Verena Bauer zeichnet Kinderbuch
Was, wenn die Sonne runterfällt?

Mops Bubi leistet Verena Bauer beim Zeichnen auf dem Tablet Gesellschaft. Der kleine Hund durfte für das Kinderbuch der Grafenwöhrerin auch schon Modell stehen. Bild: spi
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Grafenwöhr
02.09.2016
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Der kleine Finsterbald versteckt sich immer im Dunkeln, weil er die Sonne nicht mag. Bild: hfz

Das Leben vom kleinen Finsterbald ist einsam und duster. Der Bub in Verena Bauers Geschichte mag die Sonne nicht und ist deshalb Außenseiter. Die Studentin aus Grafenwöhr gestaltet als Bachelorarbeit ein Kinderbuch. Dafür spannt sie ihre ganze Familie ein.

Auf dem Tisch verstreut liegen mehrere Blätter. Die einen sind hellgelb wie Löschpapier für Füllertinte, die anderen schneeweiß. Manche fühlen sich dicker, manche dünner an. Auf den Ausdrucken ist aber immer wieder das gleiche Motiv: Ein kleiner Junge, der sich im dunklen Wohnzimmer verkrochen hat. Durch die runtergezogenen Jalousien schafft es nicht ein einziger Lichtstrahl. Nur das Feuer im Ofen flackert. Mal versinkt das Gesicht des Kindes auf dem Papier fast im Schatten - wirkt fast bleich, mal glänzt es kräftig. Bauer hat ihre Illustration gleich mehrmals ausdrucken lassen. Das richtige Papier für ihre Zeichnungen zu finden, ist schwieriger als gedacht - genauso wie der restliche Weg zum fertigen Buch.

Seit rund acht Monaten arbeitet die Grafenwöhrerin, die an der Technischen Hochschule Nürnberg das Fach Design studiert, an ihrer Bachelorarbeit. 25 Illustrationen hat sie sich vorgenommen. 17 sind schon geschafft. Die zeichnet sie in einem Programm auf ihrem riesigen Tablet. "Seit ich Semesterferien habe, arbeite ich jeden Tag daran. Manchmal 3 bis 4 Stunden und manchmal 8, aber mit Pausen", erzählt sie. Dass das Kinderbuch zum Thema "Was passiert, wenn die Sonne runterfällt?" so ein großer Aufwand wird, hat sie nicht vermutet. "Es ist viel Arbeit. Ich dachte, ich male ein paar Bilder, aber dass man so viel über Konzepte nachdenken muss ...", gesteht die 24-Jährige.

Die Illustrationen müssen zum Text passen, sollen aber auch allein die Geschichte erzählen können. Das Layout muss genauso stimmen, wie die Farben, die Figuren, die Perspektiven. Die Geschichte soll kindgerecht sein und unterhalten, spannend sein und die jungen Leser weder unter- noch überfordern. Viele Aufgaben für die Studentin.

Oma und Freund als Modell


Die Geschichte hat Verena Bauer sozusagen von hinten aufgerollt. "Ich hatte immer das letzte Bild im Kopf", berichtet sie. Um dieses hat sie die restlichen Illustrationen gestrickt. Damit Gesichtsausdruck und Bewegungen der Figuren auf dem Bildschirm und später auf Papier echt aussehen, müssen schon mal die Oma oder der Freund als Modell herhalten. "Dann frage ich ihn, ob er so tun kann, als würde er eine Sonne finden", erzählt sie. Über die Vorstellung, wie ihr Freund sich von einer imaginären Sonne in seiner Hand wegdreht, weil das Licht ihn blendet, muss die Studentin lauthals lachen.

Schnell knipst sie davon dann ein Foto, um es später beim Zeichnen als Vorlage zu nutzen. Ihre Oma hat die Grafenwöhrerin auch schon eingespannt und von oben aus dem Fenster fotografiert. Sie sollte etwas mit einem Bleistift an die Hauswand kritzeln - oder zumindest so tun. Bauer kramt aus dem Stapel ein Bild heraus, auf dem ein Junge an eine Mauer das Wort "Nacht" schreibt. Das ist aus dem Foto von der Oma entstanden. Freund und Mutter fragt die 24-Jährige immer wieder um Rat. Soll der Strich blau werden, oder doch lieber gelb? Eine halbe Stunde klickt Verena Bauer oft zwischen den beiden Varianten hin und her, bis sie sich entschieden hat. "Meine Mama sagt oft, dass sowieso niemand die zweite Möglichkeit kennt." Aber die Grafenwöhrerin ist einfach eine Perfektionistin.

Exemplare für Verlag


Das Schwierigste war allerdings das Schreiben. "Beim Text habe ich überlegt, ob ich mir das zutraue." Gereimt hat die 24-Jährige immer schon gerne, hauptsächlich für Geburtstage. Das Buch über den Finsterbald wollte sie deshalb auch in Reimform verfassen. Hilfe holte sie sich dafür im Internet bei einer Reimmaschine. "Ich habe geschaut, was sich zum Beispiel auf ,Nacht' reimt - nämlich ,acht' - und versucht, den Text, den ich mir ausgedacht habe, auf ,acht' enden zu lassen." Weil die Sätze gut klingen sollen, hat sich die Studentin den Text oft laut vorgelesen. Irgendwann stimmte der Lese-Rhythmus.

Das Kinderbuch soll im Januar 2017 fertig sein. Erst einmal will Bauer fünf Exemplare drucken lassen, eins für die Uni, eins für sich und den Rest für Verlage, denen sie ihre Geschichte über den Finsterbald anbieten will. Ob es ein Happy End für den einsamen Bub gibt, will die Grafenwöhrerin noch nicht verraten.
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