US Armee meldet Bankdatendiebstahl - Polizei weiß von nichts
Betrug ohne Betrogene

An diesem Automaten soll es zum Datendiebstahl gekommen sein. Genaueres kann die Polizei bislang nicht sagen. Bild: rgr
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Grafenwöhr
18.11.2016
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Eine Meldung der US-Garnison sorgt für Aufsehen: Betrüger haben an einem Bankautomaten Geldkarten ausgelesen, Zehntausende Dollar sollen fehlen, 800 Bankkunden betroffen sein. Bei der Polizei liegt aber nichts vor.

Ein Tag Ermittlung liegt hinter Werner Stopfer. Der stellvertretende Leiter der Eschenbacher Inspektion hat mehrfach mit der US-Militärpolizei, anderen US-Stellen und verschiedenen Banken gesprochen. Und doch: "Wir können Skimming-Fälle nicht ausschließen, wir können aber auch nicht mit Sicherheit sagen, dass es wenigstens einen solchen Fall gegeben hat."

Auf Konten in Afrika


Die Meldung auf der Internetseite der US-Garnison Bavaria klingt konkreter. Von massenweise Skimming-Fällen - dem Ausspähen fremder Bankdaten - ist dort die Rede. Demnach waren die Betrüger am Samstagabend, 22. Oktober, an zwei Geldautomaten nahe Tor 1 aktiv. "Die Automaten befanden sich direkt auf der Straße, waren nicht oder nur schlecht mit Kameras überwacht und gehören zu keiner größeren Bank", hatte der Manager der Amerikanischen Bank Service Credit Union (SCU), Aaron Force, bei einer Führungskräftebesprechung im Lager erklärt. Ab 23. Oktober seien größere Summen auf Konten in Afrika abgeflossen, unter anderem nach Nairobi in Kenia. Sowohl die US-Militärpolizei als auch die deutsche Polizei sei eingeschaltet, heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Anruf bei der Eschenbacher Inspektion beweist das Gegenteil. Dort weiß am Donnerstagmorgen niemand von dem Fall, auch eine Rückfrage bei der Kriminalpolizei in Weiden hilft nicht.

Für fast alle neu


Der Sachverhalt ist Bürgermeister Edgar Knobloch neu, genau wie bei den Banken der Stadt. Auch der Betreiber des einzig zur Beschreibung passenden Automaten weiß nichts, hat Stopfer von einem Vertreter der US-Firma mit Sitz in Berlin erfahren. Die Pressestelle der Garnison bestätigt am Mittwochnachmittag zumindest, dass es die SCU-Meldung bei der Führungskräftebesprechung gegeben hat. Zur Zahl der Betroffenen oder der Schadenssumme könne sie keine Angaben machen, erklärt Pressesprecherin Susanne Bartsch. Eine junge Kollegin habe die Meldung etwas voreilig veröffentlicht.

Das sieht auch Stopfer so. Bis Freitagmittag hat er herausgefunden, dass der US-Militärpolizei kein Fall vorliegt. Weder ein Kunde noch eine Bank hat einen Betrugsfall angezeigt. Bankmanager Aaron Force ist weder am Donnerstag noch am Freitag erreichbar. Bei einer Überprüfung des vor allem von Amerikanern genutzten Automaten konnte am Karteneinschub tatsächlich eine Verschmutzung festgestellt werden, bei der es sich um Kleberrückstände handeln könnte. Auf solche Spuren weist auch die Meldung der Garnison Bavaria hin. "Ob dort tatsächlich ein Kartenlesegerät angebracht war, kann man aber nicht mit Sicherheit sagen", sagt Stopfer.

Was tun am Automaten?Werner Stopfer rät grundsätzlich, regelmäßig seine Kontoauszüge zu kontrollieren, besonders wenn man regelmäßig Geld aus Automaten zieht oder Kontodaten im Internet angibt. Wer zuletzt Geld am Automaten in der Alten Amberger Straße gezogen hat, sollte ein besonderes Auge auf sein Konto haben. Im Zweifel rät Stopfer, schnell Kontakt mit seiner Bank und der Polizei aufzunehmen.

Die Raiffeisenbank Grafenwöhr-Kirchenthumbach hat keine Erfahrung mit Datendiebstahl am Bankautomaten und ist auch diesmal nicht betroffen, berichtet Bank-Vorstand Herbert Meier. Das könnte daran liegen, dass die Grafenwöhrer Bank alle ihre Automaten mit Videokameras überwacht. Das sei zwar keine 100-prozentige Absicherung , "aber die Täter wollen ihr Risiko minimieren", sagt Meier. Deshalb seien Automaten ohne Überwachung sicher gefährdeter.

Meier rät, am Automaten immer wachsam zu sein. "Um die Daten auszulesen, muss am Karteneinschub ein eigener Leser installiert werden", erklärt Meier. Diese Geräte sind meister klein. "Aber wer genau hinschaut, erkennt in der Regel, dass das Teil dort nicht hingehört."

Wen es dennoch erwischt, der sollte sich schnell an seine Hausbank wenden. "Wir haben eine Versicherung, die im Normalfall den Schaden übernimmt", erklärt Meier. Um eventuelle Forderungen an den Betreiber des Geldautomaten muss sich dann die Bank oder deren Versicherung kümmern. (wüw)
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