Wolf auf Truppenübungsplatz Grafenwöhr fotografiert
Kamera zur Wildtierbeobachtung liefert Beweis

(Foto: Bundesforstbetrieb Grafenwöhr)
Vermischtes
Grafenwöhr
23.09.2016
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Bereits Anfang September entstand auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ein Foto von einem Wolf. Das Bild wurde bei der routinemäßigen Kontrolle automatischer Kameras zur Wildtierbeobachtung entdeckt und dem Landesamt für Umwelt durch den Bundesforstbetrieb Grafenwöhr zur Auswertung übermittelt.

Wie das Landesamt heute mitteilt, weist das Tier wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf, die es eindeutig von einem Hund unterscheiden. Es ist der erste Nachweis eines Wolfs auf dem Truppenübungsplatz.

Bereits in den vergangenen Monaten gab es Hinweise aus der Region, die nach den Kriterien des standardisierten Monitorings jedoch als nicht bestätigte Hinweise zu werten waren. Ob es sich um dasselbe Tier handelt, das im April im nordöstlichen Landkreis Nürnberger Land nachgewiesen wurde, kann anhand der Fotoaufnahmen nicht geklärt werden.

Die Behörden, Interessenverbände und Nutztierhalter sind informiert. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist Militärsperrgebiet, ein unbefugtes Betreten ist strengstens untersagt. Insbesondere halbwüchsige Tiere verlassen bei Geschlechtsreife ihr Rudel und wandern auf der Suche nach einem eigenen Revier ab. Dabei legen vor allem junge Männchen zum Teil sehr große Strecken zurück.

Wolf vermehrt sich weiter in Deutschland: 46 Rudel nachgewiesenDer Wolf ist in Deutschland streng geschützt - und fasst hierzulande weiter Fuß. Mittlerweile liegen Nachweise von 46 Rudeln vor, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN/Bonn) am Freitag mitteilte. Zudem seien 15 Paare und 4 sesshafte Einzeltiere nachgewiesen. Die meisten Tiere leben in Sachsen und Brandenburg. Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Im Jahr 2000 wanderte dann erstmals ein Wolfspaar aus Polen zu. Seitdem verzeichnen die Artenschützer eine positive Entwicklung der Population.

«Trotz der erfreulichen Zahlen weist die Art insgesamt allerdings immer noch eine ungünstige Erhaltungssituation auf. Und wir dürfen auch die Augen nicht davor verschließen, dass der Mensch nach wie vor der größte Feind des Wolfes ist», sagte BfN-Präsidentin, Professorin Beate Jessel, laut einer Mitteilung. Nur 14 der 147 Wölfe, die seit 2000 in Deutschland tot aufgefunden wurden, seien nachweislich eines natürlichen Todes gestorben. Viele werden überfahren oder illegal abgeschossen. (dpa)

Wolf geht in Fotofalle


Von Markus Müller

Die Hinweise hatten sich in letzter Zeit auffällig gehäuft, jetzt ist es sicher: Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr lebt (mindestens) ein Wolf. Ein Foto brachte den Beweis.

Erster Nachweis eines Wolfes


Das Bild ist der erste Nachweis eines Wolfs auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. In den vergangenen Monaten hatte es laut LfU aus der Region bereits Hinweise auf Wölfe gegeben. Sie waren aber nach den Kriterien des standardisierten Monitorings "als nicht bestätigte Hinweise" zu werten. "Das ist jetzt der erste hard fact", machte eine LfU-Sprecherin den Unterschied deutlich. Eine Sichtung und mehrere Fotos in der Zeit vorher hätten nicht diese abschließende Sicherheit gebracht.

Unklar bleibt aber, ob die Aufnahme dasselbe Tier zeigt, das im April in der Nähe von Neuhaus an der Pegnitz (Kreis Nürnberger Land) von einer Wildbeobachtungskamera erfasst wurde. Das ist nur durch das Foto nicht nachzuweisen. Dazu sehen sich viele Wölfe zu ähnlich. Ein Wolf hatte zudem im April bei Güntherstal (Gemeinde Hartenstein) an der Grenze zum Landkreis Amberg-Sulzbach ein Schaf in einem Gehege gerissen. Einer wurde Ende Mai bei einem Verkehrsunfall auf der A 93 bei Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf) getötet. Eine ungesicherte Sichtung hatte es etwa im Sommer 2015 bei Hannesreuth (Gemeinde Königstein) nahe an der Grenze zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr gegeben.

Hinweise verdichten sich


Ulrich Maushake, Forstdirektor im Bundesforstamt Grafenwöhr, ist vom Wolfsnachweis nicht überrascht. "Die Hinweise darauf haben sich verdichtet." Maushake zählt dazu auch das Verhalten des Wildes, "das urplötzlich flüchtete - ohne für uns ersichtlichen Grund". Denn ansonsten seien die Störungen auf dem Platz für das Wild minimal; an die militärischen Aktivitäten sei es gewohnt.

"Das war nur eine Frage der Zeit", ist das Auftauchen des Wolfes für Maushake kein Grund zur Besorgnis. Die Tiere hätten sich in den letzten 15 Jahren in Deutschland explosionsartig vermehrt. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) untermauerte diese Einschätzung, als es am Freitag bekanntgab, deutschlandweit lägen mittlerweile Nachweise von 46 Wolfsrudeln, 15 Paaren und 4 sesshaften Einzeltieren vor. "Die meisten Tiere leben in Sachsen und Brandenburg." Laut BfN war der Wolf in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Im Jahr 2000 wanderte dann erstmals ein Wolfspaar aus Polen zu.

Übungsplatz-Flächen ideal für den Wolf


Ulrich Maushake weiß von seinen Bundesforst-Kollegen, die für andere Übungsplätze in Deutschland zuständig sind, dass dort in vielen Fällen Wölfe oder gar Rudel leben. "Die Flächen sind natürlich ideal, sie sind nicht bevölkert, weisen viel Wild auf." Der Forstdirektor vermutet, dass es in den vergangenen Jahren auch in der Oberpfalz immer wieder durchziehende Wölfe gab. Das sind nach den Erfahrungen des LfU meist halbwüchsige Tiere, die bei Geschlechtsreife ihr Rudel verlassen und auf der Suche nach einem eigenen Revier abwandern. "Dabei legen vor allem junge Männchen zum Teil sehr große Strecken zurück."

Ob das jetzt fotografierte Tier ein Männchen oder ein Weibchen ist, kann man Maushake zufolge aus der Aufnahme vom 5. September nicht schließen. Man werde aber wohl in nächster Zeit weitere Bilder bekommen, die neue Erkenntnisse brächten. Sie könnten auch die Frage klären, ob bereits mehrere Wölfe im Übungsplatz leben. "Das kann man bisher nur vermuten", sagt Maushake dazu. Sicher nachgewiesen sei nur das eine Tier auf dem Bild.

Wolfsrudel in Zukunft nicht ausgeschlossen


"Die Oberpfalz wird besiedelt werden", ist Maushake aber sicher. Die "unglaubliche Dynamik", mit der sich die Wolfspopulation deutschlandweit seit 15 Jahren entwickle, lasse daran keinen Zweifel. Ein Wolfsrudel auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist damit möglicherweise eine Vorstellung, an die man sich über kurz oder lang gewöhnen muss.
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