Yunus Büyüktas vermisst an der Türkei nichts
So gelingt Integration

So kennt man Yunus Büyüktas alias Yanni: Stilvoll im weißen Hemd hinter dem Tresen seiner Bar in Grafenwöhr. Der 40-Jährige hat die Integration in Deutschland geschafft und fühlt sich wohl. Bild: myd
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Grafenwöhr
01.04.2016
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In der Heimat alle Zelte abzubrechen und sich auf ein neues Zuhause einzulassen, erfordert Mut. Yunus Büyüktas, besser bekannt als Yanni, hat die Integration in Grafenwöhr geschafft. Dort wir er mehr akzeptiert als in der Türkei.

Vor 18 Jahren wanderte Yunus Büyüktas von der Türkei nach Deutschland aus. Seit acht Jahren ist der 40-jährige Kurde und Alevit aus der Grafenwöhrer Gastronomieszene mit seiner "Yannis Bar" nicht mehr wegzudenken. Warum er gern in Grafenwöhr lebt, erzählt er im Interview:

Wie kam es dazu, dass Sie in der Oberpfalz gelandet sind?

Yunus Büyüktas: Ursprünglich wollte ich immer nach Österreich oder in die Schweiz. Da ich aber noch in der Türkei eine Urlauberfamilie aus Weiden kennenlernte, bin ich im Winter 1998 in die Oberpfalz gekommen.

In der Türkei war ich, wie auch andere Familienmitglieder, im Tourismusbereich tätig. Als Jugendlicher habe ich eine Sprachenschule besucht und konnte schon etwas deutsch.

Was hat Sie schließlich nach Grafenwöhr verschlagen?

In Deutschland angekommen, arbeitete ich zuerst in Weiden im "Hotel zur Heimat" und zweieinhalb Jahre für die Lindner-Brüder in der Max-Reger-Halle. Später zog es mich in den Schwarzwald und an die Schweizer Grenze. Ich pendelte zum Arbeiten in die Schweiz. Weitere Stationen waren Köln, Tännesberg und München. Dort habe ich beispielsweise auch Straßentheater gemacht. Ich stamme aus einer Großfamilie, die auch im Theaterbereich tätig war. Vor acht Jahren hatte ich mit Unterstützung eines Grafenwöhrers die Gelegenheit, die Bar zu betreiben. Ich bin Mitglied im Hotel- und Gaststättenverband.

Was schätzen Sie hier?

Ich mag die Stadt Grafenwöhr. Es ist eine bunte, multikulturelle und saubere Stadt, in der jeder willkommen ist, der sich anpasst. Von den Gästen und weiteren Einwohnern bin ich vom ersten Tag an akzeptiert worden.

Was vermissen Sie an der Türkei?

Die Familienfeiern, das Zusammentreffen mit meiner Großfamilie vermisse ich schon. Ich habe noch vier Schwestern, drei Brüder und viele Nichten und Neffen. In den letzten Jahren konnte ich glücklicherweise wieder in die Türkei reisen und meine Verwandten besuchen.

Worauf können Sie aus Ihrem Heimatland nicht verzichten?

Da gibt es eigentlich gar nichts, da man alles hier, beispielsweise in Nürnberg, bekommt. Und an das Wetter habe ich mich gewöhnt. Inzwischen bin ich hier in Deutschland mehr akzeptiert, als in meinem Heimatland, weil ich schon so lange hier lebe.

Wieso wurden Sie nicht akzeptiert?

Ich war etwa acht Jahre, als ein Lehrer zwei Mitschüler (Aramäer) und mich (Alevit) zwang, wie die Moslems zu Beten. Er stellte uns Fragen zum muslimischen Glauben. Wir konnten natürlich nicht alles richtig beantworten. Ich fragte ihn dann: "Sie haben uns doch erzählt, dass Kinder mindestens sieben Stunden Schlaf brauchen. Der muslimische Muezzin ruft aber um 0 Uhr nachts und dann schon wieder um 5 Uhr morgens zum Beten. Ist das in Ordnung, dass er die Kinder weckt und sie nicht genug Schlaf bekommen?"

Dafür erhielt ich Fußtritte ins Gesicht. Die anderen beiden bekamen Ohrfeigen. Mit blutigem Gesicht bin ich zu Hause angekommen. Wir sind dann weggezogen. Das Thema hat die ganze Familie stark belastet. Später, mit zwölf Jahren, bin ich zu einem Onkel nach Antalya gegangen und habe in der Tourismusbranche während der Saison gearbeitet.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die sich in der Oberpfalz integrieren wollen?

Man muss sich anpassen und auf die Leute zugehen. Auch die Sprache ist sehr wichtig. Außerdem sollte man leistungsbereit sein, also arbeiten wollen. Dadurch integriert man sich sehr viel leichter.

HintergrundYunus Büyüktas gehört der Religion der Aleviten an. Aleviten tragen keine spezielle Kleidung oder Kopfbedeckung. Sie bekennen sich zu Humanität und Demokratie, Mann und Frau sind gleichberechtigt und die Menschenrechte werden bejaht. Entsprechend ist ihr Verhältnis zu anderen Religionen offen. Aleviten gehören in der Türkei zu einer religiösen Minderheit, die auch Verfolgungen zu erdulden hatten. (myd)
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