Stadträte stimmen für Entwurf
Abenteuerplatz vor der Schultür

"Die Pausenhof-Funktion der Schulen hat sich gewandelt. Heute gehört der Schulhof zum Lern- und Lebensraum der Schule." Zitat: Landschaftsarchitektin Susanne Ullmann
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Grafenwöhr
18.11.2016
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Die Schule als Baustelle steht weiterhin im Fokus der Grafenwöhrer Stadtpolitik. Kaum ist nach siebenjähriger Bauzeit die Sanierung der Grund- und Mittelschule abgeschlossen, wartet mit der Umgestaltung des Pausenhofs das nächste Projekt auf Verwirklichung. Nun gibt es erste Entwürfe.

Nach dem finanziellen Kraftakt zur Sanierung der "neuen" Grund- und Mittelschule lauschten Bürgermeister und Stadtrat am Donnerstagabend den Ausführungen von Landschaftsarchitektin Susanne Ullmann. Als Vertreterin des Architekturbüros Wolfgang Schultes präsentierte sie ihre Ideen für einen "Lern- und Erlebnisraum" zwischen Schule und Pfarrkirche.

Viele Jahre lag dem langjährigen Rektor Gerhard Götzl die Umgestaltung des öden Vorplatzes der Schule mit seinen asphaltierten Flächen am Herzen. "Ein Schulhof ist nach heutiger Sichtweise nicht nur ein Aufenthaltsraum für die Zeit der Pausen. Er soll sich stattdessen als Lern- und Lebensraum darstellen und den Schülern und Lehrern in vielfältiger Weise dienen", so die Überzeugung des ehemaligen Leiters. Dieser Auffassung schlossen sich die Räte trotz einer zu befürchtenden Kostenflut an.

Dem Planungsauftrag vom April folgten laut Ingenieur Michael Wagner Exkursionen nach Dietenhofen und Gunzenhausen, Ideensammlungen und zahlreiche Abstimmungen mit Stadt, Schulleitung und den Förderstellen. Als weitere Informationsquelle diente der Besuch der Gala-Bau in Nürnberg. In der Folge stellte die Landschaftsarchitektin ein Konzept vor, das neue Erkenntnisse der Schulhofgestaltung berücksichtigt und in der Konsequenz nur noch bedingt Parkmöglichkeiten vorsieht. Der künftigen Primärnutzung als Lern- und Lebensraum stellte die Planerin die reduzierte Fläche eines Multifunktionsplatzes gegenüber. Dort, zwischen der Dreifaltigkeitskirche, dem altem Schulhaus und der Sporthalle soll mit einer temporären Nutzung außerhalb der Schulzeiten wie schon bisher das Parken zum Beispiel bei Kirch- und Stadthallenbesuchen möglich bleiben. Das Stellplatzangebot verringert sich allerdings von 68 auf 48 Parkplätze. Eine Neugestaltung gibt es für den Verkehrsübungsplatz. Der soll zu einem Farbenspiel werden, betonte Michael Wagner. Mit Blick auf die Materialauswahl warb Ullmann für eine kindgerechte Nutzung. So sollen überwiegend Schotter-, Grün- und Pflasterflächen das Bild bestimmen.

Den Schwerpunkt des Pausenhofs bestimmen nach den Vorstellungen der Landschaftsarchitektin Spiel, Sport, Lernen und Rückzug. Entstehen sollen Natursteinanordnungen, lauschige Sitzecken, Unterstände, ein Abenteuerhügel und ein Amphitheater, geeignet auch als Klassenzimmer in der Natur. Gestaltungsideen der Schüler sind willkommen. "Raum zu künstlerischer Verwirklichung gibt es genug", betonte Ullmann. Auch die Bewirtschaftung eines Schulgartens sehe das Konzept vor. "Die Planung vereinigt die verschiedensten Interessenbereiche, in denen sich die Kinder selber beschäftigen können", erklärte Ullmann.

Über die Kosten wusste Wagner "nix Genaues". Auf Nachfrage schätzte er dann doch die Kosten auf circa 450 000 Euro, vorbehaltlich einer Feinplanung, wie er sagte. Mit Interesse verfolgten im Zuhörerraum Schulleiter Thomas Schmidt, Konrektorin Ruth Seitz und Ex-Schulleiter Gerhard Götzl die folgende Diskussion. Thomas Schopf gab zu: "Ich komme aus einer Zeit, wo es so etwas nicht gab. Deshalb hatte ich anfangs meine Probleme mit dem Projekt." Gleichzeitig warnte er vor einem Zubauen der Rettungswege und empfahl eine genaue Prüfung.

Gerald Morgenstern sprach von einer gelungenen Planung, während Klaus Schmitsdorf Flüsterflächen und Rückzugsgebiete für die Schüler vermisste. Hingegen erklärte Wagner: "Abenteuerbereiche gibt's genug". Thomas Weiß meinte: "Die Kinder werden sich in der tollen Planung wiederfinden." Der SPD-Fraktionssprecher begrüßte die Reduzierung der Parkflächen: "Die Gottesdienstbesucher werden weniger." Dieser Meinung war auch Udo Greim. "Die Dominanz des Parkplatzes wird in den Hintergrund treten", erklärte er und urteilte: "Wir bringen mit dieser Planung alles auf die Reihe."

Besorgt äußerte sich Anita Stauber über die Reduzierung der Parkplätze. Besonders bei Beerdigungen befürchtet sie ein Park-Chaos. Während des Schulbetriebes sei der Parkplatz eh gesperrt, betonte dagegen Bürgermeister Edgar Knobloch und Thomas Mayer bekräftigte: "Rund um die Dreifaltigkeitskirche besteht ein meist nicht genutztes Stellplatzangebot". Auf Robert Kennedy berief sich Knobloch: "Räume deinen Kindern nicht alle Steine aus dem Weg, sonst rennen sie einmal mit dem Kopf gegen eine Mauer." Aufgrund dieser Lebensweisheit empfahl der Bürgermeister, mit einem Konzept des Förderns und Forderns die nachwachsende Generation mit dem Lebensernst zu konfrontieren. Als nächste Schritte stehen Verhandlungen mit den Förderstellen an. Gegen den Planungsentwurf stimmten die beiden Stadträte der Linken.

Die Pausenhof-Funktion der Schulen hat sich gewandelt. Heute gehört der Schulhof zum Lern- und Lebensraum der Schule.Landschaftsarchitektin Susanne Ullmann
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