Spiegel-Autor Christoph Reuter deckt Strategien der Terrorbewegung auf
„Ingenieure des Terrors“

"Er verwandelt sich in einen Krieg, der viele Länder mit reinzieht." Zitat: Autor Christoph Reuter
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Grafenwöhr
07.10.2016
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Buchhändler Eckhard Bodner hat schon viele Lesungen organisiert, aber so etwas hat er noch nicht erlebt: Die Plätze reichten nicht und die Fragen an den Spiegel-Autor Christoph Reuter wollen nicht abreißen. Der Kampf gegen den Islamischen Staat (IS), die Motive der Terrorbewegung und deren Zukunft fesselt die rund 85 Besucher.

Vorkenntnisse in Sachen IS brauchten die Zuhörer für die Lesung nicht. Ihre Fragen an Reuter aber klingen, als ob sie sich sehr genau mit diesem stets präsenten Thema auseinandersetzten. Die Flüchtlingsproblematik und mögliche Anschläge in Deutschland spricht niemand an, interessanter ist der Syriens-Krieg und dessen Ursachen. "War das damals nicht Idiotie, weil man wusste, dass man auch gegen Russland kämpfen muss, wenn man gegen Assad kämpft?", war eine der Fragen. Es sei doch klar, dass man da als Rebell nur verlieren könne. Der Journalist sieht das nicht als klare Sache an, sondern als eine Entwicklung, die niemand hatte vorhersehen können.

Welche Absichten Russland verfolgt, beschäftigt die Gäste und Reuter gleichermaßen. "Wahrscheinlich wissen sie es selbst nicht", ist aus den Stuhlreihen zu hören. Sicher ist nach Ansicht Reuters aber, dass das Land die Welt als Sieger an seiner Seite haben will. "Welche Strategie es dabei verfolgt, ist aber nicht zu erkennen."

Doch wer glaubt, bereits alles über die Terrororganisation zu wissen, den belehrt der Journalist eines besseren. Es herrscht Schweigen, als er berichtet, dass an der IS-Spitze weder Ideologen noch religiöse Fanatiker stehen. "Das sind alles kluge und präzise Planer - Ingenieure des Terrors", stellt der Autor richtig. "Das habe ich nicht gewusst", gibt ein Herr kopfschüttelnd zu. So geht es auch der syrischen Bevölkerung, dem Westen und den IS-Anhängern.

Warum die ultrareligiöse Bewegung im Nahen Osten wütet, ist für die Gäste nachvollziehbar. "Aber warum terrorisieren die Anhänger auch außerhalb Syriens?" Im Kern sei es die Forderung danach, in Ruhe gelassen zu werden. "Den Anschlag in Frankreich hat es gegeben, weil dieses Land weit vorne gegen die Terrororganisation mitkämpft", erklärt Reuter.

Ob der Journalist ein Ende des Kampfs gegen den Islamischen Staat sieht? "Nein. Er verwandelt sich in einen Krieg, der viele Länder mit reinzieht." Momentan verliert die Terrororganisation zwar eroberte Gebiete, aber nicht den Nährboden. Verlorene Territorien könnte sich der IS irgendwann zurückholen. Bis dahin macht er, was er am besten kann: überstehen, planen und täuschen.

Welche Rolle spielt die Nato? Ist der IS in Zentralasien aktiv? Und gibt es Ansatzpunkte für eine Konfliktlösung? Fragen über Fragen, die auf den Journalisten einprasselten. "Ich glaube, bisher habe ich noch keinen Redner hier gehabt, der das Publikum so in den Bann geschlagen hat", betont Bodner. Hört man ihm zu, weiß man auch, warum: Seine Antworten sind durchdacht und erläutern Hintergründe, die man braucht, um das komplexe Thema Islamischer Staat zu verstehen. Aber Reuter kennt sich aus - egal ob in Syrien, Irak oder Afghanistan. Und vielleicht hängen gerade deshalb die Zuhörer an seinen Lippen: Er hat den Terror selbst erlebt.

Er verwandelt sich in einen Krieg, der viele Länder mit reinzieht.Autor Christoph Reuter


Weitere VorträgeFolgende Termine setzen die Vortragsreihe der Volkshochschule Eschenbach, des Kulturkreises Pressath und der Buchandlung Eckhard Bodner fort:

"Die Flüchtlingsrevolution" am Dienstag, 15. November, um 19.30 Uhr im Pfarrsaal Pressath.

"Afghanistan. München. Ich. Meine Flucht in ein besseres Leben" am Freitag, 2. Dezember, um 19.30 Uhr in der Aula der Wirtschaftschule Eschenbach.

"Verzerrte Sichtweisen. Syrer bei uns" am Freitag, 13. Januar, um 19.30 Uhr im katholischen Pfarrheim Kirchenthumbach.
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