Yan Kennel hält 26 Schlangen als Haustiere
Lieblingsspeise: Frostmäuse

Mit Schlangen kennt sich Yan Kennel aus Grafenwöhr gut aus. Das ungewöhnliche Hobby hat er von seinem Vater übernommen. Bild: spi
Vermischtes
Grafenwöhr
06.09.2016
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Wie der Vater, so der Sohn. Die Leidenschaft für kleine und große Schlangen hat Yan Kennel von Papa Werner. Und weil die schuppigen Kriechtiere den 18-Jährigen so faszinieren, hat er sich gleich 26 zugelegt. Ganz ungefährlich ist das Hobby allerdings nicht.

Flink schlingt die kleine rote Kornnatter ihren Körper um die abgespreizten Finger von Yan Kennel. "Ihr Biss fühlt sich wie eine Nadel an", beschreibt der Grafenwöhrer. "Den merkt man kaum." Die Teppichpython dagegen, die träge und zu einem Knäuel zusammengerollt in einem Terrarium liegt, ist mit ihrem Kiefer nicht so zurückhaltend. Wenn sie zuschnappt, graben sich die Zähne tief ins Fleisch. Der 18-Jährige musste das schon am eigenen Leib erfahren.

"Die Schlange hat gemeint, meine Hand wäre Futter", erklärt er das Verhalten des Tieres und muss darüber eher schmunzeln. Der Angriff kam so blitzschnell, dass der Grafenwöhrer mit bloßem Auge gar nicht erkannt hat, dass die Python sogar zweimal zugebissen hatte. Erst die zwei kleinen Wunden in der Haut verrieten, wie schnell das Tier war.

Tiere mit Nutzen


Trotzdem beteuert Kennel, dass Menschen vor Schlangen keine Angst haben müssen - zumindest nicht vor seinen. Die sind nicht giftig. "Würgeschlangen sind erst ab drei Metern für den Mensch gefährlich." Die Angst vor Schlangen - selbst vor Kreuzottern - hält sich in der Gesellschaft aber hartnäckig, weiß er. Dass Menschen aus Furcht die Tiere erschlagen, kann Familie Kennel überhaupt nicht verstehen. "Kreuzottern sind schützenswert, leisten einen Beitrag, fressen Mäuse", erklärt Mutter Annegret. Und auch Vater Werner pflichtet bei: "Ohne die Schlangen gäbe es eine Nagetierplage." Deshalb ist Yan Kennel in den Schulferien mit seinen Schlangen oft auf Tour und erzählt Kindern bei Veranstaltungen mehr über die Tiere. Damit will er den Mädchen und Jungen die Angst nehmen und darauf aufmerksam machen, dass Schlangen nützlich sind.

Sechster Sinn


Faszinierend findet Kennel an den Kriechtieren vor allem, wie sie sich zu helfen wissen. "Sie haben weder Arme noch Beine", meint er. "Das Tier ist ein einziger Muskel." Seit er sechs Jahre alt ist, hat er Schlangen. Als Kind hat er sich mit Hilfe von Büchern viel Wissen über Nattern, Pythons oder eine Boa constrictor angeeignet und auch vom Vater weiß er einiges. "Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Mein Opa hatte immer Schafe, Hühner, Enten. Für mich ist es da nicht so weit entfernt, Schlangen zu halten."

Dass eines seiner 26 Haustiere mal ausbüxt, davor hat der 18-Jährige keine Angst. Unter anderem die Kornnatter und die Teppichpython leben in seinem Zimmer in einem fest verschlossenen Terrarium. Die restlichen Schlangen halten im Keller gerade Winterruhe. In beschrifteten Plastikboxen, die mit Zeitungspapier ausgelegt sind, haben sich die Tiere verkrochen. "Mehr Bewegung brauchen sie nicht", meint Kennel. Wenn draußen dann der Schnee liegt und der Keller beheizt wird, ist für die Schlangen der Sommer gekommen und sie werden wieder aktiver.

Zum Fressen bekommen die Kriechtiere Sommer wie Winter Frostmäuse. "Die tauen wir auf, damit sie warm sind", erklärt Annegret Kennel. Wäre das Futter kalt, würden die Tiere einen weiten Bogen um die "Kaltspeise" machen. Sie fressen lieber warme Mahlzeiten. Mit ihrer gespaltenen Zunge können Natter, Python und Co. riechen, wo die Maus liegt. Manche Schlangen besitzen außerdem ein Grubenorgan. Damit können sie Temperaturschwankungen registrieren und warmblütige Beute aufspüren.

In der Winterruhe sind Kennels Schlangen allerdings nicht so hungrig und futtern meistens nur einmal pro Woche eine Maus. Allerdings gibt es Ausnahmen: "Die Boa constrictor packt auch schon zehn bis zwölf Mäuse." Während Würgeschlangen Beute mit dem Umschlingen ihres Körpers töten, spritzen Giftschlangen Toxine in das Opfer. "Schlangengift wird so schnell wie ein menschlicher Fingernagel erneuert", erklärt Yan Kennel.

Mit Schlangen kennt er sich aus. Das merkt man auch, als er mit seinem Vater ein Buch über Vererbungslehre durchblättert. Immer wieder bleiben die Männer an Bildern hängen und erklären, welche Schlangen sich paaren müssen, damit dieses und jenes Schuppenmuster entsteht. Vater und Sohn sind in ihrem Element. Deshalb können sie der Teppichpython ihren kleinen Angriff auch nicht lange krummnehmen.
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