Arbeitsbelastung am Übungsplatz
Bis der Therapeut kommt

Wie geht es weiter am Übungsplatz: Abgeordneter Uli Grötsch (von links) ließ sich von Verdi-Geschäftsführer Alexander Gröbner, Vertrauensmann Robert Braun, Verdi-Sekretärin Kathrin Birner und Fachgruppen-Vorsitzenden Wolfgang Dagner die drängendsten Probleme erklären. Bild: Brütting
Wirtschaft
Grafenwöhr
05.03.2016
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Um den Standort Grafenwöhr an sich machen sich die Arbeitnehmervertreter derzeit keine Sorgen. Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch erfuhr von den Verdi-Leuten aber, dass es viel zu tun gibt. Versäumnisse vergangener Jahre machen Beschäftigten buchstäblich krank.

/Weiden. Bei einem Besuch im Abgeordnetenbüro haben Verdi-Vertreter Uli Grötsch um Unterstützung beim Kampf um die Zukunft der Arbeitsplätze am Übungsplatz gebeten. Verdi-Fachgruppenvorsitzender Wolfgang Dagner erläuterte die drängendsten Probleme und der SPD-Bundestagsabgeordnete versprach, sich einzusetzen. Er wies aber auch auf seinen begrenzten Einfluss bei den Belangen des Übungsplatzes hin.

Wenn auch Ukraine-Krise und der neue kalte Krieg mir Russland die unmittelbare Sorge um Standort und Arbeitsplätze genommen haben, so gibt es noch genug, was den Gewerkschaftern nicht gefällt. Vor allem die Versäumnisse vergangener Jahre würden sich auswirken. "Wir haben rund um die Garnison Bavaria ein Durchschnittsalter von 56,5 Jahren", erklärt Dagner, der weiter vorrechnete, dass in den kommenden zehn Jahren etwa die Hälfte der derzeit noch 2800 deutschen Zivilbeschäftigten der Garnison Bavaria in Grafenwöhr, Hohenfels und Garmisch in den Ruhestand gehen.

Schon jetzt mache sich der Personalmangel durch steigende Arbeitsbelastung, Überforderung und psychische Probleme bemerkbar. "Ein Psychotherapeut aus Eschenbach hat uns bestätigt, dass alleine bei ihm derzeit rund 60 Beschäftigte am Übungsplatz in Behandlung sind." Wie viele Stellen unbesetzt sind, lasse sich nicht beziffern, weil es keine aktuellen Stellenpläne gibt. Dass es viele sind, belege aber die Tatsache, dass von Abbau keine Rede ist. Offiziell sei die Einsparungsvorgabe aus dem Pentagon aber nicht vom Tisch: Bis auf weiteres sollten jährlich fünf Prozent der Planstellen wegfallen.

Andererseits profitiere der Standort vom vermehrten Übungsbetrieb kaum. "Es gibt zusätzlich 40 Mechaniker für die Ausrüstung der rotierenden Truppen. Die Stellen sind auf ein Jahr befristet", erklärte Dagner. Den Mitarbeitern eine längerfristige Perspektive zu geben, sei ein Vorhaben, bei dem Dagner auf Grötschs Unterstützung setzt.

Der Waidhauser Abgeordnete soll auch bei einem noch größeren Projekt der Gewerkschafter helfen. "Wir brauchen ein Personalentwicklungskonzept", erklärt Verdi-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner. Dass ein solches nötig ist, um den Standart zu sichern, habe inzwischen auch die amerikanische Seite verstanden. "Aber die Umsetzung läuft sehr schleppend", beschrieb Dagner die Bemühungen. Ein erster Schritt seien im vergangenen Jahr die beiden Azubis gewesen, die ersten nach langer Zeit.
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