Segensreiche Einrichtung
Betreuen statt beschallen

Robert Heldmann (links) bei einer gemütlichen Runde in der "Arche" kurz nach dem Mittagessen. Hinten die Betreuungskräfte Agnieszka Gleissner (links) und Susanne Zänkert (rechts). Bild: dö
Vermischtes
Grafenwöhr
17.06.2016
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Leiterin Johanna Schüller hat alle Hände voll zu tun, damit die Pflegetermine eingehalten werden können. Bild: dö

Die Sozialstation Grafenwöhr ist seit fast 40 Jahren Segen für die Region. Erst recht der 2014 eröffnete Ableger "Arche". Diese Einrichtung wissen vor allem Pflegende zu schätzen, die dort ihre Schützlinge stunden- oder tageweise abgeben können und bestens betreut wissen.

Initiator und Mittelpunkt dieser Seniorenbetreuung ist Robert Heldmann, der sich dazu zur gerontopsychiatrischen Pflegekraft ausbilden ließ. Er übt seine Tätigkeit mit viel Herzblut aus. "Ich bin mit der Caritas verheiratet", sagt er scherzhaft über seine Berufseinstellung. Eigentlich ist der Umgang mit älteren und kranken Menschen für ihn nicht Beruf, sondern Berufung. "Unsere Patienten sind zwischen 58 und 96 Jahre alt, sind altersschwach, dement, alleinstehend, haben gesundheitliche oder psychische Krisen hinter sich", beschreibt er seine Besucher.

Entlastung für Pflegende


Diese Betreuung soll in erster Linie eine Entlastung für pflegende Angehörige sein, damit diese wieder mehr Zeit für sich haben. Sie bietet somit auch eine Alternative zum Umzug in ein Pflegeheim. In den Räumen der Caritas Sozialstation, Am Alten Weg 3 (beim katholischen Kindergarten), ist stundenweise Betreuung möglich. "Wir bieten eine sinnvolle Beschäftigung und wollen die Besucher betreuen und nicht beschallen. Ganz wichtig ist uns auch die Wertschätzung durch kurze oder längere Unterhaltungen. Gesprächsthemen, Spiele und biografische Arbeiten gehören zu der täglichen Beschäftigung", gibt Heldmann Einblick in seine Aufgaben. Er und seine Vertreterin Anja Brüderer sind stolz darauf, dass die "Arche" wie eine Alters-WG in gemütlicher Atmosphäre funktioniert.

Das Ganze ist natürlich nicht kostenlos. Aber die 8 Euro für eine Stunde, höchstens 64 Euro täglich, ist die Betreuung wert. Denn dieser Preis beinhaltet Mittagessen, Kaffee am Nachmittag sowie das Abholen und den Heimtransport. Geöffnet ist die Arche am Montag und Freitag von 13 bis 17 Uhr, dienstags, mittwochs und donnerstags von 8 bis 17 Uhr. Wer sich informieren will, kann dies unter Telefon 09641/91126 tun.

Das Einzugsgebiet reicht von Grafenwöhr über Kaltenbrunn, Weiherhammer, Mantel bis Pressath, Vorbach, Schlammersdorf und Kirchenthumbach. Besucher aus diesem Gebiet werden transportiert, die Türe steht aber auch für Menschen von außerhalb offen. Nur müssen diese gebracht und abgeholt werden. Um die Transporte weiter garantieren zu können, ist der ehrenamtliche Geschäftsführer Reinhold Gietl auf der Suche nach Sponsoren. "Wir brauchen ein Fahrzeug mit besseren Zustiegsmöglichkeiten."

Die Räume in der Sozialstation sind liebevoll und großzügig gestaltet mit vielen Rückzugsmöglichkeiten für die Besucher bis zu einem Schlafraum. Im großen Aufenthaltsraum ist auch eine Küche integriert, wobei auch Mithilfe beim Kochen gefördert wird. "Die Leute sollen sich hier nicht abgeschoben fühlen. Sie wissen, sie dürfen wieder nach Hause", benennt Heldmann den psychologischen Vorteil gegenüber einem Heim.

2,81 Euro für Gesichtspflege


Die Caritas Sozialstation Grafenwöhr hat sich seit ihrer Gründung am 1. Juli 1977 zu einem mittleren Unternehmen entwickelt, das aber ehrenamtlich verwaltet wird. 48 Angestellte, davon 4 ganztags, halten den Betrieb aufrecht. Die vielen Teilzeitkräfte sind auch nötig, um die elf Touren zu den Patienten von morgens bis spät abends bewältigen zu können. Dass dabei kaum Zeit für Gespräche bleibt, zeigt die Abrechnung nach Sätzen der Pflegekasse. So gibt es nur 2,81 Euro fürs Rasieren mit einschließlicher Gesichtspflege oder die Nagelpflege und das Schneiden der Fußnägel. "Wir müssen haarscharf kalkulieren", beklagt Leiterin Johanna Schüller die engen finanziellen Möglichkeiten.

Sie freut sich deshalb über jede Spende. So konnte sie das von den verstorbenen Patienten Benno Bertelshofer und Max Hammer eingegangene Geld anstelle der Blumen zur Anschaffung einer Markise nutzen.
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