Stadtpfarrer Müller zieht beim Jahresabschlussgottesdienst Bilanz
Bilanz: 29 Kirchenaustritte

Wir fühlen uns ihnen gegenüber ohnmächtig. Dennoch schreiben wir sie nicht ab.
Vermischtes
Grafenwöhr
02.01.2016
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Beim letzten Gottesdienst des alten Jahres betont Stadtpfarrer Bernhard Müller die Liebe zu Gott, führt jedoch auch harte Fakten auf. Es gibt viel Nachwuchs bei den Ministranten. Doch den Priester beschäftigt auch jeder einzelne, der aus der Kirche austritt.

Mit einer Bestandsaufnahme aus der Pfarrei für das Jahr 2015 ließ Müller am Silvesterabend beim Jahresschlussgottesdienst in der Friedenskirche aufhorchen. 29 Mitglieder der Pfarrgemeinde hätten sich entschieden, aus der katholischen Kirche auszutreten. Jeder Austritt habe ihn "sehr geschmerzt", gibt Müller zu. "Wir fühlen uns ihnen gegenüber ohnmächtig. Dennoch schreiben wir sie nicht ab, bringen sie und ihr Leben im Gebet vor Gott." Drei Personen seien in die Pfarrgemeinde aufgenommen worden. 39 Täuflinge aus Grafenwöhr, Gößenreuth, Gmünd und Hütten seien in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen worden, 37 Kinder wären zur Erstkommunion angetreten. Zur großen Freude hätten sich gleich 17 davon für den Ministrantendienst bereit erklärt.

Glaube nachhaltig leben


63 Schülern habe Weihbischof Reinhard Pappenberger das Sakrament der Firmung gespendet. Für junge Menschen sei es heute nicht leicht, den Glauben nachhaltig zu leben, betonte der Stadtpfarrer. Fünf Paare hätten sich vor Gott die Treue versprochen. Ehe, so umschrieb Müller, sei das Abbild der Liebe Gottes zu seiner Kirche. Insgesamt 63 Menschen starben "und haben Gott schauen dürfen, wie er ist".

Viele würden der Kirche keine guten Prognosen ausstellen, stellte der Priester fest. Dennoch dürften die Pfarreimitglieder mutig und vertrauensvoll ins neue Jahr gehen. "Wir Christen in Grafenwöhr leben aus der Kraft, die uns geschenkt ist, weil Gott unsere Kirche niemals im Stich lässt." Sehr vertrauensvoll zeigte sich Müller: "Im Wissen, dass Gott unseren Weg mit uns gehen wird, dürfen wir das Jahr 2016 mit Freude begrüßen."

In der Atmosphäre des imposanten Weihnachtsbaumes im Altarraum war seine Botschaft an die Gläubigen geprägt von Dankbarkeit und Zuversicht. Er zitierte den belgischen Ordenspriester und Telefonseelsorger Phil Bosmans (1922-2012): "Ich fühle mich geliebt bis in meine Zehenspitzen." Gott sei kein Bilanzbuchhalter, der auf- oder abrechne, vielmehr sei er der liebende und barmherzige Vater und väterlicher Freund, meinte Müller. "Jeden Augenblick dürfen wir mit seiner Liebe rechnen."
Wir fühlen uns ihnen gegenüber ohnmächtig. Dennoch schreiben wir sie nicht ab.Pfarrer Bernhard Müller über die Ausgetretenen
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1 Kommentar
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Joachim Datko aus Regensburg | 02.01.2016 | 09:13  
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