Seeadler beringt
Daniel Schmidt-Rothmund ist begeistert von "AW21"

Erkennungsdienstliche Behandlung: Dr. Daniel Schmidt-Rothmund legt dem Adler den Ring ans Bein, Fredericke Schmidt hielt ihm dabei. Bilder: mor (4)
Vermischtes
Grafenwöhr
03.06.2016
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Keine Gewichtsprobleme: Mit 3920 Gramm steht der Jungvogel nach sieben Wochen bestens im Futter.

"Total proper": Dr. Daniel Schmidt-Rothmund ist begeistert von "AW 21". Dieses Kennzeichen am Fußring trägt der junge Seeadler, den der Vogelexperte am Donnerstag im Truppenübungsplatz beringte. 3950 Gramm bringt das Tier nach sieben Wochen auf die Waage, Schmidt-Rothmund freut's.

Grafenwöhr. Um 5 Uhr hatten Hubert Anton, der Funktionsbereichsleiter Naturschutz beim Bundesforst, und Stefan Härtl, Naturschutzbeauftragter bei der Umweltabteilung der US-Armee, das Seitentor zum Sperrgebiet geöffnet, bis 9 Uhr haben sie Zeit, dann ist die schießfreie Instandsetzungszeit vorbei. Vier Stunden bleiben dem Biologen Dr. Daniel Schmidt-Rothmund, um den Jungadler zu beringen. Der Experte vom NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen hat Fredericke Schmidt mitgebracht. Die junge Stuttgarterin absolviert ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst im Vogelschutzzentrum, später möchte sie Tierärztin werden.

Für Stefan Härtl ist das diesjährige Einzelkind der elfte junge Seeadler, den er seit 2010 beringt, dazu kommen 14 Fischadlerküken. Härtl und die Bundesförster haben die Adler auf dem Platz ständig im Blick. Deshalb weiß er, dass bei einem weiteren Seeadlerhorst die Brut erfolglos war, vermutlich haben Kolkraben das Nest geplündert. Härtl weiß auch, dass die "Filmstars vom Obersee in Eschenbach erst auf einem Horst im Übungsplatz ihr Glück versuchten. Erst danach ließen sie sich auf dem Nistplatz am Oberseedamm nieder, von wo aus eine Webcam ihr Leben in die ganze Welt überträgt.

Dr. Daniel Schmidt-Rothmund ist seit 30 Jahren in Sachen Adler unterwegs und noch immer begeistern ihn die Tiere. "Die Adler gehören zu uns, das sollen die Leute wissen." Deshalb freut er sich über die Situation Grafenwöhr. Rothemund lobt die Aktivitäten der US-Armee, Stefan Härtl, den Bundesforst wie auch Martin Gottsche, der für die Kamera am Obersee verantwortlich ist. Grafenwöhr sei die Keimzelle der Seeadlerausbreitung in Süddeutschland. Beringte Adler aus Grafenwöhr seien schon am Brombachsee und sogar in Belgien aufgetaucht. Allerdings brauchen die Vögel Ruhe. Diese sei auf dem Übungsplatz trotz des militärischen Betriebs gewährleistet. Die Standorte bleiben Verschlusssache, US-Umweltabteilung und Bundesforst teilen sich auch die Kosten für die Beringung.

Die Beringer arbeiten schnell und vorsichtig. Zunächst aber muss sich der geübte Baumkletterer fast 30 Meter zur Spitze der zweigeteilten Föhre hocharbeiten. Widerstandslos lässt sich der gackernde Jungvogel aus dem Nest nehmen, im Transportsack schwebt er nach unten.

Die Waage zeigt 3950 Gramm, damit ist das Tier schwerer als ein ausgewachsener Hahn. Als nächstes vermessen die Experten Stoßfedern- und Flügellänge sowie den Schnabel. Bis 2,40 Meter kann die Spannweite bei einem ausgewachsenen Tier erreichen, damit ist der Seeadler der größte Vogel Mitteleuropas.

Beim Grafenwöhrer Jungvogel ist der Kückenflaum schon auf dem Rückzug, die Hauptfedern setzen sich durch. Die Bürzeldrüse zum späteren Fetten der Federn arbeitet gut. Die Pupillen sind noch etwas trüb, bis zum scharfen Adlerauge dauert es noch. Je ein goldener und schwarzer Nummernring markieren die Greife des Jungvogels. Farben und die Kennzeichnung "AW 21" sind künftig der Pass, der mit einem guten Spektiv auch aus großer Distanz abgelesen werden kann.

Der Jungvogel macht während der gesamten Prozedur einen entspannten Eindruck. Nach 45 Minuten geht's per Luftpost wieder nach oben. Danach heißt es sich schnell entfernen, von Weitem wird der Horst mit Fernglas beobachtet, damit die Eltern ihren Filius wieder in Obhut nehmen können.

Total properDr. Daniel Schmidt-Rothmunds Expertenkommentar zur Entwicklung des Jungadlers
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