bisher erfolglos. Am Dienstagnachmittag sicherte das Fachkommissariat der Kripo Spuren am Tatort, auch ein Diensthund war im Einsatz.

"Wir erwarten außerdem einen 3D-Scanner vom Landeskriminalamt München, um die Situation im Anwesen so gut wie möglich zu konservieren", erklärt Brück. Ein Standard bei Delikten, bei denen mit derartig massiver Gewalt vorgegangen worden sei. "Bei der Jägerin, die ihren Ehemann tötete, ist der auch schon vor Ort gewesen", sagt der Sprecher.

Vor dem Überfall habe es keine erkennbare Häufung von Einbrüchen in der Region gegeben. "Die Deliktsqualität war massiv", betont Brück die außergewöhnliche Brutalität des Vorgehens - untypisch etwa für Drogendelikte, bei denen die Täter meist den leichtesten Weg wählten und wenn möglich unerkannt verschwänden. "Dass drei Täter ins Objekt eindringen und die Bewohner massiv attackieren, ist glücklicherweise selten." Vergleichbar sei der Fall in der Weidener Hammerwegsiedlung - die Täter seien bereits verhaftet.

Die drei tschechischen Tatverdächtigen (33, 39 und 43) konnten im November und im Januar in ihrem Heimatland festgenommen werden. Die Weidener Staatsanwaltschaft beantragte die Überstellung, die dieser Tage erfolgt: Zwei wurden schon nach Bayern ausgeliefert, der Dritte folgt am heutigen Mittwoch, 13. April.
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